Vererben

Vererben

Nach spanischem internationalem Privatrecht richtet sich das materielle Erbrecht, d.h. wie wird geerbt und wer erbt, nach dem Erbrecht der Nationalität des Verstorbenen. Die Erbschaftssteuern aber richten sich nach den spanischen Steuergesetzen.

Wer erbt wie? Das richtet sich nach dem Testament und im Falle seines Fehlens nach den gesetzlichen Regeln des Landes dessen Nationalität der Verstorbene hatte. In Spanien wird immer geraten, ein spanisches notarielles Testament zu machen. Das ist der schlechteste Rat, den man geben kann.

Ein spanisches Testament muss vor dem Notar in spanischer Sprache abgegeben werden. Nacherbenregelungen gibt es nicht, das Institut des Erbvertrages fehlt ganz, zudem macht die notarielle Form die Sache schwerfällig.

Nach deutschem Recht ist ein Testament gültig, wenn es die folgenden Bedingungen erfüllt: Handgeschrieben Eigenhändige Unterschrift Ort Datum Aufgrund dieses Testamentes wird in Deutschland ein Erbschein ausgestellt, der mit der Apostille (int. Überbeglaubigung) versehen in Spanien klarstellt, wer Erbe geworden ist.

Wer einmal in Spanien ein Testament gemacht hat, wird danach, sollte er es außerhalb Spaniens geändert haben, stets Probleme haben, weil es in Madrid im Zentralregister für Testamente gelagert, und beim Erbgang unweigerlich wieder zutage gefördert wird.

Es ist in der Regel sehr schwer, den spanischen Behörden klarzumachen, dass ein späteres, womöglich handgeschriebenes Testament mehr wert sein soll, als die geheiligte „Escritura de Testamento„. Aber auch hier gilt: Jeder Fall ist ein Einzelfall, Beratung kann nicht schaden. Wieviel Erbschaftssteuer fällt an? „Vorsicht, die spanische Erbschaftssteuer ist horrend hoch!“ Falsch, sie beläuft sich im Normalfall unter Verwandten zwischen 10 und 20% des Wertes.

Wahr ist allerdings, dass es im spanischen Steuerrecht nur sehr geringe Freibeträge gibt. Manche verfallen deshalb aufs Verschenken zu Lebzeiten, da gibt es allerdings gar keine Freibeträge bei sonst gleicher Steuer.

Die normale Erbschaftssteuer verdoppelt sich, wenn der Erbe mit dem Erblasser weder verwandt noch verheiratet ist. Das ist besonders bitter für die zahlreichen unverheirateten und/oder gleichgeschlechtlichen Paare auf den Inseln.

Die Last der Erbschaftssteuer kann etwas gemildert oder zumindest zeitlich verteilt werden, wenn der Erbe schon zu Lebzeiten des Erblassers das Eigentum erhält, Letzterer sich das lebenslange Niessbrauchsrecht an der Immobilie vorbehält und dies so im Grundbuch festgehalten wird. Konkrete Abwicklung bei Todesfall: Kommt es zum Erbgang, muss die Sterbeurkunde nach Madrid zum Zentralregister für Testamente geschickt werden.

Wird dort ein spanisches Testament gefunden und kein späteres ausländisches vorgelegt, gilt das dort gefundene Testament. Ist in Spanien kein Testament registriert, gilt der ausländische Erbschein.

Die Erben müssen sodann vor einem spanischen Notar die Erbschaftsannahmeerklärung abgeben, die Erbschaftssteuer bezahlen und für den Grundbucheintrag sorgen (lassen).

Insgesamt ist das Erben ein schwieriger Vorgang, weil ein schrecklicher Papierkrieg zu führen ist, was zur Folge hat, dass meist die Frist von 6 Monaten zur Bezahlung der Erbschaftssteuer nach dem Tod des Erblassers nicht eingehalten werden kann und es zu Säumniszuschlägen kommt. Wird die Erbschaft allerdings erst 5 Jahre und 6 Monate nach dem Erbfall angenommen, ist der Anspruch des spanischen Fiskus auf Zahlung der Erbschaftsteuer verjährt.

Nachteil daran: Solange die Erbschaftsannahmeerklärung nicht abgegeben wurde, kann über das Erbgut nicht verfügt werden.

Ein Gedanke zu „Vererben“

  1. Die Verjährung ist nicht 5 sondern 4 Jahre und beginnt bei Todesfall in Spanien nach 6 Monate ab Todestag zu laufen und bei Tod im Ausland ab Erbannahmeerklärung vor dem Notar (s. entsprechender Gerichtsentscheid). Die Verjährung kann auch unterbrochen werden bzw. stillstehen. Mit kollegialen Grüssen Ph. Novak (Denia)

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