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Wald ist gut für den Charakter

Eine Heppe ist ein Handbeil, bei dem aus dem kurzen Griff die Schneide in Verlängerung desselben herausragt. Es ist eigentlich ein breites Messer, das in einer seitlichen Spitze ausläuft. Das Ding sieht einem Falken nicht unähnlich. Dieses Instrument lag immer im hinteren Kofferraum des Rentweinsdorfer Forst – Käfers. Mein Vater brauchte die Heppe zum Holz auszeichnen. Dazu ging er durch den Wald und markierte mit der Heppe die Bäume, die gefällt werden sollten. Bei Kiefer, Fichte, Eiche oder Lärche ging das einfach, nur die glatte Rinde der Buche machte Schwierigkeiten, dafür hatte er eine Art Taschenkralle, mit der die Rinde geritzt wurde. Nach welchem System Vater Bäume auszeichnete, war uns Kindern natürlich zunächst unklar. Erst langsam lernten wir, dass die Bäume gefällt werden müssen, die andere an der Entwicklung hindern, die anderen das Licht nehmen.

Mir war immer bewusst gewesen, dass wir vom Wald leben. Deshalb verstand ich nicht, warum immer nur die miesen Bäume gefällt werden

„Einen guten Baum zu fällen, macht uns reich und ich krieg ein neues Fahrrad“ argumentierte ich. Mit nicht enden wollender Geduld erklärte mir Vater stets, der Beruf des Forstwirts sei ein charakterbildender: „Die Früchte dessen, was ich heute tue, erntet mein Sohn oder vielleicht auch erst mein Enkel.“

Das fand ich natürlich entsetzlich langweilig. Was nützt das neue Fahrrad den Kindern meines Bruders?

Eine andere Arbeit im Wald war das Holz abnehmen. Dabei trugen wir einen Hammer, dessen Kopf aus einem vereinfachten Familienwappen bestand. Der Hammer wurde mit Teer eingeschmiert und auf die Schnittstelle gefällter Bäume gehauen. Es gab noch einen weiteren Hammer mit einstellbaren Zahlen. Die kamen neben das Wappen. Vater trug die Nummer in ein dickes Buch ein. Ich kam mir vor wie im Western, wenn Fohlen gebrandmarkt werden.

All das geschah natürlich bei eisigen Temperaturen im Winter. Dann herrscht im Wald Hochsaison. Heute kreischen Motorsägen und ein Baum fällt in spätestens fünf Minuten um. Als Kind habe ich noch beobachtet, wie Bäume „händisch“ gefällt wurden. Vorne bedienten die Arbeiter die Handsäge. Damit sie nicht vom Baum ein geklemmt werde, mussten hinter ihr Keile in die Schnittstelle getrieben werden. Der Baum ächzte und bewegte sich etwas in die Richtung, in die er fallen sollte. Am Ende tat er das aber nicht immer und es konnte passieren, dass der fallende Baum in den Armen eines anderen festhing. Das war eine Katastrophe, denn Waldarbeit wird im Akkord bezahlt. Die beiden Holzfäller beschimpften sich wütend und schoben einander die Schuld zu.

Mein erstes eigenes Geld im Wald habe ich mit „klubben“ verdient. Vater hatte von Onkel Konrad ein Stück Wald gekauft und nun musste festgestellt werden, wie viel Holz darauf stand. Dazu misst man mit der Klubbe, einer überdimensionierten Schublehre, den Durchmesser eines jeden Stammes etwa in Brusthöhe. So kann man den Festmetergehalt eines jeden Baumes ziemlich exakt berechnen. Bei diesem Tun stießen wir auf einer Lichtung, auf drei Grabsteine. Hier, neben seinen Hunden, wollte auch Onkel Konrad begraben werden. Wir waren beeindruckt.

Nicht so das Landratsamt. Als Onkel Konrad tatsächlich starb, wurde mit Verweis auf die bayerische Bestattungsverordnung eine Sarglegung außerhalb eines Friedhofes verboten.

Da nützte es auch nichts, dass sich Onkel Konrad extra im Krematorium in Coburg hatte verbrennen lassen. Als der Sarg unter Quietschen in der Versenkung verschwand, hörte man aus den Tiefen des Krematoriums eine Stimme, die dem Kollegen zurief: „Geh zu, pack amol aa!“

Wege zu unbewohnten Buchten

Früher war die Küste Mallorcas unbewohnt.Die Piraten waren eine ständige Gefahr, nur ein paar winzige Fischerhütten duckten sich am Strand und in den Buchten. Man aß Schweinefleisch und diese Typen waren verdächtig, die da Tiere aus dem Meer zogen, die schon schlecht rochen, wenn sie ihren Weg in die Dörfer gefunden hatten.

