In der Muckibude

Ich geh jetzt in die Muckibude! So heißt das natürlich nicht, sondern Bewegungsstudio, denn es ist für alte Menschen gedacht. Fitness würde sie verschrecken. Es wird Rückengymnastik angeboten und es gibt auch einen Raum, in dem Kraftmaschinen stehen.

Mir wurde gesagt 50 mal pro Aparillo. Zunächst habe ich das auch brav befolgt, eins – ha, zwei –ha, drei-ha…

Nun ist es ja so, dass Männer nicht zwei Sachen gleichzeitig machen können, zum Beispiel zählen und zuhören. Deshalb war meine Zählerei ganz falsch, denn das Panoptikum, das sich da abspielt, erheischt wirklich die ungeteilte Aufmerksamkeit des Zeitzeugen.

Zunächst ist da Edith. Ihr Status ist unklar, aber sie ist immer anwesend. Ich nehme an, sie ist die Putzfrau. Da sie sich zu Hause langweilt, bleibt sie halt. Manchmal bringt sie Schmantkuchen mit, damit die abgearbeiteten Pfunde ja nicht verlorengehen. Wenn der richtige Trainer nicht hinschaut, gibt sie Anweisungen wie „Schultern zurücke, Mann.“ Der Mann befolgt das sofort und verdrängt derweil die Sorgen, die er sich wegen Ediths raumgreifenden Busens gemacht hat. Wenn Edith nicht aufpasst, unterhalten sich Herbert und Fritz. Der eine war Chemiker und der andere Straßenbauingenieur. Beide hadern irgendwie mit den Zeitläuften, was ich wie folgt manifestiert:

Ick war ja inner DDR Chemiker. Nu bin ick zu Hause und schau meiner Friedel über de Schulter wennse kocht. Kochen is ja ooch ´n chemischer Vorgang. Ick sare dir eens, wenn wir inner Chemie so jearbeitet hättn, wie meine Friedel kocht, dann wär die DDR schon viel früher pleite jegang. Ick hab vasucht, ihr richtijet Arbeetn beizubiejen. Oh Jemineh, hab ich Senge bezojen! Nu bin ick hier und tu so, als wenn ick träniere. Zu Hause bin ick nich mehr jern jesehn.

Bei solchen Lebensbeichten vergisst man natürlich ruckartig das Zählen.

Es hat Auftritt eine aufgedonnerte Mitsechzigerin, Pauline. Sie dreht immer nur eine Runde auf dem Standrad und berichtet von ihren Venenproblemen. Keiner will das hören und man ist froh, wenn sie fertig ist und von hinnen rauscht.

Na det is ooch so eene. Mit de Venen hatses, aber saufen tut se wie ´n Kanalgitta. Kiek ma aussm Fensta, schon hockt se drübn inner Eckkneipe.

Edith kommt vorbei und ermahnt Herbert die Knie durchzudrücken: Keene halbn Sachn, mein Freundchn. Bist ja nich zum Quatschn hier!

Da irrt Edith, denn genau deshalb sind alle hier. Fritz wundert sich nicht, dass die Kommunen so verschuldet sind: Dett kommt daher, dat se heutzutage nüscht mehr vom Strassenabu vastehn. Haste jesehn, neulich? Vorne ne Maschine, die macht den alten Belag wech, dann kommt lange, lange nüschte, dann feechtt eena und dann kommt wieder so´n Monstrum und kackt den neuen Asphalt uff de Strasse. Hinterher kommt ooch noch ne Waltze. Mann wat soll dat denn? Wir ham dat damals mit zwee Dutzend Mann jemacht. Und wenn wa zum Fertichstellungstermin nicht allet bei Fuss hattn, hamwa noch paar von den Politschen aus Hohenschönhausen anjefordat. Dat jing allet seinen sozialistischen Gang, und jut war et!

Ja,ja, Fritz schwärmt wieda vonner jutn altn Zeit, aber die Knie beinanderhaltn det kannste nich, wa? Das war jetzt wieder Edith.

Die Gebühr von 53 € wird monatlich abgebucht. Mein Abo beim Theater hab ich abbestellt.

Terror, ein krachendes Fehlurteil

Gestern wurde auf ARD, ORF und SRF das Theaterstück „Terror“ von Ferdinand von Schirach gesendet.

