Der kleine Bruder kommt

Als unser jüngster Bruder in Bamberg zur Welt kam, packte uns am Morgen unser Vater in seinen VW Käfer und kutschierte uns vier in die Frauenklinik am Markusplatz. Alle meine Geschwister sind dort geboren, außer mir, aber das ist eine andere Geschichte. Die ganze Autofahrt über war ich weniger neugierig auf den Neugeborenen, als auf das, was er uns mitgebracht haben würde. Ich spekulierte auf ein Matchbox Autochen. Die kamen damals neu aus England rüber und hatten den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu den von Vicking produzierten Modellen durchaus auch mal einen Tritt vertrugen.

Als wir auf die Klinik zugingen, lief vor uns ein Mann, und als der gerade an der Haupttür angekommen war, kam ihm ein anderer Mann entgegen, der ihm zurief: „No Günder, had die Fraa wieder a Glanns grichd?“ Die Antwort war wirklich verblüffend: „Wassd, Bedä, ich sooch der aans: Ich hald mich do raus.“ Ich war damals sieben Jahre alt und zu klein, um die Tragweite dieser Worte zu erfassen, irgendwie daneben kam mir die Unterhaltung aber schon vor.

Nun durften wir ins Zimmer unserer Mutter. Damals gab es schon rooming in. Neben ihrem Bett lag in einem kleinen Bettchen ein rosiger kleiner Botz. Uns wurde gesagt, es sei ein Bub und bis zur Taufe liefe er unter dem Decknamen Dominicus. Das war der Heilige des Tages seiner Geburt. Ich gestehe, dass ich mich für den Neugeborenen nicht sonderlich interessierte. Toll war, als Mutter darauf hinwies, wie klein doch ihr Bauch geworden sei. Tatsächlich sah man unter der Decke die Wölbung nicht mehr, die ich in den vorvergangenen Monaten mit zunehmender Besorgnis hatte wachsen sehen.

„Was hat er uns denn mitgebracht?“, fragte ich vorlaut. Da packte Vater vier Spielzeugposaunen aus. Ich war hingerissen. Ich kannte das Instrument aus dem Posaunenchor in der Kirche. Man konnte bei den Dingern wie bei einer echten Posaune an dem Rohr ziehen und der Ton veränderte sich. Ich war selig. Leider wurden die Instrumente sofort wieder eingepackt, weil wir damit eine derartige Kakophonie losließen, dass die Stationsschwester in höchster Besorgnis Mutters Zimmer erstürmte. Daraufhin gestaltete sich unser Abschied etwas abrupt und Vater lud uns wieder in den VW, um zum Grünen Markt zu fahren. Dort gab es damals etwas ganz Neues, das Eiscafé Venezia. Es wird unterdessen wahrscheinlich schon von der dritten oder vierten Generation weitergeführt. Damals standen ein behäbiger schnauzbärtiger Italiener und seine Ehefrau, die von allen nur „Mamma“ gerufen wurde, hinter der Eisvitrine und verteilten Köstlichkeiten in Waffeln und Glasbecher, die in seltsamen Farben schillerten.

Es war August und wir saßen auf den Stühlen draußen. Das war auch gut so, denn Vater hatte versprochen, wir dürften zur Feier des Tages so viel Eis essen, wie wir wollten, was natürlich mit einer riesigen Sauerei auf dem Tisch einherging, denn wir probierten reihum und waren ausgelassen. Irgendwann fragte „la Mamma“, was wir denn da zu feiern hätten. Mit Händen und Füssen berichteten wir von der Geburt unseres Bruders. Die Dame zählt kurz ab und als sie merkte, dass unser Vater nun fünf Kinder hatte, wurde er zum Ehrenitaliener erklärt, und es gab noch einen Eisbecher auf’s Haus

Die Heimfahrt dauerte etwas länger, denn der Schwester wurde es schon in Hallstadt schlecht, ich schaffte es bis Breitengüßbach und in einem Graben vor Reckendorf musste Vater den beiden anderen Brüdern den Kopf halten.

Nachmittags ging es uns dann wieder so gut, dass bei einer Rauferei mit einem meiner Brüder meine Posaune den Gang alles Irdischen nahm.

Auf Ibiza ist man misstrauisch!

„Mi amo no está en casa”, sagte die alte Bäuerin und ich fiel fast auf den Hintern vor Verblüffung. Das Wort „amo“ kannte ich von meiner Schallplattensammlung, wo ein Terrier in ein Grammophon hineinhört und darunter steht: „La voz de su amo“, die Stimme seines Herrn.

