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Jesus verraten

Gestern las ich einen Beitrag, in dem jemand schrieb, es gäbe in den Parlamenten aber auch anderswo viele Menschen, die wegen der Ehe für alle und der Fristenlösung bereit wären, Jesus an Marx und Moslems zu verraten.

So schön die Alliteration auch sein mag, die Aussage ist dennoch abwegig, denn weder Moslems noch Marxisten beschäftigen sich vorwiegend mit der Ehe für alle noch mit der Fristenlösung.

Was der Autor sagen will, ist, daß beides, die Ehe für alle und die Fristenlösung gegen Gottes Gesetz verstoßen und deshalb deren Befürworter Verrat an Jesus Christus verüben.

Eine gewagte These; der ich nicht nachgehen möchte, da ich nicht Theologe bin.

Aber das Parlament, das ja spätestens seit Caesar (et tu mi fili Brute?) ein Hort des Verrats ist, das sollten wir uns näher anschauen.

Das Haus, in dem die vom Volk gewählten Abgeordneten zusammenkommen, heißt mit gutem Grund Volksvertretung.

Die Messlatte ist dort nicht die individuelle Überzeugung jedes einzelnen Parlamentariers, sondern deren Summe. Dort werden nicht nur gläubige Christen vertreten, sondern auch Andersgläubige und auch solche Menschen, die an gar nichts glauben, kurzum ein Ort, der zum Jesusverrat denkbar ungeeignet ist.

Christen aber auch zum Beispiel Moslems gehen davon aus, dass Ihr Glaubenskonstrukt allumfassend, allesstützend und alleingültig ist. Es ist für sie schwer verständlich, dass ein säkulärer Staat auch andere Bekenntnisse oder Ansichten berücksichtigen, schützen und gewährleisten muss. Daraus ergibt sich logischerweise, dass die Normen des Rechtsstaates stets und immer über denen der verschiedenen Bekenntnisse stehen.

Was für den Gläubigen seine Bibel, sein Koran ist, ist für den Staat die Verfassung und diese lässt sich in einem demokratischen Rechtsstaat auf einen Satz kondensieren: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Die Einsicht kam zwar spät, aber nun haben die meisten Menschen begriffen, dass die Ehe für alle eine Folge der Achtung der Menschenwürde ist. Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung von dem auszuschließen, was der Staat selbst als schützenswert ansieht, war diskriminierend. „Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz des Staates“ sagt das deutsche Grundgesetz.

Wen zwei Menschen des gleichen Geschlechts ehelich zusammenleben, schaden sie damit niemandem.

Das mag bei der Fristenlösung anders sein. Unbestritten ist, dass der Rechtsstaat allen Frauen ein Mittel an die Hand geben muss, um Schwangerschaften abzubrechen. Seltsamerweise bestreiten das fast nie Frauen, aber fast immer Männer.

Wie dem auch sei, die Menschenwürde gebietet es, dass eine Frau über sich und ihre Nachkommenschaft entscheiden können muss. Das hat der Gesetzgeber so entschieden, wohlwissend, dass, sollte sich eine Frau zum Schwangerschaftsabbruch entscheiden, dies stets eine Entscheidung zum Nachteil des ungeborenen Kindes ist. In einem säkularen Rechtsstaat gilt die Regel, dass bestehendes Leben mehr gilt als entstehendes Leben.

Das kann man richtig, falsch oder verwerflich finden. Das entscheidet jeder nach seinem Bekenntnis, und dieses, ich wiederhole mich, rangiert unterhalb der jeweiligen Verfassung.

Es ist jedermann erlaubt, dafür zu arbeiten, dass möglichst wenig Frauen die Schwangerschaft unterbrechen. Die Abschaffung einer entsprechenden gesetzlichen Regelung aber wäre ein erster Schritt weg von der Demokratie und hin zum Gottesstaat.

Fazit: Wer beklagt, dass in den Parlamenten Jesus an M&M oder wen auch immer verraten wird, der hat entweder im Fach Staatsbürgerkunde geschlafen, oder aber, er will unsere Demokratie abschaffen.

AKKronyme

Annegret Kram-Karrenbauer hier, AKK dort, Meinungsfreiheit in Not hier, Helfer in der Not dort.

Bei all dem Gezänk fällt mir auf, dass wir in eine neue Zeit der Abkürzungen schliddern. Schuld daran ist diese Frau, deren Name außerhalb des deutschen Sprachraumes vollkommen unaussprechlich ist. Warum musste sie auch in die Politik gehen? Als Lehrerin, Pfarrerin, Strumpfverkäuferin, ja sogar Bundesjustizministerin wäre der schwierige Name überhaupt nicht aufgefallen.

Immerhin, womöglich macht es Spaß sich an überkommene Akronyme zu erinnern:

GröWaZ: der größte Weiberheld aller Zeiten, wer hätte es nicht sein wollen?

