Sorge um den Euro

General de Gaulle hat gesagt, Staaten hätten keine Freunde, Staaten hätten Interessen. Das ist ja auch richtig, solange sie keine gemeinsame Währung haben. Der Euro hat die Europäer nun wirklich nicht zu Freunden gemacht, sie sind allerdings erheblich mehr voneinander abhängig, als dass jedes Land seinen partikularen Interessen frönen könnte.

Wahrscheinlich ist es ein Geburtsfehler des Euro, dass er seinen Mitgliedsländern zu viel haushaltspolitische Autonomie gewährt. Jeder macht seine Schulden allein, jeder kurbelt seine Wirtschaft an wie er will, oder auch nicht, jedenfalls wie er will. Das hat jedes Land solange getan, bis es in Bedrängnis kam.

Dann auf einmal griff Brüssel ein, Sparpläne mussten befolgt werden, Auffangkredite gab es nur noch mit Vorbehalten und jeder, der sehen und denken kann, wähnt dahinter die starke Hand der Bundesregierung.

Noch nie war Geldgeber so unbeliebt, wie es zur Zeit Deutschland ist.

Wie das denn?

Jeder, der sehen und denken kann, versteht, dass Deutschland der Hauptnutznießer der Eurozone, des europäische Binnenmarktes und der ganzen EU ist. Natürlich zahlt Berlin die höchsten Nettobeiträge in die EU Kasse. Das passiert ja nicht nur aus überschäumender Liebe zu unseren europäischen Brüdern und Schwestern, vielmehr ist das der schiere Eigennutz. Das viele Geld fließt ja wieder zurück nach Deutschland, denn ohne die Mittel, die von Berlin via Brüssel in die EU Länder fließen, könnten diese nicht die Erzeugnisse der deutschen Industrie kaufen.

Der Erfolg ist, dass Deutschland wirtschaftlich bombig dasteht, von den Rating Agenturen über den Schellen Ober gelobt wird, sich daher billig finanziert und die Gelder dann teuer weiterverleihen kann. Deutsche Banken haben aus der Griechenland Krise erheblichen Profit gezogen.

Wenn man den Euro ausschließlich im Bezug auf die deutsche Wirtschaftsleistung ansieht, dann ist er unterbewertet. Wieder profitiert Deutschland, denn nur so kann es seine Waren zu Preisen verkaufen, die seine Europartner bezahlen können.

Kehrte Deutschland zur DM zurück, würde deren Wert im Bezug zu den anderen europäischen Währungen rasant nach oben springen und plötzlich wären Waren aus anderen Ländern konkurrenzfähig, die es derzeit schwer haben.

Wie aber soll ein gemeinsamer Markt funktionieren, in dem wenige Partner vor Kraft nicht laufen können und andere wegen der drückenden Schuldenlast den Hintern nicht hochkriegen?

Ab jetzt kommt die Psyche in Spiel, denn es geht um die Vergemeinschaftung der Schulden.

Griechenland, Italien, Spanien, Portugal. Irland hat man über Jahre hinweg Schulden machen lassen. Es waren nicht zuletzt deutsche Banken, die dorthin Geld geschaufelt haben, wohlwissend, dass es zum großen Teil wieder in die Kassen ihrer deutschen Industrieklientel fließen würde.

Aber: man kann das Kind nicht erst mästen und es dann zu einer Abmagerungskur verdonnern, weil der Bub so blöd war, das ganze Zeug in sich hineinzustopfen.

Deutschland ist an der Eurokrise elementar mit Schuld und hat vom Elend anderer profitiert. Wenn jetzt die Vergemeinschaftung der Schulden als Satanswerk hingestellt wird, so ist das verlogen, verantwortungslos und schädlich.

Die hierzu benutzte Melodie ist immer die gleiche: „Die faulen Südländer wollen, dass wir ihnen Wein, Weib und Gesang samt Siesta und Sirtaki finanzieren“.

Das kann jeder verstehen, will jeder verstehen und das bringt Erfolg an den Wahlurnen.

Dabei ist die Sache anders: Es steht im Interesse des Staates Deutschland, seinen europäischen Partnern nicht schulmeisterlich zu kommen, sondern helfend. Das bedeutet letztlich einen kontrollierten Schuldenschnitt.

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