Die Bäuerin hatte ihren Ehemann tatsächlich als ihren Herrn bezeichnet. Der Ihre war Pep der Älteste. Die anderen Brüder hießen Toni, Juan und Xisco. Einer meiner Klienten hatte sich in den Kopf gesetzt, die vollkommen verfallene Finca der Brüder zu kaufen. Damals konnte man Ruinen noch ziemlich problemlos wiederaufbauen und wenn das Innere etwas moderner ausfiel, dann störte das auch niemanden. Damals, und besonders auf Ibiza, galten Gesetze eher als Vorschläge…

Ich hatte mit den vier Brüdern verhandelt, wir hatten und sogar schon fast auf einen Preis geeinigt, sogar welcher Teil davon „so“ also schwarz fließen sollte war schon ausbaldowert worden und auch der Makler stimmte freudig zu, als ich ihm darlegte, dass seine Courtage im gleichen Verhältnis wie der Kaufpreis offiziell und nicht offiziell bezahlt werden würde. Auf Ibiza hatte damals niemand, ich eingeschlossen, das Gefühl, damit etwas Ungesetzliches zu tun, es war einfach so.

Trotz aller Einigkeit zierten sich die vier Verkäufer standhaft, den privatschriftlichen Kaufvertag zu unterschreiben. Tagelang hing das Geschäft in der Luft. Als ich mein Auto bei Xisco, dem Jüngsten, zum Ölwechsel brachte, fragte ich ihn, was denn da los sei. Zunächst druckste er herum und dann gestand er mir, dass er seinen Brüdern nicht über den Weg traue. Die hätten ihn schon mehrfach zu betrügen versucht und einmal sei ihnen das sogar gelungen. Er sei sicher, dass einer oder mehrere im Stillen mit dem Verkäufer ausgemacht hätten, noch ein zusätzliches Handgeld zu bekommen. Ich bedankte mich, und versprach ihm 500.000 PTAS für diese gute Information.

Mir war klar, dass jeder der vier so von seinen Brüdern dachte.

Nun sagte ich zu meinem Klienten, dass ich 2.000.000 PTAS in bar bräuchte, sonst würde das mit dem Vertrag nichts. Der schluckte etwas, aber wer kann schon meinen ehrlichen Augen widerstehen!

Dann setzte ich den Privatvertrag auf. Das war mühsam, denn PCs gab es noch nicht, Photokopien oder gar Durchschläge erkannte man als solche, ich musste die Verträge vier Mal im Original herstellen, für einen Legastheniker eine Titanen Aufgabe.

Pep, el amo, fand ich nach einigem Suchen in einer Bar in Santa Gertrudis. Er nahm die 500.000 PTAS sofort an und unterschrieb.

Mit einem anderen Original fand ich mich in Tonis Gemischtwarenladen in San Rafael ein. Als er merkte, dass es um Geld ging, komplimentierte er mich aus dem Landen hinaus. Auf der Straße meinte er, das ginge seine Frau nichts an. Unterschrift und Geldübergabe fanden im Lieferwagen des Betriebes statt. Von Juan, einem Bankangestellten wusste ich, wo er um 9 Uhr seinen café trank. Die Sache lief auch dort problemlos, er unterschrieb ein weiteres Original und sackte das Geld freudig überrascht ein. Mit Xisco hatte ich etwas Schwierigkeiten. Er war misstrauisch, schließlich hatte er mich ja auf die richtige Fährte geführt. Ich schmeichelte ihm, auch in unserer Familie sei der jüngste der vier Brüder der Gescheiteste und schließlich zeigte ich ihm sogar die drei bereits unterschriebenen Verträge.

Da lachte er und meinte, die „alemanes“ seien schon komische Leute. Wir „Ibicencos“ klären solche Probleme mit Beschimpfungen, mit Fäusten oder auch mit Schrotkugeln. Aber für so was Geld auszugeben, auf die Idee käme hier wirklich niemand. Auch er unterschrieb und steckte lachend das Geld weg. Nun konnte ich die damals noch notwendige Militärgenehmigung einholen und ein paar Monate später fanden wir uns alle beim Notar wieder, wo die vier Brüder zusammen mit meinem Klienten die „Escritura Publica de Compra -Venta“ unterzeichneten.

Friede, Freude, Eierkuchen.

 

Den Geld sei Hanswurschd und in ein Kalobb auf’n Grab zu!

