Zwölfjähriger Bomber – Wut gegen Religionen

Zunächst ist es eher unwichtig, ob es tatsächlich ein zwölf-bis vierzehnjähriger Bub war, der sich und eine riesige kurdische Hochzeitsgemeinde in die Luft gesprengt hat.
Dass wir die Darstellung für wahrscheinlich

alten, zeigt, wie sehr sich unsere Gehirne daran gewöhnt haben, das Schlimmste, das Perverseste für möglich zu halten.

Wenn hier wirklich ein zwölfjähriger Bub gehandelt hat, dann ist der Plan auf jeden Fall nicht auf seinem Mist gewachsen und er wurde ebenso missbraucht, wie all die anderen Selbstmordtäter, die nur vermeintlich, da volljährig, aus eigenem Willen handelten.
In mir wächst eine unbändige Wut gegen die Religionen, ja gegen alle Religionen. Mal ist es die, mal die andere, aber alle tendieren sie dazu, uns zu missbrauchen. Der Zwölfjährige bezahlte den Missbrauch mit dem Leben, Messdiener kommen mit einem lebenslangen Trauma davon. Ich kenne keine Religion, die im Lauf der Geschichte ihre Gläubigen nicht missbraucht hätte.
Da scheint ein „systemischer“ Fehler allen Religionen innezuwohnen.

Es ist ja so, dass niemand per se eine Religion braucht. Ihre Mitarbeiter, nennt man sie Priester, Imame, Rabbis, Gurus oder Popen, produzieren nichts, vielmehr kosten sie einen immensen Haufen Geld, den die Gesellschaft geduldig zahlt. Sogar das durchaus segensreiche diakonische Wirken der Kirchen wird zu mehr als 90 % aus Steuergeldern finanziert.

Wieso wollen wir dennoch, dass es Religionen gibt? Zunächst herrscht da die Angst. Die Ungewissheit, was nach dem Tod geschieht, geht ja paarweise einher mit der ebenso großen Ungewissheit, ob es Gott gibt. Da ist eine Rückversicherung Nervenbalsam, und wenn man nicht mehr weiter weiß, weil Frau, Kind oder Freund krank oder in Not sind, dann erinnert man sich halt doch wieder ans Beten.

Seit Monaten geht mir die Frage meines Sohnes nicht aus dem Kopf, der wissen wollte, wieso ich an Gott glaubte, wenn ich doch meinen Kindern immer gesagt hatte, man müsse sein Denken auf die „ratio“ bauen. Wie also könne ich an Gott glauben, wenn mir mein Verstand sagt, dass es ihn nicht gibt.
Ich habe lange keine Antwort gefunden, es sei denn die wachsende Wut, von der ich oben schrieb.

Man darf aber davon ausgehen, dass die Tatsache, dass die Mehrheit der Menschen irgendeiner Religion anhängt, zumindest der Befriedigung eines Bedürfnisses geschuldet ist. Das Bedürfnis nach Gott ist aber kein Grund, anzunehmen, dass es Gott auch wirklich gibt.

Skeptiker sagen, das Bedürfnis nach Gott sei von denen, die von der Religion leben, seit Jahrtausenden geschickt lanciert worden, indem Angst vor dem sicheren Ungewissen, dem Tod, durch Angst vor dem nicht sicheren Ungewissen, nämlich Gott, kompensiert wurde.
Da spricht Einiges dafür, zumal dann, wenn man die salbadernden, die verbietenden, die selbstgerechten und die eifernden Gottesdiener im Auge hat.

Es gibt aber auch die Idee, dass das Bedürfnis nach Religion angstfrei ist. Wenn ich eine Messe von Bruckner höre, wenn ich die Basilika von Vierzahnheiligen besuche, oder wenn mir die Johannes Passion die Tränen in die Augen treibt, dann habe ich nicht den leisesten Zweifel an der Existenz Gottes.

Ich komme deshalb immer mehr zu dem Ergebnis, dass es keine allgemein gültige Religion oder Kirche gibt. Aber es gibt einen einzigen Gott, der in den verschiedenen Regionen dieser Welt einen anderen Namen hat, und der auf unterschiedlichste Weise verehrt wird.