FSK: die freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Die wirklich interessanten Filme durften wir erst sehen, als sie schon nichtmehr soo interessant waren.

MfG: gegen BKB, Mitfahrgelegenheit gegen Benzinkostenbeteiligung, studentisches Fortbewegungsmittel.

FdH, seD; Friss die Hälfte, sauf ein Drittel! Wer hätte es je befolgt?

HWG: häufig wechselnder Geschlechtsverkehr, dazu brauchte man einen

BUKo, einen Beischlafutensilienkoffer.

Dass NATO und UNO in Frankreich, Italien und Spanien OTAN und ONU heißen, lernten wir beim Diskutieren auf Campingplätzen.

RAF: Royal Air Force, Rote Armee Fraktion und Rechtsabkürzungsfimmel.

LMU: An der Ludwig Maximilians Universität habe ich studiert.

SMV: Schülermitverwaltung, welche Farce!

EHE: Errare Humanum Est, jaj,ja.

BP: Bee Pee.

SBZ: Sowjetisch besetzte Zone

FdGO: Freiheitlich demokratische Grundordnung, ein Instrument, das oft nur dazu benutzt wurde, um es zu verbiegen

EFF DEE, der Fränkische Tag, ein Weltblatt.

I.N.R.I.: Iesus Nazarenus Rex Iudeorum, im Spanischen seltsamerweise als „para más INRI“ im Gebrauch, etwa „um das Maß voll zu machen, das auch noch!“

oG: Ohne Gewähr (aber mit Pistole)

FKK: Frei Körper Kultur, denn wo die Begriffe fehlen, stellt schnell ein neues Wort zur rechten Zeit sich ein.

DKW: Der berühmte DeKaWuppdich, ein Anachronismus auf vier Rädern.

HERTIE, eigentlich Hermann Tietz, tatsächlich in Form des HÄDDI am Grünen Markt in Bamberg, das Tor zur Welt.

UdSSR: Die Sofjets, der Russe schlechthin, hatten ja auch eine KPdSU.

AGB, sind kleingedruckt und werden nie gelesen.

DM: Ja, damals war das Geld noch sein Geld wert!

WuH: Wild und Hund, da meist in konservativen Häusern gelesen, auch „Christ und Hund“ genannt.

 

 

 

 

Radikal bringts?

Gestern las ich einen Beitrag, dessen Autor sich angesichts des durch die Bundeskanzlerin angerichteten Desasters nun auf das politische Wirken der AfD hofft und darauf vertraut, sie werde ihn nicht enttäuschen.

Ich habe in einem Kommentar dazu geschrieben, die AfD werde ihn ganz bestimmt enttäuschen und ich will mal versuchen zu begründen, weshalb das so sein wird.

Es gehört zu den „essentials“ radikaler Gruppierungen, mit einprägsamen Versprechungen Anhänger zu finden:

Das vergangene Jahrhundert war ein wunderbarer Nährboden, auf dem radikale Ideen und Bewegungen nicht nur entstehen konnten, sondern sogar enormen Erfolg hatten.

Und wer wollte es abstreiten, dass das russische Kaiserreich verknöchert, überkommen und korrupt war? Es war es wert, zugrunde zu gehen. Noch dazu mit den schönen Versprechungen, es werde nach dem Zaren nur noch Wohlstand für alle geben.

Ebenso war es mit den Nazis: Die unfähige Weimarer Republik mit ihrer „Quatschbude“ in Berlin, ist nicht fähig, die Probleme der leidenden und hungernden Bevölkerung in den Griff zu bekommen. Wir, die aufrechten Deutschen, werden nicht nur zeigen, wo der Hammer hängt, sondern auch Arbeitsplätze für alle beschaffen.

Beide, Kommunisten wie Nazis hatten auch tatsächlich Anfangserfolge: Das Land erlebte es, dass Arbeitsplätze wie Pilze aus dem Boden wuchsen.

Nur, radikale Politik findet immer ihre Gegner und das wissen die Radikalen. Sie brauchen die Gegner sogar dringend. Das Kapital, die Bourgeoisie, die Juden, die Kulaken, die Flüchtlinge. Wenn man keine Gegner hat, erfindet man sie. Deshalb bauen Radikale, kaum an der Macht, einen landesweiten Spitzel- und Überwachungsstaat auf. Widerspruch oder gar Widerstand sind Verrat an der „Sache“. Liberté? Perdue!

Hinzu kommt, dass die auf wirtschaftlichen Erfolg basierende Radikalität nicht gegen die Gesetze der Ökonomie realisierbar ist. Um schnelle Erfolge zu haben, muss aber radikal durchgegriffen werden, es werden riesige Investitionsprogramme aufgelegt, nennen wir sie Schwer- und Rüstungsindustrie oder den Bau von Autobahnen. Ob das wirtschaftlich Sinn macht, ist erstmal zweitrangig. Es sind keine ökonomischen Ziele sondern politische.