Lange hatte ich gedacht, dass Geld nur dazu diene, Späßchen zu finanzieren. Für mich war das ein zwanzig Pfennig Eis beim Edeka, für unsere Mutter war es, wie sie sich ausdrückte „Stöffchen kaufen“ in Bamberg. Unser Vater brauchte überhaupt kein Geld. Dass er es war, der das Geld verdiente, ja, das sagte Mutter immer wieder. Nur, Geld war vollkommen unwichtig, denn die Kartoffeln lagerten im Keller, die Schorns Marie kochte jeden Tag ein Essen, im Frühling hingen die Kirschen an den Bäumen und im Herbst waren es dann die Äpfel.

Dass Geld notwendig war, bemerkte ich erst als meine älteren Geschwister und später auch ich ins Internat kamen. „Das kostet für jeden einen VW im Jahr“ sagte mein Vater“. Es war für mich unvorstellbar, wie es zugehen konnte, dass meine Mutter einen VW Käfer hatte, mein Vater auch einen, die wurden alle drei Jahre ausgewechselt, aber in diesen drei Jahren bezahlte Vater noch neun weitere VWs in Form von Schulgeld nach Schondorf am Ammersee! Wenn ich faul war, und das war ich meistens, plagte mich das schlechte Gewissen und ich überlegte welchen der 365 Teil-Volkswagen ich wohl an diesem Tag versaubeutelt hätte, einen Kotflügel, die Stoßstange oder die Scheibenwischer?

Aber mit zunehmender Neugier fragte ich mich, wie es Vater denn anstellte, einen derartig riesigen Haufen Geld zu verdienen. Im Internat bemerkte, dass alle meine Kameraden Väter mit anständigen Berufen hatten. Arzt, Fabrikant, Anwalt, Bankier, Zeitungsschreiber, klar, das waren Berufe. Einer sagte, seine Mutter sei Saatzuchtassistentin. Darunter konnte ich mir gar nichts vorstellen. Das war etwa ebenso geheimnisvoll, wie das, was mein Vater tat, denn der fuhr zur Erntezeit mit seinem VW über die Felder und redete mit dem Mann, der da droben auf dem Mähdrescher saß. Im Winter fuhr er durch den Wald und redete mit den Holzfällern. Außerdem wurde er von Mutter auf den Hochsitz geschickt, wenn die Kühltruhe fast leer war. Ansonsten diktierte er im Büro Briefe. Und damit konnte man 3 VWs pro Jahr verdienen? Womöglich kam das Geld aus der Brauerei? Wahrscheinlich nicht, denn Vater sagte immer, die brauereieigenen Gaststätten seien ein Ruin und nannte sich selbst „Gottfried der Klosettbauer“, weil die sanitären Anlagen dort, in den Arbeiterwohnungen und im Schloss bis zu seinem Eingreifen vorsintflutlich waren.

Einmal, da war ich schon etwas älter, unterbreitete mir Vater, zum Geburtstag dürfe ich mir diesmal nur „Einwas“ und das bitte klein wünschen, die Holzpreise seien im Keller. Ich bekam ein Taschenmesser. Aber immerhin verstand ich nun, dass die Bäume, die im Winter im Wald gefällt wurden, verkauft wurden und wenn der Holzpreis schlecht war, hatte das unmittelbare Auswirkungen auf unser Leben, das eben nicht nur dadurch gesichert war, dass die Kartoffeln im Keller lagen.

Einerseits hat diese tristanhafte Unwissenheit von all dem, was die Welt bewegt, dazu beigetragen, dass ich eine unbeschwerte Jugend hatte. Der Nachteil ist, dass ich nie ein wirkliches Verhältnis zum Geld aufbauen konnte. Das war nicht schlimm, denn zunächst brauchte ich wenig und später als Anwalt hab ich halt einen Zahn zugelegt, wenn man den Boden der Kasse schon sehen konnte.

Jetzt bin ich Rentner und muss erstmals in meinem Leben von dem leben, was da monatlich immer gleich reinkommt. Ich gestehe, dass mich das nervös macht. Ich befürchte, knauserig zu werden, wo ich doch bisher dem ausgegebenen Geld weder nachgerechnet noch nachgeweint habe.

Aber was hat doch immer die Schorns Marie gesagt, während sie die Kartoffelklöße ins Wasser gleiten ließ?

„Was ist der Mensch? – Den Geld sei Hanswurschd und in ein Kalobb auf’n Grab zu!“

Eine perfekte Definition meiner neuen Situation über die ich mich auch noch amüsieren kann. Was will man mehr?

 

España, país a falta de diálogo.

Cuando se construyeron las primeras rotondas, Pau Burguera, mi amigo de Colónia de Sant Jordi, me comentaba: “Esto es en contra del caracter nacional. Si hay un accidente de tráfico , que sea frontal, ya veremos quien ganará.”

