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Terror, Ferdinand von Schirach

Erstmals veröffentlicht auf meiner facebook Seite im März 2016

Im Februar haben wir uns in München in einem winzigen Theater die dortige Uraufführung des Theaterstückes angesehen, das Ferdinand von Schirach unter dem Titel „Terror“ veröffentlicht hat.

Es geht darum, ob ein Bundeswehroffizier den Abschuss eines voll besetzten Flugzeuges befehlen kann, damit mehrere hundert Menschenleben riskiert, aber tausende rettet, denn ohne den Abschuss wäre das Flugzeug von Terroristenhand in die ebenfalls vollbesetzte Allianz Arena in München gestürzt.

Der Clou daran ist, dass nach Beendigung des Stückes das Publikum per Hammelsprung entscheidet, ob der Offizier verurteilt werden soll oder nicht.

Uns wurde berichtet, in Nürnberg werde das Stück zeitgleich ebenfalls uraufgeführt und man sei gespannt, ob dort anders abgestimmt werde, als in München.

Mit uns schaute sich das Stück an mein Freund und Vetter Schorsch, seines Zeichens Doktor der Soziologie. Eines der wichtigsten Merkmale unserer nun schon fast lebenslangen Freundschaft ist, dass wir immer verschiedener Meinung sind. So auch bei der Abstimmung im Theater.

In München gewann eine Mehrheit, die den Offizier wegen übergeordneten Notstandes freisprach. Die Mehrheit hatte sich gegen die Verfassung entschieden, nicht so in Nürnberg. Ich ärgerte Schorsch damit, dass in München wohl mehr Soziologen und Pädagogen anwesend gewesen seien, während in Nürnberg Juristen die Sache entschieden hätten.

DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR (Artikel 1 Grundgesetz).

Es steht dem Menschen nicht zu, abzuwägen, ob die schiere Menge einer Menschengruppe mehr wert sei als die die zahlenmäßig kleinere Gruppe von Menschen. Wer das entscheidet, würde Gott spielen, und einen bis dahin vollkommen ungefährdeten Menschen in Gefahr bringen, um andere Menschen, die bereits in Gefahr schweben zu retten.

Bei Schirach ist die Sache verzwickter, denn die Leute im Flugzeug, würden so oder so sterben. Die Frage ist nur, ob der Offizier die sowieso Totgeweihten durch Abschuss einem früheren Tod „zuführen“ durfte, um so andere zu retten.

Bei aller Verfassungstreue, ich wüsste heute nicht, wie ich im konkreten Fall handeln würde. Ich nehme an, ich würde mich wissentlich strafbar machen, um die Menschen im Fußballstadion zu retten. Da geht einfach der „Mensch“ mit mir durch und die Ratio, die mich in München „richtig“ hat abstimmen lassen, rückt in den Hintergrund.

Das zeigt, wie dünn mein/unser Verständnis der Menschenwürde ist. Hält es einer wirklichen Probefahrt stand? Lassen wir in unserem Leben Lagunen zu, wo die Menschenrechte nur bei schönem Wetter gelten?

Der Zuzug tausender Ausländer aus Ländern, in denen die Bewahrung der Menschenrechte nur auf dem Papier steht, bringt es mit sich, dass wir diesen Menschen nahebringen müssen, was die Würde des Menschen bedeutet, zumal es eines der beliebtesten Machtdemonstrationen unter Diktatoren ist, eben diese mit Füssen zu treten.

Über die Würde des Menschen zu sprechen bedeutet aber auch, selbst zu wissen, was das bedeutet.

Theoretisch weiß ich es und dennoch spüre ich, dass im täglichen Leben es nicht immer dieses Wissen ist, was mich anleitet. Ich nehme an, das geht den Meisten so.

Das ist bedenklich.

In den kommenden Monaten stehen in Berlin und Mc Pom Wahlen bevor, im kommenden Jahr auch im Bund.

Wäre vielleicht mal ganz interessant, die einzelnen Kandidaten danach abzuklopfen, wie sie es mit der Menschenwürde halten.