Irgendwann kommt es zu inneren Problemen, und dann muss der äußere Feind her, wodurch irres Aufrüsten gerechtfertigt wird, was wieder Arbeitsplätze schafft. Aber was macht man nun mit rumstehenden Panzern?

Jawoll, man führt Krieg.

Das hat beim letzten Versuch in Europa an die 60 Millionen Todesopfer gekostet.

Der sowjetische Kommunismus hat sich noch bis zum Ende des Jahrhunderts halten können, was auch daran lag, dass die UdSSR dank amerikanischer Waffenhilfe zu den Gewinnern des 2. Weltkrieges gehört hat. Aber viel Gutes hat es den Staaten Osteuropas nicht gebracht, nennen wir es Auskommen gegen Maulhalten. Not gab es nicht, aber es gab Unterdrückung und zerrissene Familien von Warschau über Prag bis nach Berlin.

Wir können es drehen und wenden wie wir wollen, aber Radikalität hat auf die Dauer nie zu etwas Gutem geführt.

Und deshalb ist es so sicher wie das Amen in der Kirche, dass die AfD unseren hoffnungsfrohen Beitragsschreiber enttäuschen wird.

 

Frauen selber schuld?

Ich ärgere mich maßlos, wenn pubertäre Jugendliche aus den arabischen Ländern behaupten, sommerlich bekleidete Frauen seien selbst dran schuld, wenn sie vergewaltigt würden. Nicht nur machen sie damit klar, dass in ihrem Wertesystem die Frau höchstens ein Objekt ist, sie versagen ihr darüber hinaus das Selbstbestimmungsrecht, das Recht auf Gleichheit und das Recht auf Unantastbarkeit des eigenen Körpers. Das wissen wir, das tadeln wir, darüber schütteln wir den Kopf und lehnen es ab.

Was bisher noch nicht so oft diskutiert wurde ist die Tatsache, dass diese Jugendliche sich selbst disqualifizieren. Offenbar ist schon der Prophet Mohammed davon ausgegangen, dass der Mann derart hilflos seinen Trieben ausgesetzt ist, dass man die Frau vor ihm verstecken muss. Viele arabische Männer halten sich für ständig notgeile Priapen, sonnen sich im „Glanze“ ihrer immerwährenden angespannten Männlichkeit und stellen sich damit ungewollt auf eine Stufe mit Primaten, die in den Urwäldern von Baum zu Baum und von Weibchen zu Weibchen springen. Das kann doch nicht der Sinn der Sache sein.

In der Schulzeit erzählte uns der Lehrer, Triebverzicht sei eine der wichtigsten Quellen für das Entstehen von Hochkulturen. Wir fanden das natürlich doof, weil uns Kultur wurscht war und im Übrigen die Hormone zwickten. Und dennoch haben wir uns mit mehr oder weniger Erfolg zusammengenommen und somit, wie schon unsere Vorfahren, dazu beigetragen, dass wir in einer kulturellen Umgebung leben, die das gleichberechtigte Zusammenleben aller Manschen ermöglicht und zulässt. Diese hier nur skizzierten Zusammenhänge scheinen den nach Deutschland zugewanderten jungen Muslimen vollkommen unbekannt zu sein.

Da auch für sie die Schulpflicht gilt, haben wir es hier mit einem Totalversagen unserer Schulen zu tun.

 

 

 

 

 

 

 

Was ist Wahrheit?

Immer dann, wenn jemand ganz besonders eifrig schwört, die Wahrheit zu sagen, ist äußerstes Misstrauen angesagt. In meiner fränkischen Heimat ist das dann der Fall, wenn jemand dem Gesagten hinzufügt: „Mei Aach söll mer rausfall, drauf derfsta draad“ i.e. Wenn ich die Unwahrheit sage, soll mir mein Auge herausfallen und du darfst drauftreten.

Gelogen wurde schon immer und überall. Unser derzeitiges Problem ist, dass die Unwahrheiten schnell und all überall verbreitet werden können.

Was ist eigentlich Wahrheit? In erster Linie ist Wahrheit ein hohes Gut, das unter dem Titel „Tatsächlichkeit“ Verfassungsrang haben sollte. Nun ist aber so, dass die Wahrheit entgegen ihrem Wortsinn etwas eminent Subjektives ist. Jeder versteht, dass ein Farbenblinder die Wahrheit, die Realität anders sieht, als jemand, der „normal“ sieht. Und man sollte annehmen, dass die Sicht der Welt eines klugen Menschen akkurater ist als die einer Dumpfbacke. Wir alle wissen, dass das nicht zutrifft, denn auch der Depp hat richtige Einsichten. Beweis: Als die Nazis Beflaggung anordneten, sagte der Dorfdepp in Rentweinsdorf: „Die Fohna wenn halb so lang wärn, wärn sa immer nuch rod ganuch!“

Nochmal,: Was ist Wahrheit? Jedenfalls nicht die Abwesenheit von Lüge. Fromme Lügen, Notlügen und andere Lügen setzen immer Vorsatz voraus. Es gibt aber auch Unwahrheiten jenseits der Lüge, weil die Erinnerung schwächelt oder weil der so gnadenreiche Akt der Verdrängung einsetzt.