Tenia toda la razón. España es un país de confrontación. Solo aquí, la lidia del toro bravo no tiene perdón: o muere el animal o muere el hombre. En Portugal, en Francia y en el cono sur, lo ven de otra manera.

Por ello no hay que extrañarse al observar que en España escasean los acuerdos políticos. Salvo error mío, los únicos de importancia fueron en el año 1977 los acuerdos de la Moncloa, cuando partidos, la patronal y sindicatos pactaron la reforma industrial del país.

Ni una sola vez hubo una coalición gubernamental el las Cortes. Claro, una coalición tiene como primera piedra un convenio entre partidos, un tira y aflojo y luego pasarán cuatro años de constantes acuerdos y de constante colaboración.

Como el político español se sabe conocedor de la verdad, la única verdad, la verdad suya, gobernar con “los otros” en una coalición, rozaría a a traición, alta traición.

Por ello estamos, donde estamos!

Ni a los separatistas catalanas, ni a gobiernos nacionales, ocurrió la idea de hablar con “los otros”.

En vez de hablar, los unos encienden contenedores de basura y los otros mandan la justicia a aplicar la Ley.

Ahora muchos culpan al Supremo por haber fallado con condenas demasiado duras. ¡Craso error! Si tu pones un caso en manos de los jueces,ellos no tienen una sola opción: aplicar la Ley. No pueden respetar consideraciones politicas y ablandar las condenas, porque sería politicamente oportuno. No, la Ley, es la Ley, y si en el juego político los mandatarios resultan incapaces para encontrar soluciones extrajudiciales, no hay que extrañarse, si el resultado fuera judicial y no político.

Ayer, día 18 de octubre de 2019, Pedro Sánchez, nuestro presidente de gobierno, no teniá nada mejor que decir, de que nadie piense que los actos violentos de Barcleona quedarían impunes. En un estado de derecho esto es obvio, no hace falta decirlo. Pero en una democracia lo que es menster, es hablar, lo que hace falta, es escuchar, lo que pide la inteligencia, es calmar a los ánimos.

Actualmente el lío es descomunal, la discordia y el odio mueven a la gente y nadie recuerda que los conflictos que se han resuelto con violencia y sin acuerdo, nunca han llevado a nada bueno.

Estoy pensando en que alguien tendría que bajar del cielo, para poner odern.Lo que pasa es, que en el cielo español escasean almas con vocación reconciliadora.

Me ocurre pensar en Carlos III. Era Duque de Parna, Rey de Nápoles y Sicilia, Rey de España y mejor alcalde de Madrid.

Supongo que tenía experiencia en lidiar lios.

 

Liebe Greta, sehr verehrte Frau Thunberg

Sie sind nun sechzehn Jahre alt und haben Anspruch darauf, dass man Sie mit „Sie“ anredet.

Sie sind aber auch sechzehn Jahre alt und haben daher das Recht, noch nicht alles zu wissen.

Ich bewundere Ihre Bewegung sehr. Nichts ist derzeit wichtiger als der Klimaschutz. Wir müssen aufhören, an dem Ast zu sägen, auf dem wir sitzen. Da haben sie unzweifelhaft Recht.

Dessen ungeachtet muss ich etwas zu Ihrer sogenannten „Wutrede“ vor den Vereinigten Nationen anmerken: Sie haben es für richtig befunden, den versammelten Staatslenkern dieser Welt einen „Anpfiff“ zu verpassen. „Wie können Sie es wagen“ haben Sie ihnen entgegengeschleudert.

Wer würde das nicht auch gern tun, den anderen die Schuld geben und dabei, ohne es zu sagen, die eigenen Hände in Unschuld zu waschen?

In Ihrem Fall finde ich diese Handlungsweise deshalb so verwerflich, weil Ihre Kampagne längst von der Erwachsenenwelt gekapert wurde, die weiß, wie leicht es ist, die Wut in jungen Herzen zu entzünden.

Sie sind längst zum Vehikel unbekannter Interessen geworden, und das Schlimme ist, dass man den Eindruck hat, dass Sie das bisher noch nicht bemerkt haben.

All das, was Sie anprangern, wird von Ihren Unterstützern gelebt, und seien es nur die Tonnen und Abertonnen von weggeworfenem Plastikmüll, mit denen weltweit die Kommunen nach den Demos vom 20. September zu kämpfen hatten. Da ist mehr Schaden an der Umwelt und in den Köpfen der Menschen angerichtet worden, als Sie möglicherweise bisher erkannt haben.