Es ging darum, dass der Pilot eines Jagdbombers ein voll besetztes Zivilflugzeug abgeschossen hat, das ein Terrorist in ein voll besetztes Fußballstadion zu lenken entschlossen war. Hat sich der Bundeswehrpilot damit strafbar gemacht?

In Deutschland, Österreich und der Schweiz haben mehr als 84% der Zuschauer dafür gestimmt, dass sich der Pilot nicht schuldig gemacht hat, der Rest war der gegenteiligen Meinung.

Ich finde das erschreckend, denn es zeigt, dass die Saat der Populisten aufgeht:

In der Schweiz, in Polen und in Ungarn sehen wir, wie die rechten Parteien seit etlichen Monaten verkünden, die Verfassungsgrundsätze müssten sich nach dem jeweiligen Willen der Mehrheit der Wähler richten. Wir sehen es: In der Schweiz sollte das Bleiberecht von Ausländern ausgehebelt werden, in Ungarn ist es die Pressefreiheit, die Genfer Flüchtlingskonvention und in Polen ist es der Verfassungsgerichtshof.

Überall versucht „die Rechte“ unter Berufung auf den Willen des Volkes Garantien des Rechtsstaates abzubauen. Derlei Denken wird vorbereitet indem die Grundrechte, die von allen westlichen Verfassungen garantiert werden, zur Verhandlungsmasse degradiert werden.

Es ist ein in der Geschichte einmaliger Vorgang, dass alle EU Länder sich auf Verfassungsgrundsätze geeinigt haben, eben auf die Grundrechte, die den Bürger vor der Willkür des Staates oder seiner Institutionen schützen.

So ist es keinem Bundeswehrsoldaten, keinem Schrankenwärter und keinem Politiker erlaubt, über das Leben eines seiner Mitbürger zu entscheiden, auch wenn er noch so überzeugt ist, dass er damit andere Menschenleben rettet.

Artikel 1 Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Nach dem gestrigen Fernsehabend habe ich den Eindruck, dass die Mehrheit nicht weiß, was mit der „Würde des Menschen“ gemeint ist. Es ist auch gemeint, dass der Mensch nicht misshandelt werden darf, es ist auch damit gemeint, dass der Staat dem Bürger ein Leben in Würde garantieren muss. In erster Linie ist die Würde des Menschen aber sein Leben selbst. Nicht umsonst steht in Artikel 2,2 GG „In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.“

Die Politik war bisher gut beraten, bisher kein Gesetz verabschiedet zu haben, das das Leben, die Würde des Menschen zur Disposition stellt.

Es gibt Diskussionsbeiträge, die meinen, das sei Feigheit seitens der Politik, sie lasse ihre Bürger, wie den Piloten in Extremsituationen allein.

Davon kann keine Rede sein, denn die Würde des Menschen ist unantastbar. Das gilt es zu beachten, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Das Problem ist, dass es offenbar den Schulen, den Unis, den Medien nicht gelungen ist, diesen Grundsatz so zu vermitteln, dass er auch verstanden wird.

Gerhard Baum, der ehemalige liberale Innenminister, ein „rocher de bronce“ im Meer der relativierenden Verfassungstheorien, hat gestern sehr zu Recht immer wieder darauf hingewiesen, dass Artikel 1 unseres Grundgesetzes Ewigkeitsanspruch hat. Das bedeutet, er kann nur durch einen (rechtswidrigen) Staatsstreich abgeschafft werden.

(Ich verweise auf meinen fb Beitrag vom März 2016 zum Theaterstück „Terror“, den ich heute auf meinem Blog

hansrotenhan.com

erneut veröffentlicht habe.)

Terror, Ferdinand von Schirach

Erstmals veröffentlicht auf meiner facebook Seite im März 2016

Im Februar haben wir uns in München in einem winzigen Theater die dortige Uraufführung des Theaterstückes angesehen, das Ferdinand von Schirach unter dem Titel „Terror“ veröffentlicht hat.

Es geht darum, ob ein Bundeswehroffizier den Abschuss eines voll besetzten Flugzeuges befehlen kann, damit mehrere hundert Menschenleben riskiert, aber tausende rettet, denn ohne den Abschuss wäre das Flugzeug von Terroristenhand in die ebenfalls vollbesetzte Allianz Arena in München gestürzt.

Der Clou daran ist, dass nach Beendigung des Stückes das Publikum per Hammelsprung entscheidet, ob der Offizier verurteilt werden soll oder nicht.