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr wird mir klar, dass die Wahrheit tatsächlich nur wenig mit der kruden Realität zu tun hat. Realität ist etwas Messbares, Wahrheit hingegen kann man nur fühlen.

Wahrheit ist das Resultat dessen, was wir mit dem machen, was wir erleben. Sie ist fast eine Stilfrage. Man kann sich leger anziehen oder nur Harris Tweed an den Körper lassen. Beides ist legitim. Wer mit sich im Reinen ist, der findet seinen Stil und der hat es auch nicht nötig, die von ihm wahrgenommene Wahrheit zu verdrehen.

Wahrheit in ein Gut mit Verfassungsrang zu verwandeln, wird uns nicht gelingen. Es kann nicht gelingen. Aber es muss uns klar sein, dass der Umgang mit der Wahrheit eine Frage der Haltung ist. Feiglinge, Paranoiker, Egozentriker und Fanatiker jedweder Couleur sind aus sich heraus nicht in der Lage irgendetwas von sich zu geben, das nicht vorsätzlich gelogen ist. Es gehört zu ihrer Überlebens- oder Erfolgsstrategie, die Mitmenschen stets mit Un- oder Halbwahrheiten zu versorgen.

Wer versucht, in dem was er sagt, nahe an der Realität zu bleiben, kongruent zu dem zu leben, was er sagt, hat es nicht immer ganz leicht. Aber dieser Mensch zeigt Haltung und kann sich des Respekts der Gesellschaft sicher sein.

Und was kann ich mir davon kaufen? Nichts, gar nichts.

Das ist es eben: Es gibt Tugenden, deren nur diejenigen teilhaftig werden, die dafür nichts haben wollen, außer vielleicht die Wahrheit.

 

IS Kämpfer. Müssen sie zurückgeholt werden?

In den Medien hören und lesen wir es in diesen Tagen immer wieder: „Die deutsche Staatsangehörigkeit darf nicht entzogen werden“.

Das steht so im Grundgesetz und das ist auch richtig so. Es entsteht der Eindruck, als hätten somit alle IS Kämpfer mit deutschem Pass ein Recht, von der Bundesrepublik zurückgeholt zu werden.

Ich habe da äußerste Bedenken. Als ich 1993, Spanien war damals noch nicht in der EU, die spanische Nationalität beantragt hatte, verlor ich die deutsche Staatsangehörigkeit. Sie wurde mir nicht entzogen, aber ich verlor sie nach § 25 des deutschen Staatsangehörigkeitsgesetzes: Wer willentlich die Staatsangehörigkeit eines anderen Staates beantragt, verliert die deutsche.

§ 28 des gleichen Gesetzes sagt, wer ohne Genehmigung des Verteidigungsministeriums in den Wehrdienst eines anderen Staates eintritt, verliert die deutsche Staatsangehörigkeit ebenfalls.

Ich habe damals die angestammte Nationalität verloren, weil ich eine andere beantragt habe, immerhin die eines demokratischen Rechtsstaates.

Wie muss man es beurteilen, wenn jemand sich derart vom deutschen Rechtsstaat abwendet, dass er in die Dienste eine Unrechtsregimes eintritt? Das ist nicht nur Abwendung von Deutschland, so einer oder so eine wendet sich von allen Werten ab, die unsere Demokratien ausmachen

Spitzfindler werden jetzt sagen, der IS war ja gar kein Staat. Das mag sein, ist aber insoweit irrelevant, als es um die innere Einstellung geht. Die IS Kämpfer haben sich etwas zugewandt, was sie für einen Staat hielten und dem sie nachfolgen wollten. § 25 STAG regelt nicht die Zuwendung zu einem anderen Staat, sondern die Wegwendung von der Bundesrepublik.

Ein weiterer Umstand, der nie vergessen werden sollte, ist der, dass viele der IS Kämpfer zwei oder mehrere Staatsangehörigkeiten haben. Wenn dem so ist, sollte die Bundesrepublik bescheiden beiseitetreten und dem anderen Staat den Vortritt lassen.

Ohne alle Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben, IS Kämpfer in anderen Heimatländern unterzubringen, sollte keiner von ihnen deutschen Boden betreten können.

Es sollte auch rechtlich geprüft werden, dass eine Rückführung nur dann möglich ist, wenn die Betroffenen vorher auf andere als die deutsche Staatsbürgerschaft verzichtet haben.

Die deutschen Behörden sind gut beraten, Druck anderer Staaten auszuhalten und die Bearbeitung der Rückführungen mit Blei an den Füßen vorzunehmen.