Irgendwann fiel mir auf, dass trotz der mangelnden Bebauung zu jedem Strand und zu jeder Bucht ein Weg führt.

Ich fragte meinen Freund Pau, der zunächst laut und dann verächtlich lachte. „So blöd kann auch nur ein Deutscher fragen. Irgendwie mussten die Schmuggler doch an’ s Meer kommen!“

Es stellte sich heraus, dass Paus Großvater einer der großen Schmuggler Bosse an der Südküste war. „Der hat dem Juan March doch erst gezeigt, wie das mit der Schmugglerei geht!“

Tatsächlich lebte Mallorca vor dem Einsetzen des Tourismus-Booms in erster Linie vom Schmuggel. „Contrabando de tabaco“, das war das Hauptgeschäft, aber auch Grundnahrungsmittel, Motoren, Nylon Strümpfe und Parfüm gehörten zu dem, was im Ausland billig zu holen war und am spanischen Zoll vorbei auf den Markt gebracht werden konnte.

Pau schmunzelte, als er fortfuhr, er schien den alten Zeiten nachzutrauern: „Das große Glück waren die schlecht bezahlten Leute vom Zoll und von der Guardia Civil. Die bettelten geradezu danach, bestochen zu werden. Liebend gerne haben die dann woanders hin geschaut, wenn mal wieder eine größere Ladung ankam.“

Damals gehörte Algerien zu Frankreich und dort arbeiteten ganze Fabriken ausschließlich für den spanischen Markt. Einige dieser Fabriken kaufte später Juan March auf, ganz nach dem Motto; “Wozu hat der Mensch zwei Hände? Damit er zwei Mal kassieren kann.“ Einmal als Zigarettenfabrikant und ein zweites Mal als Schmuggler.

Pau gab zu, dass das Genie von Juan March das seines Großvaters übertraf. „Der hat dann die Banca March gekündigt und war über Jahre hin der reichste Mann Spaniens.“

Noch heute gehört seinen Nachkommen alles Land östlich von Colonia de Sant Jordi. „Westlich davon gehörte alles uns“, sagte Pau.

So befand sich die gesamte Südküste von Mallorca vom Faro des Cap de Ses Salines bis nach Sa Rápita unter der Kontrolle zweier Schmuggler Familien. Paradiesische Zustände!

Unterdessen sind das hoch angesehene Familien, es gibt eben nichts Besseres als ein kriminelles Genie zum Großvater. Wie angesehen, zeigt folgende Anekdote: Im Fischrestaurant Manolo in Ses Salines war für 14.30 eine Reservierung für eine Familie Rodríguez eingegangen. Als zur angesagten Zeit niemand kam, vergab Manolo den Tisch an Carlos March, dem Chef der March-Gruppe. Kaum hatten er und seine Familie sich hingesetzt, erschien Don Felipe mit Anhang. Damals war er noch Kronprinz. Er sagte, er habe zur Tarnung auf den Namen Rodríguez reserviert. Manolo antwortete, er bedauere, aber er habe wegen der Verspätung den Tisch schon weiter anderweitig besetzt. Carlos March reagierte sofort und geistesgegenwärtig: „Ich überlasse Hoheit unseren Tisch, wenn er nachher zu café, brandy y puro zu mir auf die Finca Sa Vall kommt“. So geschah es. Es soll eine große Sause geworden sein.

 

Spaniens Regierung, vielleicht.

Spaniens neue Regierung ist ein „Peutêterli“

Mit diesem wunderbaren Wort bezeichnen die Schweizer diese Gasfeuerzeuge, die mal funktionieren und mal eben nicht. Man weiss es vorher nicht.

Und so ist die angekündigte neue spanische Minderheitsregierung ein klassisches Peutêterli.

Gestern haben sich die Sozialisten auf ihrem Parteikonvent entschieden, sich bei der Investitur von Ministerpräsident Rajoy der Stimme zu enthalten, um so eine Minderheitsregierung aus „Partido Popular“ und „Ciudadanos“ zu ermöglichen.