Uns wurde berichtet, in Nürnberg werde das Stück zeitgleich ebenfalls uraufgeführt und man sei gespannt, ob dort anders abgestimmt werde, als in München.

Mit uns schaute sich das Stück an mein Freund und Vetter Schorsch, seines Zeichens Doktor der Soziologie. Eines der wichtigsten Merkmale unserer nun schon fast lebenslangen Freundschaft ist, dass wir immer verschiedener Meinung sind. So auch bei der Abstimmung im Theater.

In München gewann eine Mehrheit, die den Offizier wegen übergeordneten Notstandes freisprach. Die Mehrheit hatte sich gegen die Verfassung entschieden, nicht so in Nürnberg. Ich ärgerte Schorsch damit, dass in München wohl mehr Soziologen und Pädagogen anwesend gewesen seien, während in Nürnberg Juristen die Sache entschieden hätten.

DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR (Artikel 1 Grundgesetz).

Es steht dem Menschen nicht zu, abzuwägen, ob die schiere Menge einer Menschengruppe mehr wert sei als die die zahlenmäßig kleinere Gruppe von Menschen. Wer das entscheidet, würde Gott spielen, und einen bis dahin vollkommen ungefährdeten Menschen in Gefahr bringen, um andere Menschen, die bereits in Gefahr schweben zu retten.

Bei Schirach ist die Sache verzwickter, denn die Leute im Flugzeug, würden so oder so sterben. Die Frage ist nur, ob der Offizier die sowieso Totgeweihten durch Abschuss einem früheren Tod „zuführen“ durfte, um so andere zu retten.

Bei aller Verfassungstreue, ich wüsste heute nicht, wie ich im konkreten Fall handeln würde. Ich nehme an, ich würde mich wissentlich strafbar machen, um die Menschen im Fußballstadion zu retten. Da geht einfach der „Mensch“ mit mir durch und die Ratio, die mich in München „richtig“ hat abstimmen lassen, rückt in den Hintergrund.

Das zeigt, wie dünn mein/unser Verständnis der Menschenwürde ist. Hält es einer wirklichen Probefahrt stand? Lassen wir in unserem Leben Lagunen zu, wo die Menschenrechte nur bei schönem Wetter gelten?

Der Zuzug tausender Ausländer aus Ländern, in denen die Bewahrung der Menschenrechte nur auf dem Papier steht, bringt es mit sich, dass wir diesen Menschen nahebringen müssen, was die Würde des Menschen bedeutet, zumal es eines der beliebtesten Machtdemonstrationen unter Diktatoren ist, eben diese mit Füssen zu treten.

Über die Würde des Menschen zu sprechen bedeutet aber auch, selbst zu wissen, was das bedeutet.

Theoretisch weiß ich es und dennoch spüre ich, dass im täglichen Leben es nicht immer dieses Wissen ist, was mich anleitet. Ich nehme an, das geht den Meisten so.

Das ist bedenklich.

In den kommenden Monaten stehen in Berlin und Mc Pom Wahlen bevor, im kommenden Jahr auch im Bund.

Wäre vielleicht mal ganz interessant, die einzelnen Kandidaten danach abzuklopfen, wie sie es mit der Menschenwürde halten.

Tierfreunde

Heute fand ich auf meinm facbook Account einen Beitrag, in dem eine mir nicht bekannte Dame, Roswitha Erhardt, schrieb, sie würde den Menschen umbringen, der ihrem Haustier etwas antut.

Ich fasse es nicht! Wie kann man nur so grandios doof und gleichzeitig abgrundtief böse sein?

Ich habe ja gar nichts gegen Tierschützer, ich habe auch nichts gegen Tierliebhaber, aber ich kann diejenigen dieser Spezies nicht aushalten, die Tiere vor Menschenleben stellen.

Wenn man als Jurist darauf hinweist, ein Tier sei nach dem BGB eine Sache, dann ist das sicher nicht sehr geschickt, entspricht aber der aktuellen Rechtslage.

Wobei darauf hinzuweisen ist, dass auch der Tierschutz sich auf Wirbeltiere beschränkt, Fliegen, Küchenschaben und Tintenfische dürfen nach Belieben gequält werden. Der Gesetzgeber macht da schon Unterschiede und ist nicht wie beim Menschen so entsetzlich gleichmacherisch:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Das sollte auch dem Tierschützer klar sein, den Mordgelüste überkommen, wenn jemand ein Meerschweinchen nicht artgerecht hält.