Dieser Gott ist nicht wirklich existent. Seine Existenz ist individuell. Je mehr jeder Mensch das Bedürfnis hat, dass es Gott gibt, desto mehr ist er für diesen Menschen real.
Seit ich das weiß treibt mich die Frage meines Sohnes nicht mehr um.

Berliner Os(t)asen

Neulich war ich mit meiner Tochter in Weißensee. Wir suchten einen spanischen Schreiner, der am Telefon zugesagt hatte, für sie ein Möbel aus Paletten Holz zu bauen, damit aber um Verrecken nicht fertig wurde (mañana).

Wir landeten in einer imponierenden Industrielandschaft mit der Handschrift guter Architektur aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Berlin ist voll davon, nicht umsonst war die Stadt bis zum zweiten Weltkrieg die größte Industriestadt Europas. Im Westen ist gibt davon die Siemensstadt beredtes Zeugnis, im Osten sind es mittelgroße Fabriken umgeben von den Häusern, in denen die Arbeiter wohnten.

Unseren Tischler suchten wir in einem riesigen Klinkerbau, allein die Gänge waren fünf Meter breit. Vom Tischler keine Spur. Plötzlich tat sich eine Stahltür auf und ein bärtiger etwas linkischer junger Mann erschien auf der Bildfläche.

„Soy Paco“. Wir begrüßten uns und dann führte er uns in die Eingeweide des Kolosses, wo er seine Werkstatt hat. Durch finstere Gänge, mit geheimnisvollen Stahltüren arbeiteten wir uns vorwärts.
„Lo ha construido Hitler“, murmelte Paco fast entschuldigend. ¿Con sus propios manos?.

Paco grinste und dann waren wir auch schon an seiner Werkstatt angekommen. Tatsächlich stand dort ein Möbel aus Paletten Holz. Meine Tochter war beglückt, der Schreiner froh und seine Mutter, die im Hintergrund ein anderes Möbel lasierte, murmelte etwas von „buen chico“.

Als unsere Kinder noch klein waren, gab es im spanischen TV die Sendung „Fraggle Rock“. Im Vorspann wuselten immer fleißige Männeken herum, die in Höhlen arbeiteten. So muss man sich die Atmosphäre vorstellen.

Durch gewundene Gänge führte uns Paco „auf einem anderen Weg in unser Heimatland zurück“. Gleißendes Licht und ohrenbetäubender Krach empfing uns. Auf dem Hof stand ein Mercedes mit allen Türen sperrangelweit offen. Heraus dröhnte Discomusik Typ „volle Dröhnung“
Sofort erschien ein tätowierter Mann mit einer Piccolo Flasche Rotkäppchen in der Hand und lallte freundlich fragend, ob uns die Musik störe.

„Die Muckke stört mir überhaupt nich“ sagte meine Tochter und schon hatte der Tätowierte sie ins Herz und bald auch in die Arme geschlossen. Er fragte sie, ob ich mit ihm ein Bier trinken dürfe. Mit zugekniffenem Auge versicherte er mit, man müsse immer die Ehefrauen fragen. „Das ist mein Vater!“ Es war ihr sichtlich peinlich.
Der Kerl brabblete daraufhin „Unverständlichet aber Freundlichet“. Ein Afghane kam vorbei, hörte kurz rein und sagte dann: „Mein Deutsch ist besser“.

Es gelang uns, zu vermeiden mit auf die „Spaßmeile“ mitgenommen zu werden. Dort war in einem umzäunten Areal doch tatsächlich eine Oase aus freilaufenden Schafen, Strandkörben, Eisschränken, Grillplätzen und Sonnenschirmen um einen Pool entstanden – ein Idyll.

Beim Wegfahren kamen wir an einer anderen Klinker-Fabrik vorbei. Dort sollen nun Wohnungen entstehen, so wie in der Zigarettenfabrik, in der wir leben. Sehr beeindruckend fanden wir die riesige Glaskuppel über dem Treppenhaus.
Ich kann nur dazu raten, solche Ausflüge Berlins Neben-Welten zu machen.