Sie sind nicht radikal genug, denn Sie nutzen die Möglichkeiten unserer modernen Gesellschaft, wobei es eben diese Möglichkeiten sind, die die Klimakatastrophe mit herbeiführen.

Man lässt sie nicht radikal genug sein, weil Ihre Hintermänner nicht auf warmes Badewasser verzichten wollen, und weil Ihre jugendlichen Unterstützer ihre mitgebrachten Hamburger aus Plastikverpackungen futtern und Ihre Softdrinks aus Wegwerfbechern trinken.

Ich wiederhole mich: Ich bewundere Ihre Kampagne. Aber bitte, tun Sie nicht so, als ob diese möglich wäre, ohne das, was die von Ihnen beschimpften Menschen erreicht haben. Natürlich haben wir dabei Fehler gemacht, schlimme Fehler.

Das ist aber kein Grund, so zu tun, als besäßen Sie die Wahrheit und wir, die Alten sind es, die alles falsch gemacht haben.

Danken Sie mal drüber nach.

Ihr

Hans Rotenhan

 

Fränkisch mt Stolz!

Im Fernsehen kommt fränkisch nur einmal vor, nämlich dann, wenn in Veitshöchheim Fasnacht gefeiert wird. Und dann wird gelacht.

Ja, man lacht über das Fränkische und damit lacht man auch über die Franken. Wir werden nicht ernst genommen und das liegt wohl in erster Linie an den Unbilden der Geschichte.

Wenn man genau sein will, dann hat Franken im Jahr 962 n. Chr. aufgehört zu existieren. Damals kam mit Otto I. der erste Sachse auf den Kaiserthron, der sich natürlich noch daran erinnerte, welches unsägliche Leiden die fränkischen Herrscher über sein Volk gebracht hatten. Darum sorgte er dafür, dass der vakant gewordene fränkische Herzogsstuhl nicht wiederbesetzt wurde.

Titularherzog war seither der Bischof von Würzburg, aber Franken als Staat gab es nicht mehr. Nirgend war der berühmte Flickenteppich kleinkarierter als hier. Man kann das noch heute sehen: Im Dorf A sieht man auf den Toren zu den Bauernhöfen Kugeln, die den Reichsapfel darstellen sollen, die waren reichsunmittelbaren Rittern lehnspflichtig. Im benachbarten Dorf B sind es Zirbelnüsse auf den Toren, die waren klerikalen Herrschern lehnspflichtig.In Gneisenau sind es sogar abwechselnd Reichsäpfel und Zirbelnüsse. Durch die Reformation wurde die Sache nicht besser. Abgesehen von Nürnberg spielte Franken politisch keine Rolle, wollte es auch gar nicht, die verschiedenen Fürstbischöfe und Äbte aalten sich lieber in ihrem Prunk und Protz.

Eines ist sicher: Die Bedeutung einer Sprache geht Hand in Hand mit der politischen Bedeutung des Landes, in dem sie gesprochen wird. Und das Bewusstsein der eigenen Sprache läuft dieser Bedeutung hinterher.

Als Franken in mehreren Etappen zu Beginn des 19. Jahrhunderts bayerisch wurde hatte sich dort längst das „mia san mia-Gefühl“ durchgesetzt. Wenn selbst der König bayerisch spricht, dann ist die Sprache im Wortsinn hoffähig und damit hoffärtig geworden. Klar, dass die aus den angrenzenden Nordgebieten stammenden Neubayern mit ihrer Sprache keinen Fuß auf den Boden bekamen.

Das hat sich bis heute nicht geändert: Wenn im BR über was auch immer in Franken berichtet wird, spricht der Reporter ganz selbstverständlich bayrisch. Die Idee, einen fränkisch sprechenden Reporter nach Wolfratshausen zu schicken traut man sich erst gar nicht zu auch nur zu denken.

Und darum sind wir es gewohnt, dass Schauspieler aus Alt-Bayern nach Veitshöchheim kommen und versuchen, die Fasnachtssendung aufzumischen. Die finden diese Sendung blöd, weil sie den fränkischen Humor nicht verstehen und weil sie in guter alter Tradition den fränkischen Dialekt lächerlich machen.

Im Fernsehen tummeln sich bräsige altbayerische Polzisten und Kommissare. Wenn ein blöder Polizist gebraucht wird, dann spricht der unter Garantie fränkisch.

Gerade las ich auf facebook einen Kommentar vom Liedermacher Wolfgang Buck, dem Gerhard Polt nach einer fränkischen Fasnachtssendung gesagt hat, die Franken müssten sich nicht wundern, wenn man sie nicht ernst nähme.