Ich finde das Gedöns, das um die Haustiere gemacht wird, erschreckend. Wenn ich sehe, dass es eine Supermarktkette gibt, die nichts anderes anbietet als Haustierbedarf, dann finde ich das abstoßend. Da erreicht die Konsumgesellschaft ihre ethischen Grenzen.

Das Abstoßende sind ja nicht die Tiere und auch nicht die Mitmenschen, die Tiere halten.

Das Abstoßende sind die Tierfreunde, die mit dem moralischen Zeigefinger rumfuchteln und sich und anderen einreden, ihr tierschützerisches Tun stehe moralisch über allem anderen Tun.

Auf den Balearen habe ich es oft und oft erlebt, wie Menschen, die mit der gesamten Nachbarschaft verkracht waren, über 20 Katzen hielten oder derart viele Hunde aus dem Asyl abholten, dass die Leiterin des Hundeheimes beschloss, dem neuen zu Hause der Vierbeiner einen Besuch abzustatten, nur um festzustellen, dass die Hunde in nicht tiergerechten Verhältnissen gehalten werden.

Nicht alle, aber viele Tierschützer kommen mit ihren Menschen nicht klar und flüchten sich in die Tierliebe. Sie mutieren peu à peu zu Menschenfeinden. Die Tierschutzverbände wären gut beraten, einen psychologischen Dienst einzurichten, der solchen Fehlentwicklungen Paroli bietet.

Das Schöne ist immer, dass die pervertierten Tierschützer immer wieder sagen, im Gegensatz zu den Mitmenschen habe sie der Hund, die Katze, der Wellensittich oder der Hamster noch nie betrogen. Wenn die sprechen könnten…

Übrigens, und das als Schlusspunkt: Die Dame Ehrhardt hat auf meine Einlassung, Tierschützer hätten oft ein Problem mit ihren Mitmenschen, geantwortet:

„Solche wie Sie sollte man auf der Stelle aufhängen!“

Faria, faria, ho. A failed song!

Lustig ist das Zigeunerleben, faria, faria, ho

Brauchen dem Kaiser kein Zins zu geben, faria, faria, ho

Lustig ist es im grünen Wald

Wo des Zigeuners Aufenthalt

Faria, faria, faria, faria, faria, faria, ho.

Es gibt wenig auf Gottes Erdboden, was so eklatant gegen die Regeln der “political correctness” verstößt, wie dieses scheinbar harmlose Kinderlied.

Den Protagonisten gibt es schon lange nicht mehr, besonders nicht in der Einzahl. Heute heißt das Sinti und Roma, Mehrzahl bitteschön. Lustig war und ist deren Leben fürwahr nicht, besonders dann wenn es sich in Osteuropa oder Spanien abspielt.

Den Kaiser gibt es auch nicht mehr und keine Steuern zahlen heute ganz andere Leute, wie wir aus den Panama Papers erfahren durften.

Der Aufenthalt im Wald lässt darauf schließen, dass es sich bei den Besungenen um Nichtsesshafte handelt. Als solche bekommen sie zwar von der zuständigen Gemeinde einen Tagessatz, dürfen dann aber nur drei Tage bleiben. Während dieser Zeit mahnt die politisch unkorrekte Oma; “Macht´s Gartentürl zua, de Zigeiner kumman.“ Sollten diese planen, länger als drei Tage an einem Ort zu verweilen, müssen sie sesshaft werden.

Um es mit Abraracourcix zu sagen: “Nos lois sont dures.“

Ist die erste Strophe schon schlimm genug, steigert sich das Lied in der zweiten Strophe  dahin, der ethnischen Gruppe pauschal Wilderei vorzuwerfen. In dem Fall ist das nach § 292 StGB ein besonders schwerer Fall von Wilderei, da gemeinschaftlich begangen. Wird mit bis zu 12 Jahren Freiheitsentzug bestraft.

Besonders perfide sind die Vorwürfe in der vierten Strophe, die hier ohne das „Faria“ wiedergegeben werden soll:

Wenn uns tut der Beutel hexen

Lassen wir unsere Thaler wechseln

Treiben die Zigeunerkunst

Da kommen die Taler wieder all zu uns.

Klarer Fall von § 263 StGB, schwerer Betrug, da gewerbs-, gewohnheits,- und bandenmäßig begangen. Zack, schon wieder bis zu 10 Jahren Freiheitsentzug.