Das wird nicht ohne Fissuren in der sozialistischen PSOE abgehen. Die Präsidentin der autonomen Region der Balearen hat schon angekündigt, dem Votum der Partei nicht zu folgen. Sie befürchtet zu Recht, dass „Podemos“ aufhören würde, ihre Minderheitsregierung in Palma zu stützen, würde sie hülfe, Rajoy im Amt zu halten. Welcher Politiker gibt schon gerne den Stuhl her, auf dem er sitzt, nur um zu ermöglichen, dass der politische Erzfeind auf seinem Stuhl bleiben kann?

So geht es nicht wenigen Regional-Baronen der PSOE. Die katalanischen Sozialisten schreien „bei drei Tag“ hebe dich hinweg, Satan. Für einen wackeren katalanischen Sozialisten ist eine Regierung der PP gleich zweimal des Teufels: Zum einen, weil die eben konservativ sind und jeder einen Großvater hat, von dem er weiß, dass er gegen den Großvater eines PP-Politikers im Bürgerkrieg gekämpft hat. Und zum anderen ist alles, was aus Madrid kommt, per se für einen Katalanen bäbä, von wegen überhaupt und so.

Nun muss man wirklich zugeben, dass es Rajoy nicht verdient hat, zum dritten Mal Premier zu werden. Während der vergangenen Legislaturperiode regierte er mit absoluter Mehrheit und hat diese politische Konjunktur in einer Weise nicht ausgenutzt, dass es jedem Student der Politikwissenschaft im ersten Semester schlecht wird. Die deutsche Presse schreibt gebetsmühlenhaft, die Rajoy-Regierung habe es geschafft, dass die Wirtschaft wüchse und die Arbeitslosigkeit sinke.

Das ist die Außenansicht.

In Spanien empfindet man diese durchaus bescheidenen Erfolge als dem Diktat von „la Merkel“ geschuldet.

Es wird schwierig werden. Wenn Rajoy wiedergewählt ist, hört das Murren unter den Sozialisten ja nicht auf.

Letztlich spült der ganze Zinnober kurzfristig der„links-alternativ-populistisch-radikalen“ Partei „Podemos“ das Wasser auf die Mühlräder.

Da mag man sich darüber freuen. Ich freue mich darüber nicht, denn Podemos ist eine neue Partei, in der – wie bei der AfD – viele mitmachen, die woanders nichts wurden. Wenn der politische Alltag beginnt, werden auch dort die innerparteilichen Auseinandersetzungen beginnen.

Es ist abzusehen, dass PSOE sich selbst verhackstückt und Podemos bei seinen Wählern an Attraktivität verliert.

Dann gewinnt PP in vier Jahren wieder die absolute Mehrheit und musste nicht durchs Fegefeuer, um dort die Sünden der Korruption zu büßen.

Das kann auch niemandem gefallen.

Erstaunlich und erfreulich ist, wie der junge König aus dieser Schlammschlacht bisher nicht nur unbefleckt sondern gestärkt herauskam.

¡Viva el Rey!

Der jüdische Friedhof in Berlin-Weißensee

 

Der Besuch des jüdischen Friedhofs in Berlin-Weißensee lohnt wirklich. Es ist nicht nur ein landschaftliches und kulturelles Erlebnis. Die Visite macht auch klar, welche Rolle die Juden in Berlin gespielt haben. Mit der Unfassbarkeit der Shoah hat Deutschland nicht nur ewige Schuld auf sich geladen, es hat auch einen wichtigen Teil seiner kulturellen Vielfalt und einen sehr bedeutenden Teil seiner intellektuellen Elite verloren.

Diese Gedanken begleiten den Besucher fast zwangsläufig, während er die Vielzahl der Stelen artigen Grabsteine bestaunt. Natürlich gibt es bei der Gestaltung Moden. Es geht von filigranen schmiedeeisernen Rahmen die die Namenstafeln aus Marmor halten bis hin zu Protzbauten, die von den Stellungen preußischer Panzerhaubitzen nur schwer zu unterscheiden sind.

Und dann findet man das kleine Gedicht an „Meine Rachel“. Es hat mich sehr gerührt.

URNENFLUG

Herr Reger hatte eigentlich eine ganz gute Rente, aber es reichte hinten und vorne nicht. Das hatte einen frommen Grund, denn Herr Reger verprasste seine Rente in Briefmarken. Er sammelte sie nicht, vielmehr kaufte er sie um sie auf ungezählte Briefumschläge zu kleben, die er in alle Welt verschickte.