Offenbar hat Wolfgang Buck das so hingenommen. Mich erbost das, denn die Äußerung des geschätzten Gerhard Polt zeigt doch nur, dass er auf dem Schlitten alter Vorurteile sitzt, Franken nicht verstanden hat und immer noch denkt, Bayern trüge zu Recht einen bunten Rock und dünke sich besser denn seine Brüder.

Scheiserlameisala!

 

Deutschland, eine Waldsiedlung.

Es ist eine alte Tradition in Deutschland, dass der Mensch zuerst einmal nach seinem Benehmen beurteilt wird.

Das war ganz besonders in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg zu beobachten: Da wurde reihenweise die Mitgliedschaft in der Nazi Partei verharmlost. Es war wichtiger, dass er oder sie „wahnsinnig anständig“ waren, dass er oder sie ja an sich gar keine Nazis waren und damals nur deshalb eingetreten sind, weil das für den Betrieb so notwendig gewesen war. Rohstoffe, Saatgut oder Zwangsarbeiter wurden halt nur an die Betriebe verteilt, deren Direktoren oder Eigentümer sich zum nationalsozialistischen Gedankengut bekannten. Das tat man eben am besten dadurch, dass man Parteigenosse wurde.

Alle verstanden, dass das mit der Partei doch gar nicht soo ernst gemeint war. Die Partei selbst aber konnte immer wieder darstellen, wie groß ihr Rückhalt in der Bevölkerung war, denn von den Beigetretenen hat natürlich keiner öffentlich gemacht, dass er nur beigetreten sei, damit der Gauleiter oder welcher andere an sich als Emporkömmling verachtete Nazi auch immer, nicht weiter in den Betrieb hineinpfuschen konnte.

Ein Volk von Opportunisten. Ich will nicht über die urteilen, die damals so handelten, denn in meinem Leben ist mein persönliches Heldentum noch nicht auf die Probe gestellt worden.

Aber man kann über die urteilen, die nach dem Krieg, die Freundschaft mit Verwandten und Bekannten weiter laufen ließen, obwohl bekannt war, dass der als Offizier Kameraden verpfiffen hat, was denen manchmal sogar das Leben gekostet hatte.

Als Kinder haben wir jeden Abend dafür gebetet, dass ein Verwandter aus der russischen Gefangenschaft zurückkäme. Kaum war er zurück, sagte er gegen Mitgefangene aus, die sich in den Gefangenenlagern gegen die Nazis gewendet hatten, was zum Teil zum Verlust der Pension führte. Der Kontakt zu ihm wurde aber keineswegs abgebrochen, der Onkel XY sei schließlich ein ausgemachter Herr.

Was nun in Hessen passierte, dass ein NPD Mann Ortsvorsteher von Waldsiedlung werden konnte, fußt auf einer ähnlichen Denke: Der Mann kann ja nicht nur mit dem Computer umgehen, er hat auch Manieren und solange er seinen Job als Ortsvorsteher gut macht, ist es egal, was er sonst noch vorhat.

Benehmen wird scharf getrennt von politischer Orientierung. Das ist ja bei der Storch, der Wedel und dem Gauland von der AfD nicht anders, das sind doch alles anständige Leute aus gutem Hause! Mit denen kann man ruhig mal zu Abend essen, sie auf die Jagd einladen, im gleichen Tennisclub spielen oder sie bei den Rotariern reden lassen.

Es wird so getan, als könne ein Rechtsextremer, ein Nazi oder Rassist, durchaus nett sein. Man kann ihn sogar zum Ortsvorsteher wählen.

Es darf keine Toleranz gegenüber denen geben, die unseren freiheitlichen Rechtsstaat torpedieren und abschaffen wollen.

Diese ganze Waldsiedlungs-Affaire zeigt, dass es in weiten Teilen Deutschlands und bei den dort lebenden Menschen noch immer nicht angekommen ist, dass die Garantie der Menschenrechte und die demokratischen Freiheiten nicht einfach nur da sind, so selbstverständlich wie das eigene Auto, das vor der Haustür steht. Nein, sie sind eben nicht selbstverständlich, sie sind verletzlich und müssen gehegt werden.

Nur wenn wir uns Tag für Tag klarmachen, dass wir die Segnungen unserer Verfassung verinnerlichen müssen, dass der Umgang mit ihnen ein pfleglicher sein muss, erst dann besteht die Hoffnung auf deren Erhalt.

Damit aber nicht genug. Die Tatsache, dass wir in einem freiheitlichen Rechtsstaat leben macht es uns zur Aufgabe, für diesen kämpferisch einzustehen und nicht den leisesten Verdacht aufkommen zu lassen, wir könnten dessen Feinde aus gesellschaftlicher Konvenienz tolerieren oder sie gar gewähren lassen.