Nun, hartherzige Menschen mögen denken, des Bisserl Diskriminierung gegen Roma und Sinti seien die ja eh gewohnt, da macht das nicht so viel.

Aber halt: Dem Liedl wohnen noch weitere Gefahren inne:

Wer das Lied in einem Amtsgebäude singt, dem kann es passieren, dass die Staatsanwaltschaft wegen falscher Verdächtigung vor einer Behörde ermittelt.

Wenn die Ermittlungsbehörde zu dem Schluss kommt, dass die Roma und Sinti nicht lustig sind, keine Steuern hinterziehen, nicht unberechtigt Tagessätze bei den von ihnen durchzogenen Gemeinden abgreifen, nicht wildern und auch nicht bandenmäßig betrügen, dann ist er dran, der vermeintlich unschuldige Sänger: § 164 StGB dreuht mit 5 Jahren.

Fassen wir zusammen: Es handelt sich um ein gemeingefährliches Lied, das Sänger und Besungene in Konflikt mit der Justiz bringen kann. Der Text ist politisch vollkommen unkorrekt und gehört verboten, zumindest aber aus den Kinderliederfibeln gestrichen.

Ersatzweise könnte man auch daran denken, den deutschen Text zu streichen, und nur das dem Sinti und Romaschen angelehnte  „faria, faria, faria, faria, faria, faria, ho“ zu belassen. In der dritten und vierten Zeile jeder Strophe müsste man allerdings das „ho“ weglassen, aber das wäre hinnehmbar.

 

Deutschland hat keine Verfassung

Neulich habe ich auf facebook einen Eintrag gefunden, in dem der Kölner Kardinal Wölki aufs Übelste und aufs Primitivste beschimpft und beleidigt wurde. Dies nur deshalb weil er gesagt hat, was offensichtlich ist:

Die Würde des Menschen erstreckt sich auch auf islamistische Terroristen.

Damit hat er nicht nur Recht, es war auch notwendig, diese Wahrheit in die Diskussion zu werfen.

In einem Rechtsstaat wird jemand, der lyncht, nicht auch gelyncht, sondern er bekommt einen fairen Prozess. Deshalb finde ich es ja so bedauerlich, dass Terroristen so oft von der Polizei erschossen werden. Ein Prozess würde es der Gesellschaft ermöglichen, in deren Köpfe zu schauen.

Gestern habe ich mir nun den „Spaß“ gemacht, den Kommentaren, wonach Terroristen keine Menschen wären, oder zumindest nicht als solche behandelt werden dürften, den Artikel 1 unseres Grundgesetzes entgegenzustellen:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Was ich damit losgetreten habe, habe ich nicht erwartet. Vielleicht liegt es an meinem Beruf oder daran, dass ich so lange im Ausland gelebt habe. Bisher hatte ich nicht die Gelegenheit, mich in solchen Abgründen von Unbildung, Gemeinheit, Dummheit und Dreistigkeit zu bewegen.

Was soll man denn dazu sagen, wenn einer behauptet, Deutschland habe gar keine Verfassung? Es stellte sich heraus, dass der Zeitgenosse so denkt, weil unsere Verfassung Grundgesetz heißt.

Andere negieren die Existenz des Rechtsstaates, weil sie finden, die Strafgerichte urteilten zu milde. Gleichzeitig sind sie sich aber nicht bewusst, dass der Umstand, dass sie ihre Ressentiments und nicht durchdachten Überzeugungen frei in die Welt hinausposaunen dürfen, eben diesem Rechtsstaat geschuldet ist.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob man sich auf Diskussionen auf so niedrigem Niveau einlassen soll. Einerseits bringt es sicherlich nichts, außer, dass man diese Leute gegen einen selbst aufbringt. Andererseits kann es aber auch nicht richtig sein, derartigen Blödsinn, derartigen Gehirnschlamm unbeantwortet zu lassen.

Immerhin hatte ich gestern einen Mitstreiter in Mario Ohle, der wacker und unerschütterlich die Vernunft, die geschichtliche Wahrheit und das redliche Denken hoch hielt.

Vielen Dank.

Affairen und Karrieren im 18. Jahrhundert!

Sophia von Habsberg wurde 1757 in Nienburg an der Weser geboren. Ihr Vater war Grundbesitzer und hannoverscher Land- und Schatzrat.