Tierfreunde

Heute fand ich auf meinm facbook Account einen Beitrag, in dem eine mir nicht bekannte Dame, Roswitha Erhardt, schrieb, sie würde den Menschen umbringen, der ihrem Haustier etwas antut.

Ich fasse es nicht! Wie kann man nur so grandios doof und gleichzeitig abgrundtief böse sein?

Ich habe ja gar nichts gegen Tierschützer, ich habe auch nichts gegen Tierliebhaber, aber ich kann diejenigen dieser Spezies nicht aushalten, die Tiere vor Menschenleben stellen.

Wenn man als Jurist darauf hinweist, ein Tier sei nach dem BGB eine Sache, dann ist das sicher nicht sehr geschickt, entspricht aber der aktuellen Rechtslage.

Wobei darauf hinzuweisen ist, dass auch der Tierschutz sich auf Wirbeltiere beschränkt, Fliegen, Küchenschaben und Tintenfische dürfen nach Belieben gequält werden. Der Gesetzgeber macht da schon Unterschiede und ist nicht wie beim Menschen so entsetzlich gleichmacherisch:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Das sollte auch dem Tierschützer klar sein, den Mordgelüste überkommen, wenn jemand ein Meerschweinchen nicht artgerecht hält.

Ich finde das Gedöns, das um die Haustiere gemacht wird, erschreckend. Wenn ich sehe, dass es eine Supermarktkette gibt, die nichts anderes anbietet als Haustierbedarf, dann finde ich das abstoßend. Da erreicht die Konsumgesellschaft ihre ethischen Grenzen.

Das Abstoßende sind ja nicht die Tiere und auch nicht die Mitmenschen, die Tiere halten.

Das Abstoßende sind die Tierfreunde, die mit dem moralischen Zeigefinger rumfuchteln und sich und anderen einreden, ihr tierschützerisches Tun stehe moralisch über allem anderen Tun.

Auf den Balearen habe ich es oft und oft erlebt, wie Menschen, die mit der gesamten Nachbarschaft verkracht waren, über 20 Katzen hielten oder derart viele Hunde aus dem Asyl abholten, dass die Leiterin des Hundeheimes beschloss, dem neuen zu Hause der Vierbeiner einen Besuch abzustatten, nur um festzustellen, dass die Hunde in nicht tiergerechten Verhältnissen gehalten werden.

Nicht alle, aber viele Tierschützer kommen mit ihren Menschen nicht klar und flüchten sich in die Tierliebe. Sie mutieren peu à peu zu Menschenfeinden. Die Tierschutzverbände wären gut beraten, einen psychologischen Dienst einzurichten, der solchen Fehlentwicklungen Paroli bietet.

Das Schöne ist immer, dass die pervertierten Tierschützer immer wieder sagen, im Gegensatz zu den Mitmenschen habe sie der Hund, die Katze, der Wellensittich oder der Hamster noch nie betrogen. Wenn die sprechen könnten…

Übrigens, und das als Schlusspunkt: Die Dame Ehrhardt hat auf meine Einlassung, Tierschützer hätten oft ein Problem mit ihren Mitmenschen, geantwortet:

„Solche wie Sie sollte man auf der Stelle aufhängen!“

Faria, faria, ho. A failed song!

Lustig ist das Zigeunerleben, faria, faria, ho

Brauchen dem Kaiser kein Zins zu geben, faria, faria, ho

Lustig ist es im grünen Wald

Wo des Zigeuners Aufenthalt

Faria, faria, faria, faria, faria, faria, ho.

Es gibt wenig auf Gottes Erdboden, was so eklatant gegen die Regeln der “political correctness” verstößt, wie dieses scheinbar harmlose Kinderlied.

Den Protagonisten gibt es schon lange nicht mehr, besonders nicht in der Einzahl. Heute heißt das Sinti und Roma, Mehrzahl bitteschön. Lustig war und ist deren Leben fürwahr nicht, besonders dann wenn es sich in Osteuropa oder Spanien abspielt.

Den Kaiser gibt es auch nicht mehr und keine Steuern zahlen heute ganz andere Leute, wie wir aus den Panama Papers erfahren durften.