Der Schlaf Klaus

 

Ich habe schon davon berichtet, dass es unter den ausländischen Residenten auf Ibiza keine Nachnamen gab. Der Vorname musste ausreichen, allerdings geschmückt mit einem Beinamen. Da gab es den Sülzen Hans, der einmal groß zu einer Sülze eingeladen hatte, die ihm aber gigantisch misslang. Der Objekte Horst, er wurde von einer bayerischen Gräfin ausgehalten, verarbeitete die Korken der Weinflaschen, die er mit seiner Gönnerin leerte, zu Kunst, die er allerdings nie verkaufen konnte.

Dann gab es den Klaus von der Helga und den Friedhofs Klaus. Der wohnte neben dem Friedhof von San Agustín. Seine Freundin verblüffte mich eines Tages auf der Straße, denn sie trug meine Lederkniebundhose. Es stellte sich heraus, dass meine Frau das gute Stück am Samstag zuvor auf dem Flohmarkt im British Pub verhökert hatte. Sie fand, dass eine Kniebundlederhose mit dem Geist Ibizas nicht vereinbar sei, womit sie Recht hatte.

Eines Tages erschien ein weiterer Klaus auf der Bildfläche. Er ließ sich von Britt aushalten. Die Dame behauptete, bei Springer gearbeitet zu haben. Da ich damals gerade versuchte, die “Ibiza Wochenzeitung“ zu einem Erfolg zu machen, stellte ich sie ein. Es stellt kam bald heraus, dass sie bei Springer einen kosmetischen Ratgeber verwaltetet hatte. Schreiben konnte sie nicht, hatte aber aus einer glücklich geschiedenen Ehe genügend Mittel zur Verfügung, um sich und Klaus zu ernähren.

Nachdem ich Britt wegen manifestem Nichtskönnen entlassen musste, erschien ihr Klaus in der Redaktion und erklärte mir, ich könne teilhaben an seiner baldigen Eigenschaft als Millionär. Ich müsse nur, allerdings ohne Zahlung, in der „Ibiza Wochenzeitung“ redaktionelle werbende Artikel veröffentlichen, denn er habe das ultimative Mittel gegen Schlafstörungen erfunden, den Schlafstuhl.

Fürs Wochenende lud er alle ausländischen Residenten von den Hecken und Zäunen zu sich auf Britts Finca ein, um den Schlafstuhl auszuprobieren.

Als wir dort ankamen, begrüßte mich Britt kühl und wies auf die „era“ den Dreschplatz. Dort stand unter einem Baldachin die Erfindung, ein etwas klobiger Sessel, der mit einem Schafspelz gepolstert war. Neben dem Ding stand ein Citroën 2 CV, dessen Motor ratterte. Der Schlaf Klaus, so hieß er unterdessen, erklärte, Britts Finca habe keinen Stromanschluss, der Schlafstuhl liefe aber mit Strom, und müsse daher an die Batterie des „Döschwoh“ angeschlossen werden. Eine leicht bekleidete Freundin von Britt räkelte sich unterdessen auf dem Schlafstuhl und gab grunzende Laute des Wohlbefindens von sich, nachdem der Schlaf Klaus den Schalter umgelegt hatte und sich seine Erfindung in wiegende Bewegungen setzte.

Durch sinnreich aneinandergefügte ovale Zahnräder und verbogene Achsen erreichte der Schlaf Klaus die Mobilität seiner Erfindung. Ich kannte derlei aus meiner Jugend, als ich mit meinem Metallbaukasten Erfahrungen sammeln durfte, was passiert, wenn man gebogene Achsen und durch Drauftreten oval gewordene Zahnräder verbaut. Ich traute dem Frieden nicht und als ich das Ding einer Probe unterzog wurde ich nicht schläfrig, aber immerhin wurde mir schlecht.

Machen wir es kurz: Der Schlaf Klaus hatte mit seinem Schlafstuhl eben so wenig Erfolg wie der Objekte Horst mit seinen Objekten.

Einige Wochen später erschien er wieder in der Redaktion. Ja, die blöde Britt habe ihn rausgeworfen, und nun sei er mittellos, es sei denn, ich würde in spanischer Sprache einen Antrag an die Gemeindeverwaltung von Ibiza stellen. Er habe eine Idee, die der touristischen Entwicklung der Stadt auf die Sprünge helfen würde: Er wolle im Tor zur befestigten Oberstadt Kartoffelpuffer braten.