Herr Reger war davon überzeugt, dass er es sei, der durch hektographierte Briefe in deutscher Sprache, die diversen Kirchenfürsten der Welt zur Einheit der Christen bewegen würde.

An sich ein löbliches Unterfangen. Frau Reger war dennoch sauer. Sie fand, ihr Haus auf Ibiza, in dem das Ehepaar lebte, benötige einen neuen Anstrich, der Gartenzaun müsse gerichtet werden und außerdem wünschte sie sich seit Jahren, das Weihnachtsfest bei ihrer Tochter mit den beiden Enkeln in Deutschland verbringen zu können. Für all das reichte das Geld nicht, weil, wir erinnern uns…

Die Pfarrer der evangelischen Gemeinde auf den Balearen besuchten Regers immer, wenn einer der beiden nach Ibiza kam. Immer versuchten sie Herrn Reger zur brieflichen Kontinenz und damit zur Entlastung der Haushaltskasse zu bewegen, was dieser mit Entrüstung von sich wies, ja wähnte, die Pfarrer steckten mit den „Schismaten“ unter einer Decke.

Eines Tages stellte man bei Herrn Reger eine schwere Krankheit fest, die auf Ibiza nicht behandelt werden konnte. Er wurde nach Palma gebracht, wo er alsbald verstarb.

Die Sitzungen des Kirchenvorstandes fanden damals, wir sprechen von der ersten Hälfte der 80er Jahre, im Gemeindehaus in der Calle Joan Miró statt. Rechts eine Disco, gegenüber ein Freudenhaus, um es kurz zu machen, es war keine adäquate Lage. Heute ist das Haus verkauft, man macht dort dem F-haus gegenüber Konkurrenz.

Nach einer solchen Sitzung des Kirchenvorstandes wurde ich gebeten, Herrn Reger mit nach Ibiza zu nehmen. Mit diesen Worten wurde mir eine schwere Plastiktüte in die  Hand gedrückt. Darauf stand groß PRYCA, etwas kleiner Precio y Calidad. Das war der Vorgänger von Carrefour. Mein fragender Blick wurde belohnt, immerhin. Ja, das sei die Urne von Herrn Reger, seine Witwe erwarte ihn schon.

Am Flughafen wurde die Urne zwar durchleuchtet aber nicht beanstandet, ich hatte gehofft, man werde sie mir dort abnehmen. So kam ich mit der Urne zu Hause an. Meine Frau war nur mittelmäßig erfreut, Herr Reger wurde in der Holzlege zwischengelagert.

In Palma hatte man mir eine Telefonnummer gegeben, die aber nicht die von Frau Reger war, sondern die von Ca‘n Toni, der nahegelegenen Bar. Ich bat, auszurichten, dass am kommenden Samstag ich plus Urne bei Frau Reger erscheinen würden.

Als ich mich dem Haus näherte, wurde ich eines mehrheitlich weiblichen Empfangskomitees gewahr. Es war vorauszusehen, dass man die PRYCA Tüte als des Anlasses nicht würdig empfinden würde, und so packte ich die Urne aus und trug sie gemessenen Schrittes durch den Garten zu den wartenden Trauernden. Ich drückte das Gefäß der weinenden Frau Reger in die Hand. Nein, nein, das sei nicht Frau Reger. Man verwies mich an eine sehr gefasste, ja frohgemute Dame mittleren Alters, die die Urne nahm und mit ihr im Haus verschwand. Eine der Trauernden bat mich nun auf die Terrasse, wo ein Tisch mit üppig Kaffee und Kuchen sowie Sektgläsern gedeckt war. Frau Reger gesellte sich nach kurzer Zeit ohne Urne auch dazu und begann unter Auslassung des Kaffees gleich mit dem Sekt der Marke Segura Viudas. Sie kommentierte dies beim Einschenken so: „Segura Viudas muss reichen, die Marke Viuda Alegre gibt es nicht, und das Geld für Veuve Cliquot ist bei der Post gelandet.“

Terror, ein krachendes Fehlurteil

Gestern wurde auf ARD, ORF und SRF das Theaterstück „Terror“ von Ferdinand von Schirach gesendet.

Es ging darum, dass der Pilot eines Jagdbombers ein voll besetztes Zivilflugzeug abgeschossen hat, das ein Terrorist in ein voll besetztes Fußballstadion zu lenken entschlossen war. Hat sich der Bundeswehrpilot damit strafbar gemacht?