Münchner Grant vs. Berliner Schnauze

Lange habe ich in München gelebt, vor einer Ewigkeit, in den 70er Jahren. Der „Grant“ der dortigen Bevölkerung hat mich damals begleitet, womöglich verfolgt.  Eben halt so wie jeder, der dort an der Isar wohnte oder wohnt, sich mit diesem Phänomen auseinander setzen muss. Der Münchner Grant hat etwas von „noli me tangere“: Komm mir nicht zu nahe.  DerErden Last drückt mich schon genug, als dass jetzt noch von mir erwartet werden könnte, freundlich zu sein. Der Grant ist ein künstlich aufgebauter und sorgsam gepflegter Paravent, hinter dem man seine „königlich bayerische Rua“ pflegt.

Aber was ist die Berliner Schnauze, mit der man hier angeraunzt wird? Sie dient auch der Abwehr gegen den, der droht, zu nahe zu kommen. Allerdings kommt das nicht defensiv daher wie der Grant. Der Berliner raunzt den Unbekannten durchaus aktiv an, er wirkt belehrend. „Wie kannst du es wagen, mich für meschugge zu halten?“  Niemand hat das angenommen, aber der Eindruck kommt zurück, als sei das eigene Auftreten, die eigene Existenz eine permanente Offensive gegen das Selbst(wert)gefühl des homo berlinensis. Es scheint, als ob diese Spezies Mensch ständig mit der Zurückweisung konkreter oder abstrakter An- oder Eingriffe beschäftigt sei.  Quasi als „coda“ wird abschliessend drangehängt: „Selbst meschugge!“

Ich habe ein Buch geschrieben

Ursprünglich war gedacht, dass ich für die Kinder meiner Geschwister Familiengeschichtchen aufschreibe, damit sie nicht vergessen werden. Dann kam ich auf die Idee, dies an Hand einer virtuellen Führung durch das Rentweinsdorfer Schloss zu machen, denn immerhin sind die Geschichten dort passiert. Und dann haben mir verschiedene nette Leute gesagt, das Ganze sei durchaus von zeitgeschichtlichem Inteesse, und so wurde ein Buch daraus. Man kann es kaufen unter:    http://tinyurl.com/rotenhan

Viel Spass beim lesen

Det ham wa nich

Seit einem knappen Jahr leben wor nun in Berlin. Jeweils die erste Woche im Monat verbringe ich in der Kanzlei in Palma, aber erster Wohnsitz ist jetzt Berlin, genauer Pankow.  Als wir am 14. Oktober 2014 hier ankamen, haben wir zuerst im Café Nord in der Schulstrasse etwas zu Mittag gegessen. Auf der Terrasse sass Henry Hübchen, er war der erste Berliner, den ich nach unserer Ankunft traf. Ich dankte ihm, dass er für uns das Empfangskommitee machte. Er fragte, woher wir denn kämen? Aus Mallorca. „Na det hätt ich nich jemacht!“ Schöne Bescherung!

Ein paar Tage später hatte ich einen Notartermin in der Innenstadt und ging mit Schlips und Kragen zur S-Bahn. Mit mir fuhr einige Stationen lang  eine Kita Gruppe. Einses der Mädchen zeigte mit dem Polkfinger auf mich und kreischte: „Kiek ma, der dicke Mann jeht uff ne Hochzeit!“

Nächstes Erlebnis war beim Metzger. Ich wollte zwei Ossobucos kaufen. „Ham wa nich.“ Ich zeigte nun mit meinem Polkfinger auf das gewünschte Stück Fleisch: „Aber da liegt es doch“. „Na, det is ne Beinscheibe!“ Berliner haben etwas Belehrendes. Sie sind fähig, zu erklären, das sei eine Schrippe, wenn man eine Semmel beim Bäcker kaufen will.

Am meisten aber hat mich erstaunt, dass es hier in Deutschland Sachen und Dienstleistungen „auf Rechnung“ gibt. In Spanien wäre das vollkommen undenkbar. Hier ist es normal.