Mit fünfzehn Jahren heiratete sie den achtundzwanzigjährigen braunschweigischen Beamten Ernst Ludwig von Lenthe und hatte mit diesem eine Tochter, Antoinette, die später meinen Ur-Ur-Urgroßvater Siegmund von Rotenhan heiratete. Der schöne Name Antoinette wurde in der Familie nicht weitergegeben wohl aus der begründeten Besorgnis heraus, er würde in Franken „Andoiledde“ ausgesprochen.

Lenthe war eng befreundet mit Karl August von Hardenberg, der in kurfürstlich hannoverschen Diensten stand. Da der Kurfürst von Hannover gleichzeitig der König von Großbritannien war, hielt sich Hardenberg öfters in Staatsgeschäften in London auf, wohin er seine neun Jahre jüngere Ehefrau Christiane von Hardenberg Reventlow mitnahm. Die begann ziemlich bald und ziemlich offen eine Affaire mit dem britischen Kronprinzen, der später als George IV den britischen Thron besteigen sollte.

Bevor die Liaison allgemein ruchbar wurde, griff Hardenberg seine Frau und zog mit ihr nach Wolfenbüttel, wo auch Freund Lenthe unterdessen Dienst tat. Dort langweilte Christiane sich gottserbärmlich. Sie vertrieb sich die Zeit mit weiteren Affäiren, was Hardenberg dazu bewog, Freund Lenthe die Frau auszuspannen. Beide Ehen wurden geschieden. Christiane starb 1793 mit nur 34 Jahren. Hardenberg heiratete 1788 seine wegen ihm geschiedene Lenthesche Errungenschaft.

Damit war der später so große Hardenberg im kleinen Wolfenbüttel gesellschaftlich unten durch. Er ging in ansbachische Dienste. Seine neue Frau nahm die eigene und die Tochter Lucie aus Hardenbergs erster Ehe mit nach Ansbach. Im nahen Unternzenn verkehrte Siegmund Rotenhan oft im Hause seiner Großeltern Seckendorff und es ist anzunehmen, dass er dort in Mittelfranken Antoinette kennenlernte. Sie heirateten 1794.

Im Gegensatz zu ihrer Mutter muss Antoinette eine äußerst biedere Dame gewesen sein, der es zu verdanken ist, dass wir Rotenhans nicht alle vor Degeneration mit dem Kopf unter dem Arm auf die Welt gekommen sind. Schon 1806 verstarb sie.

Sophia Habsberg-Lenthe-Hardenberg langweilte sich in Ansbach so wie ihre Vorgängerin dies schon in Wolfenbüttel tat. Sie brannte mit einem sizilianischen Musiker durch. Es wird überliefert, sie habe sich von der Stief- und der eigenen Tochter wie folgt verabschiedet:

„Mesdemoiselles, brossez les dents, comportez bien et essayiez de plaire. Quant à moi, je m’en vais“. Putzt euch die Zähne, benehmt euch gut und versucht zu gefallen. Was mich betrifft, so gehe ich jetzt. Die Geschichte ist schön, aber nicht wahr, denn damals waren beide jungen Damen bereits verheiratet und wohl kaum in Ansbach anwesend.

Die Ehe endete 1801 mit Scheidung. Hardenberg wurde von Ansbach zum Hohenzollern-Vetter nach Berlin weitergereicht, wo er Karriere machte: Er wurde Staatskanzler, führte Preußen durch die Wirren der napoleonischen Zeit, tanzte auf dem Wiener Kongress sehr erfolgreich und brachte es zum Fürsten

Seine Tochter Lucie heiratete einen Grafen Pappenheim. Die Ehe hielt nicht lange und später heiratete sie den Grafen Pückler. Ja, genau den, der den Garten in Muskau anlegen ließ und dem sie, als ihre Mitgift verbraucht war, vorschlug, die Ehe aufzulösen, damit er sich in England neu und insbesondere reich verheiraten könne. Vor der Scheidung wurde das Ehepaar noch in den Fürstenstand erhoben.

Und unsere Sophia? Sie war ihrem Musiker nach Sizilien gefolgt. Mein Großvater behauptete, es habe sich um einen Trómpeter mit Betonung auf dem O gehandelt.

Es hätte mich interessiert zu erfahren, wie die lutherisch niedersächsische Dame das katholisch sizilianische Leben in Palermo ertragen, genossen oder verabscheut hat?

Man weiß über ihr sizilianisches Leben nicht viel. Einmal wird erzählt, sie sei 1835 verarmt in Palermo verstorben. Dann heißt es wieder, sie sei im Dom von Palermo begraben worden. Soo arm kann sie dann auch wieder nicht gewesen sein.