Der Aufenthalt im Wald lässt darauf schließen, dass es sich bei den Besungenen um Nichtsesshafte handelt. Als solche bekommen sie zwar von der zuständigen Gemeinde einen Tagessatz, dürfen dann aber nur drei Tage bleiben. Während dieser Zeit mahnt die politisch unkorrekte Oma; “Macht´s Gartentürl zua, de Zigeiner kumman.“ Sollten diese planen, länger als drei Tage an einem Ort zu verweilen, müssen sie sesshaft werden.

Um es mit Abraracourcix zu sagen: “Nos lois sont dures.“

Ist die erste Strophe schon schlimm genug, steigert sich das Lied in der zweiten Strophe  dahin, der ethnischen Gruppe pauschal Wilderei vorzuwerfen. In dem Fall ist das nach § 292 StGB ein besonders schwerer Fall von Wilderei, da gemeinschaftlich begangen. Wird mit bis zu 12 Jahren Freiheitsentzug bestraft.

Besonders perfide sind die Vorwürfe in der vierten Strophe, die hier ohne das „Faria“ wiedergegeben werden soll:

Wenn uns tut der Beutel hexen

Lassen wir unsere Thaler wechseln

Treiben die Zigeunerkunst

Da kommen die Taler wieder all zu uns.

Klarer Fall von § 263 StGB, schwerer Betrug, da gewerbs-, gewohnheits,- und bandenmäßig begangen. Zack, schon wieder bis zu 10 Jahren Freiheitsentzug.

Nun, hartherzige Menschen mögen denken, des Bisserl Diskriminierung gegen Roma und Sinti seien die ja eh gewohnt, da macht das nicht so viel.

Aber halt: Dem Liedl wohnen noch weitere Gefahren inne:

Wer das Lied in einem Amtsgebäude singt, dem kann es passieren, dass die Staatsanwaltschaft wegen falscher Verdächtigung vor einer Behörde ermittelt.

Wenn die Ermittlungsbehörde zu dem Schluss kommt, dass die Roma und Sinti nicht lustig sind, keine Steuern hinterziehen, nicht unberechtigt Tagessätze bei den von ihnen durchzogenen Gemeinden abgreifen, nicht wildern und auch nicht bandenmäßig betrügen, dann ist er dran, der vermeintlich unschuldige Sänger: § 164 StGB dreuht mit 5 Jahren.

Fassen wir zusammen: Es handelt sich um ein gemeingefährliches Lied, das Sänger und Besungene in Konflikt mit der Justiz bringen kann. Der Text ist politisch vollkommen unkorrekt und gehört verboten, zumindest aber aus den Kinderliederfibeln gestrichen.

Ersatzweise könnte man auch daran denken, den deutschen Text zu streichen, und nur das dem Sinti und Romaschen angelehnte  „faria, faria, faria, faria, faria, faria, ho“ zu belassen. In der dritten und vierten Zeile jeder Strophe müsste man allerdings das „ho“ weglassen, aber das wäre hinnehmbar.

 

Der Fluch der bösen Tat

The Mayo Football Curse

In Irland wird „Galic Fotball“ gespielt, eine Mischung aus Fußball und Rugby. Natürlich gibt es den „All Ireland Cup“.

Den gewann die Mannschaft aus dem nordwestlichen County Mayo zum letzten Mal im Jahr 1951, und das kam so:

Nach dem Finale fuhr das siegreiche Team auf einem Lastwagen in die Heimat zurück, und als man die kleine Stadt Foxford kreuzte passierte das Schreckliche:

Auf der Hauptstraße hatte sich ein Zug gebildet, der einen verstorbenen Bewohner des Städtchens zum Friedhof hinaus begleiten sollte.

Der gute Anstand gebietet es, dass wer sich dem Leichenzug schon nicht anschließt, wenigstens stehen bleibt und dem Verblichenen seine Reverenz zeigt.

Nicht so die siegreichen Sportler, sie saßen auf der Pritsche des Lastwagens und feierten ausgiebig ihren Sieg, ohne den Leichenzug auch nur eines Blickes zu würdigen.

Das erboste den Ortspfarrer derart, dass er einen Fluch über die Mannschaft aussprach, dass sie nämlich solange den Cup nichtmehr gewinnen sollte, bis der letzte Spieler des Siegesteams von 1951 gestorben sei.