In Deutschland, Österreich und der Schweiz haben mehr als 84% der Zuschauer dafür gestimmt, dass sich der Pilot nicht schuldig gemacht hat, der Rest war der gegenteiligen Meinung.

Ich finde das erschreckend, denn es zeigt, dass die Saat der Populisten aufgeht:

In der Schweiz, in Polen und in Ungarn sehen wir, wie die rechten Parteien seit etlichen Monaten verkünden, die Verfassungsgrundsätze müssten sich nach dem jeweiligen Willen der Mehrheit der Wähler richten. Wir sehen es: In der Schweiz sollte das Bleiberecht von Ausländern ausgehebelt werden, in Ungarn ist es die Pressefreiheit, die Genfer Flüchtlingskonvention und in Polen ist es der Verfassungsgerichtshof.

Überall versucht „die Rechte“ unter Berufung auf den Willen des Volkes Garantien des Rechtsstaates abzubauen. Derlei Denken wird vorbereitet indem die Grundrechte, die von allen westlichen Verfassungen garantiert werden, zur Verhandlungsmasse degradiert werden.

Es ist ein in der Geschichte einmaliger Vorgang, dass alle EU Länder sich auf Verfassungsgrundsätze geeinigt haben, eben auf die Grundrechte, die den Bürger vor der Willkür des Staates oder seiner Institutionen schützen.

So ist es keinem Bundeswehrsoldaten, keinem Schrankenwärter und keinem Politiker erlaubt, über das Leben eines seiner Mitbürger zu entscheiden, auch wenn er noch so überzeugt ist, dass er damit andere Menschenleben rettet.

Artikel 1 Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Nach dem gestrigen Fernsehabend habe ich den Eindruck, dass die Mehrheit nicht weiß, was mit der „Würde des Menschen“ gemeint ist. Es ist auch gemeint, dass der Mensch nicht misshandelt werden darf, es ist auch damit gemeint, dass der Staat dem Bürger ein Leben in Würde garantieren muss. In erster Linie ist die Würde des Menschen aber sein Leben selbst. Nicht umsonst steht in Artikel 2,2 GG „In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.“

Die Politik war bisher gut beraten, bisher kein Gesetz verabschiedet zu haben, das das Leben, die Würde des Menschen zur Disposition stellt.

Es gibt Diskussionsbeiträge, die meinen, das sei Feigheit seitens der Politik, sie lasse ihre Bürger, wie den Piloten in Extremsituationen allein.

Davon kann keine Rede sein, denn die Würde des Menschen ist unantastbar. Das gilt es zu beachten, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Das Problem ist, dass es offenbar den Schulen, den Unis, den Medien nicht gelungen ist, diesen Grundsatz so zu vermitteln, dass er auch verstanden wird.

Gerhard Baum, der ehemalige liberale Innenminister, ein „rocher de bronce“ im Meer der relativierenden Verfassungstheorien, hat gestern sehr zu Recht immer wieder darauf hingewiesen, dass Artikel 1 unseres Grundgesetzes Ewigkeitsanspruch hat. Das bedeutet, er kann nur durch einen (rechtswidrigen) Staatsstreich abgeschafft werden.

(Ich verweise auf meinen fb Beitrag vom März 2016 zum Theaterstück „Terror“, den ich heute auf meinem Blog

hansrotenhan.com

erneut veröffentlicht habe.)

Terror, Ferdinand von Schirach

Erstmals veröffentlicht auf meiner facebook Seite im März 2016

Im Februar haben wir uns in München in einem winzigen Theater die dortige Uraufführung des Theaterstückes angesehen, das Ferdinand von Schirach unter dem Titel „Terror“ veröffentlicht hat.

Es geht darum, ob ein Bundeswehroffizier den Abschuss eines voll besetzten Flugzeuges befehlen kann, damit mehrere hundert Menschenleben riskiert, aber tausende rettet, denn ohne den Abschuss wäre das Flugzeug von Terroristenhand in die ebenfalls vollbesetzte Allianz Arena in München gestürzt.

Der Clou daran ist, dass nach Beendigung des Stückes das Publikum per Hammelsprung entscheidet, ob der Offizier verurteilt werden soll oder nicht.

Uns wurde berichtet, in Nürnberg werde das Stück zeitgleich ebenfalls uraufgeführt und man sei gespannt, ob dort anders abgestimmt werde, als in München.