Plus Valía

Die Plus Valía , die Wertzuwachssteuer, ist eine von den Gemeinden erhobene Steuer auf die Steigerung des Kathasterwertes seit dem letzten Eigentumswechsel. Es liegt in der Natur der Sache, dass sie meist bei Verkäufen erhoben wird, aber auch bei Schenkungen und Erbschaften fällt sie an. Sie ist im Regelfall vom Verkäufer zu bezahlen, wenn auch die Immobilie selbst für ihre Bezahlung haftet. Das ist schon an sich ein widersinniges Konstrukt, aber es kommt noch besser: Da die Zahlung der Plus Valía für die Not leidenden Gemeinden stets ein wohltuender Schluck aus der Pulle ist, hat man im Jahr 2012 ein Gesetz erfunden, wonach Eigentümerwechsel im Grundbuch erst dann eingetragen werden dürfen, wenn der Nachweis erbracht ist, dass die Plus Valía bezahlt worden ist. Das stellt die Systematik des spanischen Grundbuches auf den Kopf, aber wenn´s um´s Geld geht, war dem Gesetzgeber die Systematik schon immer mal eher schnurz, mal eher piepe. Die Plus Valía auszurechnen, ist das, was Engländer „challenging“ nennen. Immerhin gibt es jetzt amtliche Stellen, bei denen man im Voraus erfahren kann, wie viel diese Steuer ausmachen wird.
Verlangen Sie vor dem Kauf einer Immobilie stets von Ihrem Anwalt, dass er diesen Betrag errechnen lässt. Er sollte dann vom Kaufpreis einbehalten werden, denn nur so können Sie garantieren, dass der Verkäufer nicht die grundbuchliche Eintragung behindert und Sie, der Käufer, dann als Immobilieneigner schlussendlich doch für die Zahlung haften.

Das Neue Jahr und die Immobilienblase

Seit nunmehr fünf Jahren ächzen wir in Spanien mehr oder weniger lautstark. Man hat den Eindruck, dass diejenigen, die am lautesten ächzen diejenigen sind, die die Krise überleben werden. Denn all den anderen, die unterdessen Arbeit und Dach über dem Kopf verloren haben, fehlt längst die Luft zum Ächzen.

Man hofft, dass im Jahr 2014 die Wirtschaft wieder anspringt und es endlich wieder neue Arbeitsplätze geben wird. Dazu ist es allerdings notwendig, dass die Immobilienblase abgebaut wird.

Man stelle sich davor: Auf dem spanischen Festland stehen ein Million unverkaufter Immobilien dumm rum. Durchschnittlich ist jede dieser Immobilien mit einer Hypothek von 200.000 € belastet, macht 200 Milliarden Euro an faulen Krediten. Nachfrage nach diesen Immobilien besteht schon, nur wie soll die spanische Kreditwirtschaft den Ankauf von Wohnimmobilien finanzieren können, wenn sie seit Jahren ziemlich ratlos in ein 200 Milliarden Loch glotzt.

Die Manager internationaler Immobilien Fonds klagern, sie fänden nichts, wohin sie mit ihrem Geld sollten, Zinsen gibt es nicht, und Immobilien erbrächten auch nicht mehr das, was früher mal war.
Wenn man sie dann auf die geschilderte Situation in Spanien anspricht, sagen sie, man habe Spanien nicht auf dem Schirm und überhaupt..

Was, überhaupt? Ich habe mehr und mehr den Verdacht, dass sich hinter diesem <überhaupt> die schiere Trägheit steckt, Trägheit, sich mit einer fremden Sprache und den Gegebenheiten eines Marktes auseinanderzusetzen, der nicht der angelsächsische ist.
Man fragt sich, welcher Dämon manchen Investmentbanker reiten mag, der ihn auf die Idee bringt, kaputte Immobilien in Detroit zu kaufen?

Und Spanien liegt so nah!

Wer hier den Wohnungskauf durch die Erteilung von Hypothekendarlehen ankurbeln will, hat nicht nur einen sichere Rendite sondern sorgt auch dafür, dass der viertgrösste Markt Europas wieder auf die Füsse kommt.

Wer macht den Anfang?

Was wird mit dem Euro?

