Die tun was!

Donald Trump ist mir unsympathisch, Victor Orban ist mir unsympathisch, Wladimir Putin ist mir unsympathisch, Sebastian Kurz ist mir unsympathisch, Marcus Söder ist mir unsympathisch.

Alle, und noch ein paar Gesellen mehr, machen Politik, die ich für gefährlich und falsch halte, einer etwas mehr, der andere etwas weniger.

Aber, und das kann ihnen niemand abstreiten: Sie tun was. Und indem sie etwas tun, bewirken sie was. Sie sind präsent, werden von ihren Völkern geachtet und gewählt, so hofft zumindest Söder.

Nun haben wir in Paris einen jungen Präsidenten Macron sitzen, der seit Monaten einer Loreley gleich auf dem Felsen sitzt uns Lockrufe nach Berlin aussendet. Zunächst konnte Berlin nicht antworten, da manövrierunfähig, und dann, als das Ruder wieder funktionierte, hat es bis zu diesem Wochenende gedauert, bis die Kanzlerin sich zu einem „ja, aber“ durchringen konnte.

In Italien droht eine eurofressende Regierung, in Russland erstarkt ein Despot, in Ungarn macht der Victor, was er will, in Wien legt sich die ÖVP mit den Rechten ins Bett und der Trump, der setzt alles auf‘s Spiel was einem aufrechten Atlantiker seit einem dreiviertel Jahrhundert heilig war.

In einer solchen Situation hat man als Bundeskanzlerin die Pflicht, zupackend neue Allianzen zu schmieden und/oder bestehende auszubauen und sie manövrierfähig zu halten.

Macron erwartet sicherlich nicht, dass seine Vorschläge in der EU eins zu eins verwirklicht werden können.

Aber da haben wir mal jemanden, der Vorschläge hat! Alles schaut gebannt darauf, was die zweite starke EU Nation dazu sagt, und dann kommt ein verzagten „ja, aber“.

Frau Merkel hatte das Glück, bisher damit in einer ihrem Meister Kohl abgeschauten Politik des Aussitzens durchzukommen.

Bröckelnde Allianzen aber kann man nicht aussitzen! Hier ist „Action“ gefragt, und die lässt die Kanzlerin in beklagenswerter Weise vermissen.

Es hat eben schon was Gutes, wenn die politischen Mandate zeitlich beschränkt werden. Nach zwei Legislaturperioden ist Schluss.

Nicht dass ich es der Kanzlerin nicht gönne, vier Mal im Amt bestätigt zu werden. Der Grund dafür, dass die Mandate ein Verfallsdatum haben müssen ist die Dankbarkeit.

In all den Jahren hat Merkel natürlich aus Richtiges und Gutes vollbracht. Und da denkt dann der Wähler, man müsse sie doch wieder wählen, alles andere wäre undankbar.

Sind Sie Ihrem Taxifahrer dankbar? Verdient Ihr Klempner Elogen? Nein, das sind Professionelle, die ihre Arbeit machen und dafür entlohnt werden.

Genauso ist es mit Politikern. Die sollen ihre Arbeit machen, dafür werden sie von uns bezahlt. Dankbarkeit hat in der Politik nichts zu suchen.

Ich stelle fest, Frau Merkel ist derzeit überbezahlt. Sie macht nichts. Dabei wäre gerade jetzt Handeln am Platze!

Ihr Nichtstun bewirkt, dass das tumbe, verantwortungslose, effekthascherische Tun der oben genannten Unsympathslos von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Diese Aufmerksamkeit hätten sie nicht, wenn Paris und Berlin endlich wieder an einem Strang zögern.

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