Die Ziegenherde ist legal

Die Ziegenherde ist legal.

Wir waren gerade von Ibiza nach Mallorca umgezogen, da rief mich ein befreundeter Anwaltskollege aus München an. Sein Spanisch sei halt jetzt doch etwas eingerostet.

Ein Klient wolle ein größeres Landgut auf Mallorca kaufen und ich solle doch bitte bei den Verhandlungen dabei sein, man wisse ja nie.

Man traf sich auf der Terrasse eines wunderschönen Landhauses zu Füssen der Tramontana, alter Baumbestand, ganz in der Ferne ahnte man das Meer.

Die Verkäufer waren ein knappes Dutzend Geschwister, deren Vater, ein sehr erfolgreicher mallorquinischer Unternehmer, gestorben war. Zwei der Geschwister waren erschienen, beides bekannte Anwälte aus Palma. Dokumente hatten sie nicht mitgebracht, aber erklärten, dass das Grundstück bis etwa dort oben von dem großen Baum links bis zur Felsnase rechts ginge. Im Grundbuch stünden 200 Hektar, es seien aber mehr, möglicherweise 400 oder mehr. Es genau festzustellen, sei nicht ratsam, die Steuern, Sie verstehen? Ja, und das alte Bauernhaus, das sei tatsächlich im Grundbuch eingetragen, aber das Haus, auf dessen Terrasse wir säßen, nein, nein, das sei nicht eingetragen, das würde ja Steuern kosten.

Wir wurden durch das wirklich sehr herrschaftliche Haus geführt, es werde alles mit verkauft, denn die Stadtwohnungen heutzutage seien viel zu klein für diese riesigen Schränke, Kommoden und Sitzecken. Über einer derselben hing ein riesiges Stillleben eines niederländischen Malers. „Wir glauben es ist ein Vermeer“. Ob das offenbar wertvolle Bild denn versichert sei, fragte einer. „Nein, um Gottes Willen, dann hätte man ja wegen des enormen Vermögenswertes Steuern zahlen müssen. „Wir ziehen es vor, das Bild mit dem Haus zu übergeben, die Nachforderungen des Fiskus würden uns ruinieren. Das gilt übrigens auch für die anderen Originale im Haus“.

Ich verstehe nicht genug von Kunst, um feststellen zu können, ob ein Bild echt ist oder nicht, zumal dann, wenn man in jedem Salon und in jedem Schlafzimmer von einem weiteren Schinken erschlagen wird.

Die Preisvorstellungen der Verkäufer waren galaktisch, denn schließlich müsse man ja unter einem knappen Dutzend Schwestern und Brüdern teilen.

Zu meinem Erstaunen akzeptierte der frohgemute Käufer den Preis anstandslos und fragte, ob denn das in der Mühle gewonnene Öl verkauft werden könne. Nein, wurde er beschieden, das Gewerbe sei nicht angemeldet, wegen der Steuern, das sei doch nachvollziehbar.

Ich ahnte unterdessen Schreckliches und fragte, wie denn der enorme Kaufpreis, man zahlte noch in Peseten, entrichtet werden solle. Der bisher schweigsame der beiden Brüder sah mich an, als sei ich gerade vom Mond gefallen: „10% beim Notar, der Rest vorher in DM bar“ blaffte er mich an.

Nach dem ich dem Käufer und seinem Anwalt versichert hatte, dass er das wirklich so gesagt habe, fasste der Kollege aus München zusammen:

„Mein Mandant kauft also ein Landgut, dessen Größe unbekannt ist. Das Herrenhaus existiert nicht, ebenso die darin enthaltenen Kunstgegenstände, die landwirtschaftliche Produktion kann auf dem regulären Markt nicht verkauft werden und ein Betrag in einstelliger Millionenhöhe im DM soll bar, also schwarz bezahlt werden!“

Es war eher eine rhetorische Frage gewesen, die er anschloss: „Was an dieser Finca ist denn überhaupt legal?“ Wie aus der Pistole geschossen antwortete der Schweigsame: „Sehen Sie diese schwarzen Ziegen? Das ist eine autochthone Rasse Mallorcas. Diese Herde, es sind etwa 200 Tiere, ist angemeldet, denn dafür gibt es Subventionen aus Brüssel.

Hier brach der Münchner Kollege die Verhandlungen ab, kratzte sein übriggebliebenes Spanisch zusammen und sagte: „Die öffentliche Hand ist nicht nur dazu da, gemolken zu werden Wir gehen!“

Die beiden Brüder schauten uns zunächst verblüfft an, und als wir schon aufgebrochen waren, schimpften sie uns hinterher: „Dann verkaufen wir eben an die Russen, sind nicht so pingelig wie die deutschen Quadratschädel!“ Ein galliges „mierda“ rundete die Kanonade ab.

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