Von Anfang an war klar, dass Spanien zu den PIIGS Ländern gehörte. Zuerst  musste in Athen geholfen werden, dann aus anderen Gründen in Dublin, bald wird Lissabon folgen und dann sind unweigerlich Spanien und wahrscheinlich Italien dran. Ich erinnere mich, dass bei Einführung des Euro gefragt wurde, wieso Griechenland und Irland mit in’s Boot genommen würden? „Die sind so klein, das spielt garkeine Rolle“, war die stereotype Antwort.

Keiner dachte daran, dass die Länder mit bislang miesen Währungen nun einer starken Währung angehören würden, und in ihrer Bonität demzufolge mit den starken Ländern der Euro Zone gleichziehen würden. Plötzlich hatten diese Länder Zugang zu viel billigeren Krediten als zuvor. Statt mit diesen billigen Mitteln die Staatsschulden zu reduzieren, pumpte man das Geld in den Bankenzyklus, und von dort aus wurden unter anderem die Immobilienblasen finanziert, die jetzt Spanien und Irland plagen.

Was tun? Ich bekomme fast täglich Aufforderungen, meine Millionen aus Euro und US-Dollar herauszunehmen und sie stattdessen in Schweizer Franken, Singapore Dollars oder sonstwas zu investieren. Nun, ich habe keine Millionen, also bin ich da sorgenfrei.

Aber was passiert mit unseren Renten? Es ist abzusehen, dass diese gerade dazu reichen werden, die Grundbedürfnisse des Lebens zu bestreiten, das gilt für mich und alle anderen, die ihre Lebensarbeitszeit in einem der PIIGS Länder verbracht haben.

Glücklich, wer da in einer abbezahlten Eigentumsimmobilie wohnt. Das ist wahrscheinlich zur Zeit der beste Rat fur diejenigen, die mit dem Wenigen, das sie haben, garkeine Möglichkeit haben, aus dem Euro auszusteigen: Nutzt die gesunkenen Immobilienpreise um etwas zu kaufen. Zunächst ein Eigenheim, und wenn dann noch was übrig ist, sollte man sich wirklich überlegen, eine Geschäfstimmobilie in guter Lage zu kaufen, die monatlich 1.000 oder mehr € abwirft.

In Palma bekommt man ab 200.000 schon ganz ansehnliche Ladenlokale.

Wohin soll ich bloss mit meinem Geld?

Die Wirtschaftskrise, aus der wir längst noch nicht draussen sind, bewirkt die erstaunlichsten Entwicklungen. Nachdem die Banken durch ihre eigennützige und fehlerhafte Anlageberatung jedwede Glaubwürdigkeit verloren haben und offenbar auch nciht in der Lage sind, alternative oder neue Investmentmöglichkeiten zu schaffen, werde jetzt sogar ich gefragt, wo man sinnvollerweise investieren könnte. Mich erstaunt das sehr, denn ich bin nun wirklich kein Anlageberater.

Ich habe den Verdacht, dass man mich in erster Linie deshalb fragt, weil man möchte, dass ich mich zur Werthaltigkeit von Immobilien auf den Balearen äussern soll. Na, dann tu ich das mal:

Durch den Kauf einer Ferienimmobilie auf den Balearen macht man bestimmt nichts Falsches. Das investierte Geld bringt zwar keine Zinsen, aber die Werthaltigkeit ist dann so gut wie sicher, wenn man die Immobilie nicht mit Hilfe einer Hypohek finanziert hat. Gerade in Krisenzeiten kann es passieren, dass dem Hypothekenschuldner das Geld ausgeht, und dann muss er zur Unzeit zu jedwedem Preis verkaufen.

