Kathedrale

Kathedrale

Die Kathedrale ist insofern wirklich sehenswert, als sie eine der wenigen ihrer Art in Spanien ist, wo nicht ein Chor in der Mitte des Kirchenschiffes das Gefühl für den Raum stört. Ich kenne nur noch Santa María del Mar in Barcelona, wo das auch so ist.

Gaudí, der geniale und spinnerte Architekt und Creator der „Sagrada Familia“ ebenfalls in Barcelona, bekam nach dem Erdbeben von 1848 den Auftrag „La Seu“ so heisst unsere Kathedrale, von den erlittenen Schäden zu befreien.

Er nutzte die Gelegenheit, alle späteren Zutaten zu entfernen, was nur unter erheblichem Widerstand der besseren Familien Mallorcas ging, denn fast alle barocken Seitenaltäre waren von einer dieser Familien gestiftet worden, und dienten nur zum Schein der Verehrung eines Heiligen, in Wahrheit aber der Verherrlichung der Stifterfamilie.

Gaudí’s Verdienst ist nun der grosse Wurf des Innenraums und die Scheusslichkeit der Kronleuchters. Man munkelt, dies werde nur noch übertroffen von den Keramiken des Künstlers Miquel Barceló in der rechten Seitenkapelle..

Die Kathedrale hat zwei täglich wiederkehrende Höhepunkte: Am Morgen, wenn die Sonne durch die östliche Rosette scheint (der grössten der Welt, sagt man) und abends, wenn sie dies durch die westliche, kleinere Rosette tut.

Bezaubernde Lichtreflexe kriechen über Fussböden und Wände. Ich finde diesen Moment besonders schön am Morgen, wenn huschende Gestalten die Messe vorbereiten. Dann ist man wirklich in einer ganz anderen Welt.

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