Hier läutet die Stunde der Einzelfallprüfung, die zumindest dies beinhalten muss:

  1. Ist der Rückzuführende überhaupt noch Deutscher?
  2. Kann man wegen einer alternativen Nationalität die Rückführung in ein anderes Land gewährleisten?
  3. Wenn das nicht geht, kann man dann von ihm den Verzicht auf die alternative Staatsangehörigkeit verlangen?

So etwas zu prüfen, braucht Zeit. So etwas ist zermürbend. Wenn sowieso klar ist, dass jede Rückführung in Deutschland erstmal mit Untersuchungshaft beginnt, die dann zu einem Prozess wegen (mindestens) Zugehörigkeit an einer terroristischen Vereinigung mündet, dann kann das dazu führen, dass die IS Leute sich freiwillig anderswo niederlassen.

Der Rechtsstaat muss sich an Recht und Gesetz halten, auch denen gegenüber, die offen gezeigt haben, dass sie ihn missachten.

Der Rechtsstaat darf und muss aber auch prüfen, ob eine Berechtigung zur Rückführung vorliegt. Wie viel Zeit er sich dabei lassen darf, ist wieder einer Einzelfallprüfung unterworfen.

Ziel muss jedenfalls sein, jede Möglichkeit zu nutzen, die Rückführung der gefährlichen IS Kämpfer zu verhindern.

Der Rechtssaat ist auch für menschliche Ungeheuer da, aber er muss die übrigen Bürger vor diesen schützen.

 

Ein Fest für die Freiheit

 

Es gibt Juristen, die halten daran fest, dass mit dem allgemeinen Teil des BGB an sich schon alles gesagt sei, Schuldrecht, Sachenrecht, Erbrecht und Familienrecht seien eigentlich nur Auslegungen des allgemeinen Teils für die Doofen, die diesen nicht verstanden haben.

So ähnlich ist es mit dem Grundgesetz. Mit dem Artikel 1 ist an sich schon alles gesagt, der Rest sind zwingende Folgerungen aus der Feststellung „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Das hat gestern das Bundesverfassungsgericht in wunderbarer Weise klargestellt: Digitale Kontrollen von Autokennzeichen „ins Blaue hinein“, sind mit dem Grundgesetz nicht vereinbar.

Es gibt auch das Recht darauf nicht nur unschuldig zu sein, sondern sich auch so zu fühlen und sich frei zu bewegen, ohne dass der Staat davon etwas weiß.

Mancher wird dazu sagen, dass es ihm doch piepe ist, wenn die Polizei sein Nummernschild fotographiert. Es wird sowieso gleich wieder getilgt, da gegen ihn ja nichts vorliegt. Fürchten muss derlei Tun des Staates doch nur der Bösewicht, und das zu Recht. Wo kommen wir hin, wenn verfassungsrechtliche Fisimatenten einen starken Staat behindern?

Zur Erinnerung: Das Grundgesetz soll nicht en Staat vor dem Bürger schützen, sondern umgekehrt, es schützt den Bürger vor staatlicher Übergriffigkeit.

Das Geschwätz des österreichischen Innenministers, wonach Gewaltenteilung gar nicht so wichtig sei, gehört zur täglichen winzigen Dosis Arsen, die als Einzelne nicht nachweisbar ist, in Gänze aber eben doch zum Tod führt.

Wir haben uns angewöhnt, die Verteidigung der Demokratie auf den Staat abzuwälzen. Das heißt den Bock zum Gärtner zu machen, denn der Staat und seine Funktionsstellen können ganz legal usurpiert werden, Beispiel Innenminister Kittl. Auch Hitler ist durch Wahlen an die Macht gekommen.

Die Verteidigung der Demokratie ist die originäre Aufgabe jedes Einzelnen Demokraten. Es laufen auf der Straße und im Staatsapparat genug Leute herum, die ihr eigenes Süppchen zu kochen versuchen oder es bereits erreicht haben dass dieses brodelt..

Gestern hat die Süddeutsche Zeitung ein Interview mit dem Bürgermeister von Köln-Ehrenfeld veröffentlicht. Er heißt Josef Wirges, ist von der SPD und sagt, dass er bei Einbürgerungsfeiern die Bibel und den Koren bereitlegen muss. Und er fragt: „Wenn ich behaupte, was hier drin steht oder da drin steht, sei alles wahr und müsse befolgt werden – was bin ich dann? Na klar, ein Fundamentalist. (…) Alles was unser Leben regelt, steht in einem dritten Buch – im Grundgesetz.“

Ich füge hinzu: Wer behauptet, alles was da drin steht, ist wahr und muss befolgt werden, der ist ein Demokrat.

Das gestrige Urteil des Verfassungsgerichts ist ein Grund zum Feiern. In einer Zeit, in der es Politiker wagen, zu sagen, wenn ihre Partei an die Macht kommt, werde „aufgeräumt“, ist es gut zu wissen, dass wir Verfassungsrichter haben, die der Exekutive genau auf die Finger schaut.