Tatsächlich wurde seither der „All Ireland Cup“ nicht mehr ins County Mayo getragen.

Man hat die damaligen Spieler interviewt, die natürlich alles abstritten: Da wäre gar kein Leichenzug gewesen, wenn man ihn gesehen hätte, hätte man dem Toten natürlich die Reverenz erboten, alle Spieler seien ja schließlich gute Katholiken.

Der Schuss ging allerdings nach hinten los:  Ganz Irland glaubte ihnen, dass sie nichts gesehen hätten, denn sie hatten auf der LKW Pritsche nicht nur gefeiert, sondern insbesondere haltlos gesoffen…

In diesem Jahr war das Mayo Team wieder im Endspiel – und verlor das Finale zum neunten Mal!

Es gibt noch zwei Überlebende der mit dem Fluch belegten Mannschaft: Dr. Padraig Carney lebt vorsichtshalber in den USA, aber der todesmutige Paddy Prendergast lebt nach wie vor in Mayo und behauptet, wenn da ein Leichenzug gewesen wäre, hätten sie ihn gar nicht sehen können, weil sie nicht über die Bordwand der LKW Pritsche hätten schauen können. Klar nicht, meint ganz Irland und macht die internationale Bewegung für saufen mit dem Daumen und dem kleinen Finger.

Die Bewohner von Mayo sind die Geschichte langsam leid, sie wollen den Cup endlich haben, und versichern wenig glaubwürdig, Pedraig und Paddy müssten nicht um ihr Leben bangen. Die Fans sind allerdings bereits jetzt so gierig auf den Cup, dass sie sogar ihre Schafe in den Farben des Mayo Teams rumlaufen lassen. Die Mannschaft aber weint.

Wenn der letzte der beiden Überlebenden stirbt, da bin ich sicher, wird man in Mayo County feiern, nachdem man, es sind ja alles gute Katholiken, dem Verstorbenen die Reverenz erwiesen hat.

Hans, königliche Hoheit

 

Als mein Vater gestorben war, flog ich öfters von Palma nach Deutschland, um meine Mutter zu besuchen. Einmal schlug sie vor, wir sollten am Abend vor meinem Heimflug nach Würzburg fahren, in der „Stadt Mainz“ zu Abend essen, und dort auch übernachten. Mein Patensohn studierte damals in Würzburg, den lud ich dazu. Er schaute auch noch zum Frühstück vorbei und irgendwie merkte ich, dass meine Mutter nervös wurde. Sie brachte mich zum Bahnhof, ja sie begleitete mich sogar auf den Bahnsteig, was vollkommen unüblich war, denn sie hasste Abschiede.

Als der einfahrende Zug schon angekündigt war, gestand sie mir mit roten Bäckchen, sie habe einen Verehrer. Nun bin ich ja ein Mensch, den sein schlechter Charakter auszeichnet, und so fragte ich meine Mutter nicht, wer es denn sei, vielmehr umarmte ich sie und sagte, dass ich mich sehr für sie freuen würde. Der Zug  war eingefahren ich stieg ein, zog das Fenster herunter, das konnte man damals noch, und winkte meiner Mutter zu.

Diese rief, ja schrie nun in das Getöse von Lautersprecherdurchsagen und zuklappenden Zug Türen:

„Aber es ist doch der Großherzog von Mecklenburg!“

Die beiden trafen sich oft in Hemmelmark an der Ostsee, wo er wohnte und machten auch gemeinsame Reisen. Meine Mutter blühte auf und wirkte manchmal wie ein 15jähriges Mädchen. Wir freuten uns alle für sie, nur meinem ältesten Bruder war die Sache ein Dorn im Auge.

Als wir Geschwister uns einmal trafen, meinte er, der „Affär“ müsse entweder ein Ende gesetzt, oder aber sie müsse einer Ehe zugeführt werden.

Ich nahm das Thema sofort auf und argumentierte, er sei ja der Erbe unseres Vaters und wir anderen Geschwister seien die Erben unserer Mutter. Der Großherzog habe ja bekanntlich keinen männlichen Nachkommen, wenn es also zur Adoption käme, dann sei ich als ältester männlicher Erbe unserer Mutter dran.