Mit uns schaute sich das Stück an mein Freund und Vetter Schorsch, seines Zeichens Doktor der Soziologie. Eines der wichtigsten Merkmale unserer nun schon fast lebenslangen Freundschaft ist, dass wir immer verschiedener Meinung sind. So auch bei der Abstimmung im Theater.

In München gewann eine Mehrheit, die den Offizier wegen übergeordneten Notstandes freisprach. Die Mehrheit hatte sich gegen die Verfassung entschieden, nicht so in Nürnberg. Ich ärgerte Schorsch damit, dass in München wohl mehr Soziologen und Pädagogen anwesend gewesen seien, während in Nürnberg Juristen die Sache entschieden hätten.

DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR (Artikel 1 Grundgesetz).

Es steht dem Menschen nicht zu, abzuwägen, ob die schiere Menge einer Menschengruppe mehr wert sei als die die zahlenmäßig kleinere Gruppe von Menschen. Wer das entscheidet, würde Gott spielen, und einen bis dahin vollkommen ungefährdeten Menschen in Gefahr bringen, um andere Menschen, die bereits in Gefahr schweben zu retten.

Bei Schirach ist die Sache verzwickter, denn die Leute im Flugzeug, würden so oder so sterben. Die Frage ist nur, ob der Offizier die sowieso Totgeweihten durch Abschuss einem früheren Tod „zuführen“ durfte, um so andere zu retten.

Bei aller Verfassungstreue, ich wüsste heute nicht, wie ich im konkreten Fall handeln würde. Ich nehme an, ich würde mich wissentlich strafbar machen, um die Menschen im Fußballstadion zu retten. Da geht einfach der „Mensch“ mit mir durch und die Ratio, die mich in München „richtig“ hat abstimmen lassen, rückt in den Hintergrund.

Das zeigt, wie dünn mein/unser Verständnis der Menschenwürde ist. Hält es einer wirklichen Probefahrt stand? Lassen wir in unserem Leben Lagunen zu, wo die Menschenrechte nur bei schönem Wetter gelten?

Der Zuzug tausender Ausländer aus Ländern, in denen die Bewahrung der Menschenrechte nur auf dem Papier steht, bringt es mit sich, dass wir diesen Menschen nahebringen müssen, was die Würde des Menschen bedeutet, zumal es eines der beliebtesten Machtdemonstrationen unter Diktatoren ist, eben diese mit Füssen zu treten.

Über die Würde des Menschen zu sprechen bedeutet aber auch, selbst zu wissen, was das bedeutet.

Theoretisch weiß ich es und dennoch spüre ich, dass im täglichen Leben es nicht immer dieses Wissen ist, was mich anleitet. Ich nehme an, das geht den Meisten so.

Das ist bedenklich.

In den kommenden Monaten stehen in Berlin und Mc Pom Wahlen bevor, im kommenden Jahr auch im Bund.

Wäre vielleicht mal ganz interessant, die einzelnen Kandidaten danach abzuklopfen, wie sie es mit der Menschenwürde halten.

Tierfreunde

Heute fand ich auf meinm facbook Account einen Beitrag, in dem eine mir nicht bekannte Dame, Roswitha Erhardt, schrieb, sie würde den Menschen umbringen, der ihrem Haustier etwas antut.

Ich fasse es nicht! Wie kann man nur so grandios doof und gleichzeitig abgrundtief böse sein?

Ich habe ja gar nichts gegen Tierschützer, ich habe auch nichts gegen Tierliebhaber, aber ich kann diejenigen dieser Spezies nicht aushalten, die Tiere vor Menschenleben stellen.

Wenn man als Jurist darauf hinweist, ein Tier sei nach dem BGB eine Sache, dann ist das sicher nicht sehr geschickt, entspricht aber der aktuellen Rechtslage.

Wobei darauf hinzuweisen ist, dass auch der Tierschutz sich auf Wirbeltiere beschränkt, Fliegen, Küchenschaben und Tintenfische dürfen nach Belieben gequält werden. Der Gesetzgeber macht da schon Unterschiede und ist nicht wie beim Menschen so entsetzlich gleichmacherisch:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Das sollte auch dem Tierschützer klar sein, den Mordgelüste überkommen, wenn jemand ein Meerschweinchen nicht artgerecht hält.

Ich finde das Gedöns, das um die Haustiere gemacht wird, erschreckend. Wenn ich sehe, dass es eine Supermarktkette gibt, die nichts anderes anbietet als Haustierbedarf, dann finde ich das abstoßend. Da erreicht die Konsumgesellschaft ihre ethischen Grenzen.