Der Antrag wurde abgelehnt. Als der Schlaf Klaus dennoch auf der Straße Kartoffelpuffer briet und sogar einen beachtlichen Absatz verzeichnen konnte, wurde er verhaftet. Nach zwei Tagen entließ man ihn. Im „calabozo municipal“ hatte er Läuse aufgesammelt und schimpfte wie ein Rohrspatz auf die Scheiss-Ibicencos. Danach ward er nie wieder gesehen.

Fei Obbachd

 

Autoren – Lesung

aus dem Buch

„Die Kloßköchin und der Pfarrer von Gerach“

Geschichten aus den Haßbergen und dem Maindreieck

Von

Hans von Rotenhan

 

 

 

Termine:

Samstag, 21.9.19, 17 Uhr       Marienstraße 26, Haus May

                          Königsberg /Bay

Montag 23.9.19, 15 Uhr        Brauerei-Gaststätte Hartleb

                          Maroldsweisach

Donnerstag, 26.9.19, 19 Uhr    Ebern Heimatmuseum

                          Neben dem Grauturm

Freitag, 27.9.19, 18.30 Uhr      Knetzgau, Café awoccino der AWO

                          Hainerter Straße 6

 

Spenden und Beiträge gehen zugunsten des Orgelneubaus in der Marienkirche in Königsberg.

 

 

Der Apostelfloh

Irgendwann in den 30er Jahren hatte sich mein Großvater in Thüngen vor der Sommerhitze in sein Arbeitszimmer geflüchtet.

Es wird wohl nicht nur das Wetter gewesen sein, auch die Verwandtschaft ging ihm gehörig auf die Nerven. Die kam nämlich jeden Sommer heuschreckartig über das Thüngener Schloss. Meine Mutter sagte noch kurz vor ihrem Tod, das schönste in ihrem Leben sei der Thüngener Sommerbetrieb gewesen. Zwischen zwanzig und dreißig Vettern und Cousinen, das war für die Jungmannschaft natürlich wunderbar, für meine Großeltern war es wohl ein jährlich widerkehrender Albtraum.

Nun, Großvater, wir nannten in Groga, hatte sich in seinem Arbeitszimmer versteckt, als sich die Tür auftat und zu seinem namenlosen Ärger einer seiner Schwäger erschien. Dieser war Direktor des CVJM, war entsprechend fromm und hatte deshalb den Spitznamen Apostelfloh.

Es war mit dem Kerl aber auch nicht auszuhalten! Von Landwirtschaft verstand er nichts und auf die Jagd ging er auch nicht. Über was konnte man ihm denn um Himmels willen reden?

Nach fruchtlosen Gesprächsversuchen seitens des Apostelflohs schwiegen sich die beiden Herren an, als sich die Tür auftat und Bertha das Arbeitszimmer betrat. Sie war Grogas Schwester. Ihr Zeigefinger soll länger gewesen sein als ihr Mittelfinger, was darauf zurückgeführt wurde, dass sie damit immer herumfuchtelte, und bestimmte, wo`s langging.

Sie war verheiratet mit einem Prälaten der württembergischen Landeskirche, und man hätte denken können, wenigstens sie habe sich mit dem Apostelfloh etwas zu sagen.

Dem war aber nicht so, denn sie hatte ein Buch gefunden, aus dem sie ihrem Bruder unbedingt vorlesen wollte. Der ahnte nichts Gutes und griff zur Main Post.

Es handelte sich um ein Buch, in dem Stilblüten, unfreiwilliger Humor aber auch Poesie von Ludwig II (Kühl und labend war der Abend, Abendbrot gegessen habend) der Nachwelt überliefert wurden.

Meist waren es leicht schlüpfrige Geschichten, es soll aber auch starker Tobak darunter gewesen sein, der, beim Erzählen der Geschichte natürlich nicht wiederholt wurde.

Jedenfalls war das Vorgelesene so erstaunlich, dass Groga die Main Post sinken lies und ebenso wie der Apostelfloh gespannt zuhörte

Verbürgt ist lediglich dieser Brief an die Stadtverwaltung:

„Unsere Wohnung hat Schimmel und ist feucht. Jetzt ist unsere Tochter schwanger. Wer kommt nun für den Schaden auf?“

Tante Bertha merkte offenbar gar nicht, dass sie für damalige Zeiten geradezu Unerhörtes vorlas und freute sich am aufflammenden Interesse der beiden Zuhörer.

Als sie endete stöhne der Apostelfloh auf und sagte:

„Während meiner zwölf Jahre als Kürassier in Pasewalk habe ich nicht solchen Unflat gehört, wie heute Nachmittag von der Frau Prälatin.