Die Frage einer Eheschließung wurde nie wieder angesprochen. Ich nehme an, dass die Vorstellung, mich mit „königliche Hoheit“ ansprechen zu müssen, meinem Bruder den Schlaf geraubt hat.

Ich habe die Geschichte meiner Mutter kurz vor ihrem Tod während eines der seltener werdenden „lichten Momente“ erzählt. Sie hat so gelacht, dass ich befürchtete, sie werde ersticken. Sie hat den Lachanfall nur wenige Wochen überlebt.

 

 

¡Vaya vergüenza!

„Las rotondas son una cosa que no va con el caracter español.” Me lo dijo mi gran amigo Pablo Bonet y la prueba lo pudimos ver ayer en el Parlamento.

En España los politicos prefieren, que dos camiones se destrozan en una accidente frontal en vez de desviarse un poco y evitar así daños mayores.

Si de las elecciones sale un parlamento con cuatro grandes partidos, en cada país normal (con la salvedad de Béligica) los parlamentarios saben, que tienen que formar un gobierno de calición. En España ni lo ven ni lo saben.

Si en el PP tienen un presidente que no ha aprovechado la comoda mayoría durante la última legislatura, que va ligado con los casos de corupción, tienen que cambiar el lider. En cada partido normal será esto el primer reflexo de los jovenes . Pero sigue imperando la Ley Alfonso: “Quien se mueve, no sale en la foto.”

Miedo va aparejado con la falta de responsabilidad. Lo que pasa en España primero es una vergüenza y luego la manifestación de la insalvable, inmensa e insana falta de responsabilidad de los que se dedican a la política.

BREXIT Idioten

Ein Schauer der Ehrfurcht wehte durchs Klassenzimmer, wenn unsere Lehrer vom Vorbild des Parlamentarismus sprachen, der uns in Westminster vorgelebt wurde. Das britische Parlament! Die Redegewalt ihrer Mitglieder, die vorzügliche britische Politik, die immer dafür sorgte, dass die Gewichte auf dem Kontinent mehr oder weniger ausgeglichen waren. Gleichzeitig hatte man ein Weltreich aufgebaut, das das römische Imperium und das Reich Karls IV, in dem die Sonne nie unterging, in den Schatten stellte. Mich hatte die Lehre vom Vorbild Großbritannien so sehr geprägt, dass ich die britischen Krimis als reine Fiktion ansah und als Anwalt auf Mallorca wirklich erschreckt war, als ich merkte, dass UK Gangster in keiner Weise anders sind als alle anderen Gangster auch. Das Vorbild hatte natürlich auch sein Gegengewicht, das waren in den Augen unserer Lehrer in erster Linie die Anrainerstaaten des Mittelmeers, wo von Lissabon über Madrid bis Athen Militärs regierten und in Italien Regierungen immer nur ein paar Monate hielten.

Spätere Vor- und echte Urteile sagten uns, dass spanische Politiker korrupt sind, ihre italienischen Kollegen schmieden andauernd Ränke und die griechischen Staatenlenker bringen nichts auf die Reihe.

Dass wir nun lernen, dass die idiotischsten, die unverantwortlichsten Politiker Europas auf den britischen Inseln wohnen, ist ein echter Schock. Keiner der führenden Brexit Anhänger war wirklich für den Austritt, und dieser Nigel Farage machte sich auch sehr schnell vom Acker, als er merkte, was er da angestellt hatte.

Wissentlich haben Boris Johnson und Konsorten das Wahlvolk belogen und so einen Wahlausgang herbeigeführt, den sie nicht wollten. Es ging Cameron und Johnson doch nur darum, wer den anderen über den Tisch ziehen kann.

Das ist schon verantwortungslos, ja ruchlos genug.
Nun stellt sich aber heraus, dass die Brexit Befürworter alle miteinander nicht einen Hauch von Ahnung davon haben, wie der Brexit denn vonstattengehen soll, und was danach passieren wird. Sie haben einfach keinen Plan gemacht, sie haben nicht einen Moment lang überlegt.