Das Abstoßende sind ja nicht die Tiere und auch nicht die Mitmenschen, die Tiere halten.

Das Abstoßende sind die Tierfreunde, die mit dem moralischen Zeigefinger rumfuchteln und sich und anderen einreden, ihr tierschützerisches Tun stehe moralisch über allem anderen Tun.

Auf den Balearen habe ich es oft und oft erlebt, wie Menschen, die mit der gesamten Nachbarschaft verkracht waren, über 20 Katzen hielten oder derart viele Hunde aus dem Asyl abholten, dass die Leiterin des Hundeheimes beschloss, dem neuen zu Hause der Vierbeiner einen Besuch abzustatten, nur um festzustellen, dass die Hunde in nicht tiergerechten Verhältnissen gehalten werden.

Nicht alle, aber viele Tierschützer kommen mit ihren Menschen nicht klar und flüchten sich in die Tierliebe. Sie mutieren peu à peu zu Menschenfeinden. Die Tierschutzverbände wären gut beraten, einen psychologischen Dienst einzurichten, der solchen Fehlentwicklungen Paroli bietet.

Das Schöne ist immer, dass die pervertierten Tierschützer immer wieder sagen, im Gegensatz zu den Mitmenschen habe sie der Hund, die Katze, der Wellensittich oder der Hamster noch nie betrogen. Wenn die sprechen könnten…

Übrigens, und das als Schlusspunkt: Die Dame Ehrhardt hat auf meine Einlassung, Tierschützer hätten oft ein Problem mit ihren Mitmenschen, geantwortet:

„Solche wie Sie sollte man auf der Stelle aufhängen!“

Faria, faria, ho. A failed song!

Lustig ist das Zigeunerleben, faria, faria, ho

Brauchen dem Kaiser kein Zins zu geben, faria, faria, ho

Lustig ist es im grünen Wald

Wo des Zigeuners Aufenthalt

Faria, faria, faria, faria, faria, faria, ho.

Es gibt wenig auf Gottes Erdboden, was so eklatant gegen die Regeln der “political correctness” verstößt, wie dieses scheinbar harmlose Kinderlied.

Den Protagonisten gibt es schon lange nicht mehr, besonders nicht in der Einzahl. Heute heißt das Sinti und Roma, Mehrzahl bitteschön. Lustig war und ist deren Leben fürwahr nicht, besonders dann wenn es sich in Osteuropa oder Spanien abspielt.

Den Kaiser gibt es auch nicht mehr und keine Steuern zahlen heute ganz andere Leute, wie wir aus den Panama Papers erfahren durften.

Der Aufenthalt im Wald lässt darauf schließen, dass es sich bei den Besungenen um Nichtsesshafte handelt. Als solche bekommen sie zwar von der zuständigen Gemeinde einen Tagessatz, dürfen dann aber nur drei Tage bleiben. Während dieser Zeit mahnt die politisch unkorrekte Oma; “Macht´s Gartentürl zua, de Zigeiner kumman.“ Sollten diese planen, länger als drei Tage an einem Ort zu verweilen, müssen sie sesshaft werden.

Um es mit Abraracourcix zu sagen: “Nos lois sont dures.“

Ist die erste Strophe schon schlimm genug, steigert sich das Lied in der zweiten Strophe  dahin, der ethnischen Gruppe pauschal Wilderei vorzuwerfen. In dem Fall ist das nach § 292 StGB ein besonders schwerer Fall von Wilderei, da gemeinschaftlich begangen. Wird mit bis zu 12 Jahren Freiheitsentzug bestraft.

Besonders perfide sind die Vorwürfe in der vierten Strophe, die hier ohne das „Faria“ wiedergegeben werden soll:

Wenn uns tut der Beutel hexen

Lassen wir unsere Thaler wechseln

Treiben die Zigeunerkunst

Da kommen die Taler wieder all zu uns.

Klarer Fall von § 263 StGB, schwerer Betrug, da gewerbs-, gewohnheits,- und bandenmäßig begangen. Zack, schon wieder bis zu 10 Jahren Freiheitsentzug.

Nun, hartherzige Menschen mögen denken, des Bisserl Diskriminierung gegen Roma und Sinti seien die ja eh gewohnt, da macht das nicht so viel.

Aber halt: Dem Liedl wohnen noch weitere Gefahren inne:

Wer das Lied in einem Amtsgebäude singt, dem kann es passieren, dass die Staatsanwaltschaft wegen falscher Verdächtigung vor einer Behörde ermittelt.

