Meinungsfreiheit wie sie Peter Weber meint

In den sozialen Medien treibt sich schon seit Längeren Peter Weber herum. Dieser Herr, so hat es den Anschein, gehört zu denen im Land, die bei der Verteilung von Wohnstand mehrmals die Hand aufzuhalten pflegen. Ob er mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurde, oder ob er sich seine Maßanzüge aus eigenem Tun leisten kann, ist mit unbekannt. Jedenfalls kommt er sehr schick und eloquent herüber.

Zunächst hat er immer wieder mal etwas gepostet, um sich mit seiner Sicht der Dinge in die Diskussion einzumischen. Ich fand das gut, weil es gut ist, Meinungen auszutauschen, auch und selbstverständlich dann, wenn diese Meinung nicht die Meine ist.

Wenn alle die gleichen Ansichten hätten, müsste man die eigene ja erst gar nicht publik machen.

Nun hat Peter Weber unter dem Titel „Hallo, Meinung“ eine Plattform im Internet aufgemacht, auf der jeder der das will, seine Meinung sagen kann.

Herausgekommen sind kuriose Beiträge, die seltsamerweise fast immer mit dem konform gehen, was Herr Weber auch schon gesagt hat. Nur, und das ist erstaunlich, die Protagonisten dieser Beiträge sind sämtlich ungeübte Redner. Das ist ja auch ihr gutes Recht. Der offenbar nicht ungewollte Nebeneffekt ist, dass Meister Weber bei diesem Procedere als Lichtgestalt der Eloquenz rüberkommt. Dass er das „sch“ oft nicht aussprechen kann, spielt da schon keine Rolle mehr.

Nun hat Don Pedro eine Weihnachtsansprach bei „Hallo Meinung“ eingestellt. Es heißt, sie sei bewegend, kein Wunder, er titelt ja selbst auf seiner Plattform.

Aber was sagt er in seiner Ansprache? Zunächst freut er sich über den Erfolg seiner Meinungsseite. Nicht nur der deutschsprachige Raum, auch Leute aus den USA, den Philippinen, Australien und Neuseeland machten mit.

Und dann sagt er, er hätte nicht gedacht, dass er sich einmal in der Bundesrepublik Sorgen um die Meinungsfreiheit machen müsse. Es werde immer schwerer, das zu sagen, was man denke.

Komisch, der sagt doch grad seine Meinung und Leute aus dem deutschsprachigen Raum, den USA, den Philippinen, Australien und Neuseeland unterstützen ihn dabei, indem sie ihre Meinung sagen.

Es ist wirklich beängstigend, wie immer wieder etwas getan wird, und gleichzeitig davor gewarnt wird, dies bald oder bereits nicht mehr tun zu dürfen. Sozusagen ein letzter Aufschrei, bevor der Kiosk zugemacht wird.

Aber wie ist das mit der Meinungsfreiheit eigentlich? Früher brauchte man ein Medium, um diese verbreiten zu können. Man musste Journalist sein, oder einen Verleger haben, sonst hatte die eigene Meinung über den Rand des Stammtisches hinaus keine Wirkung. Die Freiheit der Meinung war gegeben, an ihrer Verbreitung aber haperte es.

Heute ist es anders. Nie war es so einfach, seine Ansichten im deutschsprachigen Raum, den USA, den Philippinen, Australien und Neuseeland so schnell, so kostenlos und so effizient zu verbreiten wie jetzt. Die sozialen Medien erlauben es jedem das, was vorher Stammtischweisheiten waren, in alle Welt hinauszuposaunen… und gleichzeitig zu behaupten, die Meinungsfreiheit sei in Gefahr.

Sagt mal, für wie doof hält uns dieser Peter Weber eigentlich?

Womöglich habe ich ihn aber auch nur falsch verstanden, denn klar ist ja, dass je mehr Meinung er verbreitet, desto mehr Menschen werden sich melden, um zu sagen, dass sie nicht seiner Meinung sind.

Das nennt man übrigens Meinungsfreiheit.

 

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