Dass so etwas an Dilettantismus im vorbildlichen Vereinigten Königreich geschehen könnte, hätten sich unsere Lehrer nicht träumen lassen und, ich ehrlich gesagt, auch nicht.
Wenn die britische Politik das Volk derart ausnützt, ja vorführt, dann degradiert sie den mündigen Bürger zum Stimmvieh.

Zwölfjähriger Bomber – Wut gegen Religionen

Zunächst ist es eher unwichtig, ob es tatsächlich ein zwölf-bis vierzehnjähriger Bub war, der sich und eine riesige kurdische Hochzeitsgemeinde in die Luft gesprengt hat.
Dass wir die Darstellung für wahrscheinlich

alten, zeigt, wie sehr sich unsere Gehirne daran gewöhnt haben, das Schlimmste, das Perverseste für möglich zu halten.

Wenn hier wirklich ein zwölfjähriger Bub gehandelt hat, dann ist der Plan auf jeden Fall nicht auf seinem Mist gewachsen und er wurde ebenso missbraucht, wie all die anderen Selbstmordtäter, die nur vermeintlich, da volljährig, aus eigenem Willen handelten.
In mir wächst eine unbändige Wut gegen die Religionen, ja gegen alle Religionen. Mal ist es die, mal die andere, aber alle tendieren sie dazu, uns zu missbrauchen. Der Zwölfjährige bezahlte den Missbrauch mit dem Leben, Messdiener kommen mit einem lebenslangen Trauma davon. Ich kenne keine Religion, die im Lauf der Geschichte ihre Gläubigen nicht missbraucht hätte.
Da scheint ein „systemischer“ Fehler allen Religionen innezuwohnen.

Es ist ja so, dass niemand per se eine Religion braucht. Ihre Mitarbeiter, nennt man sie Priester, Imame, Rabbis, Gurus oder Popen, produzieren nichts, vielmehr kosten sie einen immensen Haufen Geld, den die Gesellschaft geduldig zahlt. Sogar das durchaus segensreiche diakonische Wirken der Kirchen wird zu mehr als 90 % aus Steuergeldern finanziert.

Wieso wollen wir dennoch, dass es Religionen gibt? Zunächst herrscht da die Angst. Die Ungewissheit, was nach dem Tod geschieht, geht ja paarweise einher mit der ebenso großen Ungewissheit, ob es Gott gibt. Da ist eine Rückversicherung Nervenbalsam, und wenn man nicht mehr weiter weiß, weil Frau, Kind oder Freund krank oder in Not sind, dann erinnert man sich halt doch wieder ans Beten.

Seit Monaten geht mir die Frage meines Sohnes nicht aus dem Kopf, der wissen wollte, wieso ich an Gott glaubte, wenn ich doch meinen Kindern immer gesagt hatte, man müsse sein Denken auf die „ratio“ bauen. Wie also könne ich an Gott glauben, wenn mir mein Verstand sagt, dass es ihn nicht gibt.
Ich habe lange keine Antwort gefunden, es sei denn die wachsende Wut, von der ich oben schrieb.

Man darf aber davon ausgehen, dass die Tatsache, dass die Mehrheit der Menschen irgendeiner Religion anhängt, zumindest der Befriedigung eines Bedürfnisses geschuldet ist. Das Bedürfnis nach Gott ist aber kein Grund, anzunehmen, dass es Gott auch wirklich gibt.

Skeptiker sagen, das Bedürfnis nach Gott sei von denen, die von der Religion leben, seit Jahrtausenden geschickt lanciert worden, indem Angst vor dem sicheren Ungewissen, dem Tod, durch Angst vor dem nicht sicheren Ungewissen, nämlich Gott, kompensiert wurde.
Da spricht Einiges dafür, zumal dann, wenn man die salbadernden, die verbietenden, die selbstgerechten und die eifernden Gottesdiener im Auge hat.

Es gibt aber auch die Idee, dass das Bedürfnis nach Religion angstfrei ist. Wenn ich eine Messe von Bruckner höre, wenn ich die Basilika von Vierzahnheiligen besuche, oder wenn mir die Johannes Passion die Tränen in die Augen treibt, dann habe ich nicht den leisesten Zweifel an der Existenz Gottes.