Ernst Ludwig von Lenthe hat es im Leben nicht zum Fürsten gebracht, wohl aber hat ihm 1806 der Komponist August Kollmann sein opus 6 gewidmet: „The shipwreck“

Ob darin ein Solo für Trómpeter vorkam?

 

Der Fluch der bösen Tat

The Mayo Football Curse

In Irland wird „Galic Fotball“ gespielt, eine Mischung aus Fußball und Rugby. Natürlich gibt es den „All Ireland Cup“.

Den gewann die Mannschaft aus dem nordwestlichen County Mayo zum letzten Mal im Jahr 1951, und das kam so:

Nach dem Finale fuhr das siegreiche Team auf einem Lastwagen in die Heimat zurück, und als man die kleine Stadt Foxford kreuzte passierte das Schreckliche:

Auf der Hauptstraße hatte sich ein Zug gebildet, der einen verstorbenen Bewohner des Städtchens zum Friedhof hinaus begleiten sollte.

Der gute Anstand gebietet es, dass wer sich dem Leichenzug schon nicht anschließt, wenigstens stehen bleibt und dem Verblichenen seine Reverenz zeigt.

Nicht so die siegreichen Sportler, sie saßen auf der Pritsche des Lastwagens und feierten ausgiebig ihren Sieg, ohne den Leichenzug auch nur eines Blickes zu würdigen.

Das erboste den Ortspfarrer derart, dass er einen Fluch über die Mannschaft aussprach, dass sie nämlich solange den Cup nichtmehr gewinnen sollte, bis der letzte Spieler des Siegesteams von 1951 gestorben sei.

Tatsächlich wurde seither der „All Ireland Cup“ nicht mehr ins County Mayo getragen.

Man hat die damaligen Spieler interviewt, die natürlich alles abstritten: Da wäre gar kein Leichenzug gewesen, wenn man ihn gesehen hätte, hätte man dem Toten natürlich die Reverenz erboten, alle Spieler seien ja schließlich gute Katholiken.

Der Schuss ging allerdings nach hinten los:  Ganz Irland glaubte ihnen, dass sie nichts gesehen hätten, denn sie hatten auf der LKW Pritsche nicht nur gefeiert, sondern insbesondere haltlos gesoffen…

In diesem Jahr war das Mayo Team wieder im Endspiel – und verlor das Finale zum neunten Mal!

Es gibt noch zwei Überlebende der mit dem Fluch belegten Mannschaft: Dr. Padraig Carney lebt vorsichtshalber in den USA, aber der todesmutige Paddy Prendergast lebt nach wie vor in Mayo und behauptet, wenn da ein Leichenzug gewesen wäre, hätten sie ihn gar nicht sehen können, weil sie nicht über die Bordwand der LKW Pritsche hätten schauen können. Klar nicht, meint ganz Irland und macht die internationale Bewegung für saufen mit dem Daumen und dem kleinen Finger.

Die Bewohner von Mayo sind die Geschichte langsam leid, sie wollen den Cup endlich haben, und versichern wenig glaubwürdig, Pedraig und Paddy müssten nicht um ihr Leben bangen. Die Fans sind allerdings bereits jetzt so gierig auf den Cup, dass sie sogar ihre Schafe in den Farben des Mayo Teams rumlaufen lassen. Die Mannschaft aber weint.

Wenn der letzte der beiden Überlebenden stirbt, da bin ich sicher, wird man in Mayo County feiern, nachdem man, es sind ja alles gute Katholiken, dem Verstorbenen die Reverenz erwiesen hat.

Hans, königliche Hoheit

 

Als mein Vater gestorben war, flog ich öfters von Palma nach Deutschland, um meine Mutter zu besuchen. Einmal schlug sie vor, wir sollten am Abend vor meinem Heimflug nach Würzburg fahren, in der „Stadt Mainz“ zu Abend essen, und dort auch übernachten. Mein Patensohn studierte damals in Würzburg, den lud ich dazu. Er schaute auch noch zum Frühstück vorbei und irgendwie merkte ich, dass meine Mutter nervös wurde. Sie brachte mich zum Bahnhof, ja sie begleitete mich sogar auf den Bahnsteig, was vollkommen unüblich war, denn sie hasste Abschiede.