Die Politik holt ihre Macht aus dem Mandat er Wähler und aus dem Imperativ dessen, was in der Verfassung steht.

Warum tust Du Dir das an?

In der Weihnachtspost fielen mir zwei Karten auf, die sich auf meine Schreiberei in facebook bezogen.

In der einen wurde ich gefragt, warum ich mir das antue, ich setzte mich ja auch enormem Widerspruch aus, in der anderen schrieb ein Freund, er amüsiere sich über meine linken Ansichten.

Beide Meldungen nehme ich zum Anlass darzulegen, weshalb ich auf dieser Plattform ab und zu lustige Geschichten schreibe und weshalb ich auch immer wieder Überlegungen zu unseren durch die Verfassung garantierten Grundrechten anstelle.

Die erste Frage ist am leichtesten zu beantworten: Ich schreibe gern, ich unterhalte gern und wenn das gefällt, umso besser. Dann aber wird es schon schwieriger.

Ich bin in einem kleinen Dorf in Unterfranken aufgewachsen. Mein Beiname „der Schloss-Hans“ sagt alles. Dort war die Zeit stehen geblieben und mit ihr die Gedanken und die Zustände. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass ich in einer demokratiefernen Umgebung aufgewachsen bin.

Vom Sozialkundeunterricht im Internat blieb mir eigentlich nur im Gedächtnis, dass der Lehrer, als wird das Justizsystem durchnahmen, sagte: „Passt auf, es könnte sein, dass ihr einmal in die Verlegenheit kommt, zeugen zu müssen.“

Was Demokratie wirklich ist, habe ich erst an der Uni unter der Rubrik Staatslehre I und II gelernt. Ich war beeindruckt und begeistert. Und dann zog ich nach Spanien, wo ich miterleben durfte, wie ein autoritärer Staat zu einer Demokratie wird.

Als ich 2014 nach Deutschland zurückkehrte, merkte ich, dass nicht nur in der Allgemeinheit, sondern auch unter meinen Bekannten, Verwandten und Freunden ein erschreckendes Maß an Unwissen über die Konsequenzen dessen besteht, Grundrechte zu haben. Ich stellte fest, dass der Konsum derselben bereitwillig angenommen wird, es aber offenbar nicht klar ist, dass auch anderen diese Grundrechte zustehen. Um es primitiv zu sagen, mancher denkt, die Grundrechte hätten genau die eigene Schuhgröße, sagen wir 43. Es gibt aber auch Menschen mit Schuhgröße 36 und solche mit 46. Die Grundrechte sind nicht starr, sie sind nicht so, wie es einem passt, nein, sie müssen weit interpretierbar sein, damit sie auch Menschen mit anderer Meinung passen.

Im vergangenen Jahr bin ich mit meinen Beiträgen mehrfach angeeckt.

Ad eins: Religionsfreiheit. Dass diese auch für Nichtchristen gilt, scheint zu erschrecken. Dass der Staat sich aus der Religion heraushalten muss, wird oft nicht verstanden. Die Tatsache, dass Religion Privatsache eines jeden Einzelnen ist, führte zu Widerspruch. Dass die Freiheit, seinen Glauben zu praktizieren, in Deutschland auch für solche Menschen gilt, in deren Heimat Christen unterdrückt werden, führte zu Beleidigungen. Dass das Grundgesetz über dem Glauben steht, wurde negiert.

Ad zwei: Abtreibung: Ich bin dagegen. Dessen ungeachtet aber weiß ich, dass der demokratische Staat gesetzliche Regelungern bereithalten muss, die es Frauen ermöglichen, eine Schwangerschaft abzubrechen, wenn das Austragen neuen Lebens unzumutbar ist. Da wurde sofort geantwortet, ich redete Mördern das Wort. Was Mord ist, entscheidet das Gesetz und die Gerichte, die es anwenden. Man kann, wie ich auch, gegen Abtreibung sein, aber niemandem steht es zu, die Mordkeule auszupacken und damit jede abweichende Meinung und jeden abweichenden Lebensentwurf totzuschlagen. So unverständlich es für Viele klingen mag: Die Notwendigkeit einer gesetzlichen Abtreibungsregelung ist Konsequenz der Menschenwürde.

Ad drei: Migranten. September 2015 war ein Notstand. Die Bundeskanzlerin öffnete damals keine Grenzen, die waren nämlich in der EU eh schon offen. Sie sagte lediglich, dass Deutschland so viele wie irgend möglich dieser Flüchtlinge aufnehmen würde. Das sei Gesetzesbruch gewesen, wurde argumentiert. Seltsamerweise hat sich bislang noch kein deutsches oder europäisches Gericht finden lassen, das das auch so sieht. Dass ich noch dazu die Meinung vertrat, man werde angesichts der demographischen Entwicklung in Deutschland über diesen Zuzug dankbar sein, führte dazu, dass man mir vorwarf, der Islamisierung Deutschlands das Wort zu reden. Es gibt keinen Anspruch darauf, dass Deutschland auf ewig überwiegend christlich geprägt bleibt. Wobei, unter uns, die Angst vor der Islamisierung ist beim derzeitigen Stand der Dinge geradezu lachhaft. Läuft unter der Abteilung Panikmache.