Ich komme deshalb immer mehr zu dem Ergebnis, dass es keine allgemein gültige Religion oder Kirche gibt. Aber es gibt einen einzigen Gott, der in den verschiedenen Regionen dieser Welt einen anderen Namen hat, und der auf unterschiedlichste Weise verehrt wird.

Dieser Gott ist nicht wirklich existent. Seine Existenz ist individuell. Je mehr jeder Mensch das Bedürfnis hat, dass es Gott gibt, desto mehr ist er für diesen Menschen real.
Seit ich das weiß treibt mich die Frage meines Sohnes nicht mehr um.

Münchner Grant vs. Berliner Schnauze

Lange habe ich in München gelebt, vor einer Ewigkeit, in den 70er Jahren. Der „Grant“ der dortigen Bevölkerung hat mich damals begleitet, womöglich verfolgt.  Eben halt so wie jeder, der dort an der Isar wohnte oder wohnt, sich mit diesem Phänomen auseinander setzen muss. Der Münchner Grant hat etwas von „noli me tangere“: Komm mir nicht zu nahe.  DerErden Last drückt mich schon genug, als dass jetzt noch von mir erwartet werden könnte, freundlich zu sein. Der Grant ist ein künstlich aufgebauter und sorgsam gepflegter Paravent, hinter dem man seine „königlich bayerische Rua“ pflegt.

Aber was ist die Berliner Schnauze, mit der man hier angeraunzt wird? Sie dient auch der Abwehr gegen den, der droht, zu nahe zu kommen. Allerdings kommt das nicht defensiv daher wie der Grant. Der Berliner raunzt den Unbekannten durchaus aktiv an, er wirkt belehrend. „Wie kannst du es wagen, mich für meschugge zu halten?“  Niemand hat das angenommen, aber der Eindruck kommt zurück, als sei das eigene Auftreten, die eigene Existenz eine permanente Offensive gegen das Selbst(wert)gefühl des homo berlinensis. Es scheint, als ob diese Spezies Mensch ständig mit der Zurückweisung konkreter oder abstrakter An- oder Eingriffe beschäftigt sei.  Quasi als „coda“ wird abschliessend drangehängt: „Selbst meschugge!“

Plus Valía

Die Plus Valía , die Wertzuwachssteuer, ist eine von den Gemeinden erhobene Steuer auf die Steigerung des Kathasterwertes seit dem letzten Eigentumswechsel. Es liegt in der Natur der Sache, dass sie meist bei Verkäufen erhoben wird, aber auch bei Schenkungen und Erbschaften fällt sie an. Sie ist im Regelfall vom Verkäufer zu bezahlen, wenn auch die Immobilie selbst für ihre Bezahlung haftet. Das ist schon an sich ein widersinniges Konstrukt, aber es kommt noch besser: Da die Zahlung der Plus Valía für die Not leidenden Gemeinden stets ein wohltuender Schluck aus der Pulle ist, hat man im Jahr 2012 ein Gesetz erfunden, wonach Eigentümerwechsel im Grundbuch erst dann eingetragen werden dürfen, wenn der Nachweis erbracht ist, dass die Plus Valía bezahlt worden ist. Das stellt die Systematik des spanischen Grundbuches auf den Kopf, aber wenn´s um´s Geld geht, war dem Gesetzgeber die Systematik schon immer mal eher schnurz, mal eher piepe. Die Plus Valía auszurechnen, ist das, was Engländer „challenging“ nennen. Immerhin gibt es jetzt amtliche Stellen, bei denen man im Voraus erfahren kann, wie viel diese Steuer ausmachen wird.
Verlangen Sie vor dem Kauf einer Immobilie stets von Ihrem Anwalt, dass er diesen Betrag errechnen lässt. Er sollte dann vom Kaufpreis einbehalten werden, denn nur so können Sie garantieren, dass der Verkäufer nicht die grundbuchliche Eintragung behindert und Sie, der Käufer, dann als Immobilieneigner schlussendlich doch für die Zahlung haften.