Wenn die Ermittlungsbehörde zu dem Schluss kommt, dass die Roma und Sinti nicht lustig sind, keine Steuern hinterziehen, nicht unberechtigt Tagessätze bei den von ihnen durchzogenen Gemeinden abgreifen, nicht wildern und auch nicht bandenmäßig betrügen, dann ist er dran, der vermeintlich unschuldige Sänger: § 164 StGB dreuht mit 5 Jahren.

Fassen wir zusammen: Es handelt sich um ein gemeingefährliches Lied, das Sänger und Besungene in Konflikt mit der Justiz bringen kann. Der Text ist politisch vollkommen unkorrekt und gehört verboten, zumindest aber aus den Kinderliederfibeln gestrichen.

Ersatzweise könnte man auch daran denken, den deutschen Text zu streichen, und nur das dem Sinti und Romaschen angelehnte  „faria, faria, faria, faria, faria, faria, ho“ zu belassen. In der dritten und vierten Zeile jeder Strophe müsste man allerdings das „ho“ weglassen, aber das wäre hinnehmbar.

 

Der Fluch der bösen Tat

The Mayo Football Curse

In Irland wird „Galic Fotball“ gespielt, eine Mischung aus Fußball und Rugby. Natürlich gibt es den „All Ireland Cup“.

Den gewann die Mannschaft aus dem nordwestlichen County Mayo zum letzten Mal im Jahr 1951, und das kam so:

Nach dem Finale fuhr das siegreiche Team auf einem Lastwagen in die Heimat zurück, und als man die kleine Stadt Foxford kreuzte passierte das Schreckliche:

Auf der Hauptstraße hatte sich ein Zug gebildet, der einen verstorbenen Bewohner des Städtchens zum Friedhof hinaus begleiten sollte.

Der gute Anstand gebietet es, dass wer sich dem Leichenzug schon nicht anschließt, wenigstens stehen bleibt und dem Verblichenen seine Reverenz zeigt.

Nicht so die siegreichen Sportler, sie saßen auf der Pritsche des Lastwagens und feierten ausgiebig ihren Sieg, ohne den Leichenzug auch nur eines Blickes zu würdigen.

Das erboste den Ortspfarrer derart, dass er einen Fluch über die Mannschaft aussprach, dass sie nämlich solange den Cup nichtmehr gewinnen sollte, bis der letzte Spieler des Siegesteams von 1951 gestorben sei.

Tatsächlich wurde seither der „All Ireland Cup“ nicht mehr ins County Mayo getragen.

Man hat die damaligen Spieler interviewt, die natürlich alles abstritten: Da wäre gar kein Leichenzug gewesen, wenn man ihn gesehen hätte, hätte man dem Toten natürlich die Reverenz erboten, alle Spieler seien ja schließlich gute Katholiken.

Der Schuss ging allerdings nach hinten los:  Ganz Irland glaubte ihnen, dass sie nichts gesehen hätten, denn sie hatten auf der LKW Pritsche nicht nur gefeiert, sondern insbesondere haltlos gesoffen…

In diesem Jahr war das Mayo Team wieder im Endspiel – und verlor das Finale zum neunten Mal!

Es gibt noch zwei Überlebende der mit dem Fluch belegten Mannschaft: Dr. Padraig Carney lebt vorsichtshalber in den USA, aber der todesmutige Paddy Prendergast lebt nach wie vor in Mayo und behauptet, wenn da ein Leichenzug gewesen wäre, hätten sie ihn gar nicht sehen können, weil sie nicht über die Bordwand der LKW Pritsche hätten schauen können. Klar nicht, meint ganz Irland und macht die internationale Bewegung für saufen mit dem Daumen und dem kleinen Finger.

Die Bewohner von Mayo sind die Geschichte langsam leid, sie wollen den Cup endlich haben, und versichern wenig glaubwürdig, Pedraig und Paddy müssten nicht um ihr Leben bangen. Die Fans sind allerdings bereits jetzt so gierig auf den Cup, dass sie sogar ihre Schafe in den Farben des Mayo Teams rumlaufen lassen. Die Mannschaft aber weint.

Wenn der letzte der beiden Überlebenden stirbt, da bin ich sicher, wird man in Mayo County feiern, nachdem man, es sind ja alles gute Katholiken, dem Verstorbenen die Reverenz erwiesen hat.