Ad vier: Ehe für alle. Ich finde das gut. Hier haben wir ein Beispiel dafür, dass die Politik sehr spät hat erkennen wollen, dass es mit der Würde des Menschen nicht vereinbar ist, jemanden wegen seiner sexuellen Orientierung zu diskriminieren. Immerhin handelt es sich um eine einvernehmliche Hinneigung zum eigenen Geschlecht. Das ist weder eine Sünde noch ein Defekt, das gibt es, seit es Menschen gibt. Homosexualität schadet niemandem. Ich habe mir sagen lassen, es gäbe heterosexuelle Hinneigungen, die erheblichen Schaden anrichten.

Dies kurz zu meiner Motivation. Sie ist weder links noch rechts. Ich denke, ich sollte da weitermachen, zumal dann, wenn im kommenden Jahr wieder mal jemand politischen, intellektuellen, moralischen oder wissenschaftlichen Dünnpfiff verbreitet.

Das war’s für dieses Jahr. Ich wünsche allen meinen Freunden, Lesern und Gegnern frohe und gesegnete Weihnachten sowie ein gesundes und diskutierfreudiges Neues Jahr.

Ist Missbrauch katholisch?

Nein! Missbrauch hat gar keine Konfession, zumal diese Untat überall vorkommt. Seien es katholische oder evangelische Typen, die seltsamerweise Würdenträger genannt werden, Missbrauch gibt es weltweit, auch in Moscheen, auch in buddhistischen Klöstern, Hindu Tempeln und Synagogen.

In meiner Jugend wurden immer wieder Leiter von Kinderchören wegen Missbrauchs angeklagt. Das zeigt aber nur, dass man sich gegen Kleriker nicht getraut hat, aufzustehen. Fußballtrainer, Pfadfinder, Theaterintendanten, berühmte Dirigenten und Hollywood Größen, alle wurden dabei erwischt. „Würdenträger“ bezeichnenderweise damals noch nicht.

Nun schon. Das macht nachdenklich, denn bei aller Diskussion um die Opfer, deren Entschädigung und über die Zustände, die den Missbrauch in irischen Gemeinden möglich machten; kam manchmal der Eindruck auf, man müsse „Würdenträger“ sein, um für solch abscheuliche Taten prädestiniert zu sein.

Wenn man näher hinschaut, ist es die Autorität, die die Menschen dazu bringt, sich herauszunehmen, anderen Menschen Gewalt anzutun. Homo homini lupus.

Es ist ja nichts Neues, dass von vielen Menschen das Ausleben ihres Sexualtriebes als Waffe zur Unterdrückung anderer, zur Gewalt genutzt wird.

Der Unterdrücker, der Tyrann, der Diktator muss immer in der Machtstruktur, in der Hierarchie über seinem Opfer stehen. Wenn dem nicht so wäre, könnte es ja zu einvernehmlichem Sex kommen, eine Horrorvorstellung für jeden Missbraucher.

Überall dort, wo ein Mann unumstößliche Wahrheiten verkündet, überall dort, wo ein Mann über Karrieren entscheidet, ist Widerspruch nicht geduldet und deshalb ist es für die Opfer schwer, über die Tat selbst zu sprechen oder gar den Aggressor anzuzeigen.

Es sind nicht die Kirche oder die Religion denen man allein die Verantwortung für das Geschehene zurechnen muss.

Schuld sind die Verhältnisse. Natürlich muss es Hierarchien geben, natürlich muss es Vorgesetzte geben. Aber solange die Verhältnisse es zulassen, dass jemand, der aufsteigt, denkt, für ihn hatte das geltende Recht nur sehr eingeschränkt Bedeutung, solange wird es Missbrauch geben. Hinzu kommt, dass das Leben diesen Typen ja sogar Recht gab. Wer hat sich denn gegen fingernde Popen, grapschende Dirigenten und schweinigelnde Produzenten und Vergewaltiger am Arbeitsplatz geweht?

Es ist doch ganz neu, dass die Opfer klerikalen Missbrauchs sich melden und die „Me Too“ Bewegung ist auch noch recht jung.

Natürlich muss von jedem Mächtigen korrektes Verhalten erwartet werden. Aber was passiert, wenn dies nicht eingefordert wird? Er wird übergriffig. Zuerst ein wenig, dann mehr und schließlich merkt er, dass er sich ungestraft alles erlauben kann.

Wenn die Mächtigen denken, sie könnten sich über die Rechte anderer hinwegsetzen, ohne dass das Konsequenzen nach sich zieht, dann ist das ein Strukturproblem unserer Gesellschaft. Dem kann man nur so begegnen, dass allen klargemacht wird, dass das Grundrecht auf Unverletzlichkeit des Körpers, auf Selbstbestimmung etwas ist, das jeder auf den eigenen Fingerspitzen tragen muss.