Als der einfahrende Zug schon angekündigt war, gestand sie mir mit roten Bäckchen, sie habe einen Verehrer. Nun bin ich ja ein Mensch, den sein schlechter Charakter auszeichnet, und so fragte ich meine Mutter nicht, wer es denn sei, vielmehr umarmte ich sie und sagte, dass ich mich sehr für sie freuen würde. Der Zug  war eingefahren ich stieg ein, zog das Fenster herunter, das konnte man damals noch, und winkte meiner Mutter zu.

Diese rief, ja schrie nun in das Getöse von Lautersprecherdurchsagen und zuklappenden Zug Türen:

„Aber es ist doch der Großherzog von Mecklenburg!“

Die beiden trafen sich oft in Hemmelmark an der Ostsee, wo er wohnte und machten auch gemeinsame Reisen. Meine Mutter blühte auf und wirkte manchmal wie ein 15jähriges Mädchen. Wir freuten uns alle für sie, nur meinem ältesten Bruder war die Sache ein Dorn im Auge.

Als wir Geschwister uns einmal trafen, meinte er, der „Affär“ müsse entweder ein Ende gesetzt, oder aber sie müsse einer Ehe zugeführt werden.

Ich nahm das Thema sofort auf und argumentierte, er sei ja der Erbe unseres Vaters und wir anderen Geschwister seien die Erben unserer Mutter. Der Großherzog habe ja bekanntlich keinen männlichen Nachkommen, wenn es also zur Adoption käme, dann sei ich als ältester männlicher Erbe unserer Mutter dran.

Die Frage einer Eheschließung wurde nie wieder angesprochen. Ich nehme an, dass die Vorstellung, mich mit „königliche Hoheit“ ansprechen zu müssen, meinem Bruder den Schlaf geraubt hat.

Ich habe die Geschichte meiner Mutter kurz vor ihrem Tod während eines der seltener werdenden „lichten Momente“ erzählt. Sie hat so gelacht, dass ich befürchtete, sie werde ersticken. Sie hat den Lachanfall nur wenige Wochen überlebt.

 

 

Blumen im Po

In Berlin läuft gerade eine etwas abstruse Hieronymus Bosch Ausstellung in einem abgelegenen Haus mit Einschüssen aus dem Krieg. Das ist schon sinister genug, die Multi Media Show allerdings im abgedunkelten Raum mit furchteinflößender Musikuntermalung gäbe dem geprüften Besucher den Rest, fände man dort nicht immer wieder Ausschnitte aus dem „Garten der Lüste“ einem den bekanntesten Gemälde von Don Hieronymus. Darauf findet man in der unteren Mitte einen gebückten Herrn, dem eine Blume aus dem Po wächst.
Wenn man in Spanien von jemandem sagt „este tiene en el culo flores“, dann meint man damit, dass er Glück habe, ja, sein ganzes Leben lang vom Glück verfolgt werde.
Jeder kennt eine oder einen, der immer unverschämtes Glück hatte, der fröhlich pfeifend den Gefahren des Lebens ausweicht und mit schlafwandlerischer Sicherheit immer dann „hier!“ schreit, wenn mal wieder ein Stückchen Glück ausgeteilt wird.
Ich empfinde mein Leben als eine solche Kette von glücklichen Aneinanderfügungen, und nun wird dem geneigten Leser auch klar werden, weshalb ich oben von einem „gebückten Herrn“ schrieb.
Es lohnt sich einen positiven Blick nach hinten zu werfen. Der eine hat mehr Glück gehabt, der andere weniger, aber wenn wir ehrlich sind, waren die guten Stunden in der Mehrzahl.
Neulich traf ich per Zufall einen Freund wieder, mit dem ich im Jahr 1971 Kreta bereist hatte. Er frug, ob mich das Leben denn gut behandelt habe? Ich konnte nur ja sagen und dieses „ja“ hat mir bewusst gemacht, wie sehr ich glücklich war und deshalb allen Grund habe, auch jetzt glücklich zu sein.
Natürlich gab es auch dunkle Tage, besonders dann, wenn mich Leute betrogen haben, aber da war ich meistens selbst schuld und hätte mir als Anwalt eigentlich das Lehrgeld zurückgeben lassen müssen.
Glück ist etwas Unerfassbares. Das heißt aber nicht, dass man nichts dafür tun könne. Zum Beispiel führt das Lachen geradewegs zum Glück. Oder, bitte melden, wer kennt einen glücklichen Miesepeter?