Falsch ist die Annahme, man könne eine solche Ferienimmobilie zu einem Renditeobjekt machen. Man will das Häuschen ja schliesslich auch selbst nutzen, deshalb kommt nur wochenweise Vermietung in Betracht, … und die ist verboten, zumindest auf den Balearen. Das haben die Hoteliers so durchgesetzt, die die Konkurrzne der Privatvermieter scheuen. Nun ist es ja bekanntlich so, dass es immer wieder Zeigenossen gibt, denen es vollkommen wurscht ist, was legal und was illegal ist, und die dennoch wochenweise vermieten. Sie nehmen dabei billigend in Kauf, dass das so erwirtschaftete Geld bei ihnen stets kohlpechrabenschwarz ist, denn für illegale Tätigkeiten sollte man tunlichst keine Rechnung ausstellen. (Motto: Ich mach zwar Unerlaubtes, aber blöd bin ich nun auch wieder nicht). Die Gefahr, von der örtlichen Tourismusbehörde erwischt zu werden, hängt davon ab, wie gut oder schlecht Sie sich mit Ihren Nachbarn stehen. Alle bisher durch meine Hände gegangenen, zum Teil sehr saftigen, Strafen gingen auf Anzeigen missgünstiger Nachbarn zurUck.

Abzuraten ist von der Investition in reine Mietobjekte. Es gibt in Spanien nicht eine Mieterkultur wie in Deutschland oder der Schweiz. Don’t be gentle, it’s a rental, ist hier das Motto. Die Mietsache bekommen Sie vollkommen runtergewohnt wieder, nachdem Sie den zahlungsunwilligen Mieter nach langem Prozess rausgeworfen haben.

Andere Anlagemöglichkeiten? Naja, Palmölplantagen sollen sehr rentabel sein, nur sind sie so umweltschädlich, dass man tunlichst verschweigt, wo man sein Geld reingesteckt hat. Auch indische Textilfabriken locken mit hohen Renditen, aber wer will diese schon mit Kinderarbeit verdienen? „Compliance“ ist längst für Wirtschaftsunternehmen ein Thema und wird es in zunehmendem Masse auch für Privatpersonen.

Neulich habe ich von einer relativ neuen Anlagemöglichkeit gehört: Wald Fonds. In Nord- und Südamerika gibt es das schon seit langem, aber in Mitteleuropa ist es neu. Wald hat keine hohe Rendite, 2% ist viel. Aber die Werthaltigkeit von Wald ist nur mit der von Edelmetallen zu vergleichen.. Bei grossen Vermögen ist es üblich geworden, etwa 10% desselben in Wald anzulegen. Derzeit werden da enorme Gewinne erzielt, da die Nachfrage nach Wald steigt, und damit die Preise ebenfalls.

Nur, wie bewirtschafte ich meinen Wald, wenn ich von Beruf Anwalt bin, und deshalb vom Wald keine Ahnung habe?

Wer mehr wissen möchte, kontaktiere mich bitte.

Kündigung von Verträgen

Immer wieder muss ich mich damit auseinandersetzen, dass deutsche Klienten einen spanischen Vertrag einseitig kündigen, oder, das kommt insbesondere beim Mietvertrag vor, dass man die vertraglichen Leistungen einseitig verändert. Ich denke da insbesondere an Mieteinbehalt wegen Mängeln an der Mietsache.

Was in Deutschland rechtens ist, ist nicht automatisch in Spanien rechtens. Das deutsche Zivilrecht ist eine weisen Männern des 19 Jahrhunderts entsprungene Neuschöpfung, die später von den Griechen und den Japanern kopiert wurde. Mit dem Recht anderer Länder hat das deutsche Zivilrecht nur wenig gemein.

Das spanische Zivilrecht läuft fest in der Nachfolge des römischen Rechts. Da heisst es:  „Pacta sunt servanda“, frei übersetzt: „Was ausbedungen worden ist, muss erfüllt werden.“ Konsequenterweise sieht das spanische Recht nur sehr begrenzte Möglichkeiten vor, in denen geschlossene Verträge einseitig aufgekündigt werden können, eigentlich nur dann, wenn Vertreter für Dritte einen Vertrag geschlossen haben.  (Art 1293 Códico Civil).

Art. 1256 des Código Civil sagt wörtlich:“Die Gültigkeit oder dier Erfüllung der Verträge unterliegen nicht der Entscheidung einer der parteischliessenden Parteien.“ Klarer geht’s nicht.

Das bedeutet: Eine Veränderungen der im Vertrag ausbedungenen Rechte und Verpflichtungen kann entweder nur einvernehmlich durch die Parteien geschehen oder aber durch das Gericht.