Wenn „die da oben“ meinen, solcher Firlefanz gelte für sie nicht, dann müssen „die da unten“ in die Lage versetzt werden, ihre Rechte zu verteidigen.

Das beginnt leider oft damit, dass erstmal klar gemacht werden muss, dass jeder Mensch unveräußerliche Grundrechte hat, die sich in dem Satz „die Würde des Menschen ist unantastbar“ zusammenfassen lassen.

Man sollte das Fach Zivilcourage an den Schulen einführen.

Auf dem falschen Bein Hurra geschrien

Man kann dem deutschen Adel Vieles nachsagen, Gespür dafür, im richtigen Moment politisch das Richtige zu tun, gehört jedenfalls nicht zu den weitverbreitetsten Tugenden.

Unterdessen ist es hundert Jahre her, dass die Monarchie, eigentlich waren es ja mehrere Monarchien, in Deutschland abgeschafft wurde. Man könnte daher annehmen, dass auch diejenigen, die mit dem Kaiser fühlten und natürlich deren Nachkommen, unterdessen erkannt haben, dass die neue Staatsform, die Demokratie, allen, auch dem Adel, mehr Freiheit der Entfaltung, der Berufswahl und des Denkens beschert hat.

Wir alle wissen, dass die Weimarer Verfassung unter anderem auch von denen bekämpft und zum Scheitern gebracht wurde, die sich einfach nicht vorstellen konnten, dass ein Staat, wenn er nicht von der Aristokratie regiert wird, überhaupt funktionieren kann. Aristokratie ist griechisch, und heißt „Regierung durch die Besten“. Wollen wir milde sein, und der Sache nicht auf den Grund gehen…

Die Nazis hatten erheblichen Zulauf durch den Adel. Viele erhofften sich die Restauration der Monarchie, hofften wieder in Amt und Würden zu kommen und sahen dabei darüber hinweg, dass die Nazigrößen allesamt das waren, was man in den Schlössern des Landes hhhundsordinär nannte. Auch der Adelige Ribbentrop war ja eigentlich nicht vorzeigbar, handelte es sich bei ihm doch um einen gescheiterten Vertreter für Schaumwein.

Der deutsche Adel, mit wenigen umso rühmlicheren Ausnahmen, biss in den sauren Apfel und schloss sich dem Nationalsozialismus an, und dies, obwohl man diese Kerle unmöglich zum Tee einladen konnte. Nazis klopften an offene Türen, leckten das Messer ab und hatten auch sonst keine Manieren. Aber sie verhießen etwas: Deutschland wird wieder groß und mit ihm, die, die früher einmal groß waren. Da konnte man durchaus Hurra schreien.

Es gab ja auch die sogenannten „anständigen Nazis“. Denen konnte man, so dachten viele, folgen. Als diese schon bald kaltgestellt waren, oder resigniert hatten, war es zu spät.

Wer der Partei nicht beitrat oder gar austrat, hatte mit schweren Benachteiligungen zu rechnen, das ging beim landsässigen Adel über schlechte Zuteilungen an Saatgut oder, man stelle sich das vor, plötzlich gewannen die Schafböcke aus eigener Zucht keine Preise mehr.

Der militante Antisemitismus, war zwar unschön, aber latent war man schon immer gegen die Juden gewesen und wo gehobelt wird… Man redete sich das Unsägliche schön, zumal dann, wenn die eigenen Söhne auf dem Felde der Ehre nicht nur das Vaterland verteidigten, sondern dafür auch noch das Leben ließen. So konnte man verdrängen, dass die damals fast noch Kinder für ein verbrecherisches System starben. Die Orden der Unglücklichen liegen heute noch in Truhen und Barockkommoden.

Man müsste diesen Artikel nicht schreiben, gäbe es nicht erschreckende Parallelen zur Jetztzeit:

„Beatrix von Storch ist ja schließlich als Prinzessin geboren, anständiges Haus. Das ist doch eine Referenz und der Gauland zieht sich an wie ein schottischer Lord, der klopft bestimmt nicht an offene Türen.“

Die politische Akzeptanz fußt nicht auf dem Inhalt, sondern darauf, ob man sich über „den Benimm“ mit der Person identifizieren kann. Wenn das gesichert ist, spielt es nur noch eine untergeordnete Rolle, ob die Dame Storch an der polnischen Grenze auf Flüchtlinge schießen lassen will.

Konservatives Denken ist ein Synonym für den Adel. Da ist ja auch gar nichts dagegen einzuwenden.

Es wundert und schmerzt mich aber ungemein, mit ansehen zu müssen, wie ganz viele Adelige, die im Normalfall eine gute Bildung genossen haben, schon wieder auf dem falschen Bein Hurra schreien, weil sie im Ultrakonservativismus ihr Heil wähnen.