Falklandkrieg in San Antonio

Bauvorschriften werden nach den Erfordernissen des Landes erdacht, in dem sie angewendet werden sollen. Das kann fatale Folgen haben. Ein Spanier ist im Normalfall nicht so groß wie ein Schwede. Und so kam es, dass Ende der 70er Jahre schwedische jugendliche Urlauber reihenweise über die Balkonbrüstungen in die gähnende Tiefe fielen und das nicht überlebten.

Es kam zu einer regelrechten Kampagne gegen den Ferienort San Antonio Abad (damals hieß er noch so). Sogar das schwedische Parlament riet den Eltern des Landes, ihren Kindern Reisen nach San Antonio, ja überhaupt Ibiza, zu verbieten.

Die Schweden fielen natürlich nicht einfach so von den Balkonen, sie waren halt sturzbesoffen. Ich habe mit eigenen Augen Nordländer und Nordländerinnen gesehen, die auf allen Vieren durch die Straßen des Ortes krochen.

Und dann blieben 1981 tatsächlich die Schweden aus, die Hotels und insbesondere die Appartementhäuser blieben leer, es kam kein Geld herein, Abhilfe tat Not.

Man besann sich nun der Engländer, die in ihrer Mehrzahl nicht langbeinig und dünn sind, sondern kurzbeinig und pummelig. Bei denen liegt der Schwerpunkt tiefer, die kippen nicht so schnell über die Reling.

Und tatsächlich kamen im Jahr 1982 ungezählte junge Briten nach San Antonio, die dort herzlich willkommen geheißen wurden. Als man feststellte, dass diese neuen Gäste mindestens so viel saufen wie die Schweden, brach Jubel aus, man war glücklich und die Kassen klingelten.

Dann aber brach der Falklandkrieg aus!

Man könnte annehmen, dass das keine Auswirkungen auf der Ferieninsel Ibiza gehabt hätte.

Weitstfehlung!

Wahrscheinlich war es nicht gerade so, dass die britischen Touroperators damals gleich zu Anfang nur Hochschulabsolventen nach San Antonio geschickt hatten. Die Welle des Stolzes auf „our boys in the army“ paarte sich mit Alkoholkonsum und unzureichenden geographischen Kenntnissen.

Argentina or Spain, there is no bloody diference. They speak spanish, so they are all the same, for hell’s sake. (Damals gebrauchte man das f-Wort noch nicht so häufig)

Es war erschreckend. In der Calle Santa Inés, die mit der damals weltweit größten Kneipendichte, kam es zu Straßenschlachten. Jeder der auch nur spanisch aussah, jeder Kellner, jeder Polizist, jede Verkäuferin auf dem Heimweg, sie alle waren ihres Lebens, zumindest aber der Unversehrtheit ihres Körpers, nicht mehr sicher. Gläser flogen, Flaschen flogen, Stühle flogen, und natürlich flogen die Fäuste.

Exilargentinier polkten die nostalgischen Hinweise an die Heimat vom Auto und jeder, der nicht akzentfrei Cockney sprach, mied die Kampfesstätte.

Die spanischen Ordnungskräfte waren buchstäblich nicht mehr Herr der Lage. Jedes Mal, wenn „la Thatcher“ den Journalisten ihr berühmtes „rejoice“ zurief, „rejoicten“ ihre Landsleute auf den Straßen, Bars und Plätzen von San Antonio.

Schließlich schickte London ein paar Bobbies. Viel hielten die Einheimischen nicht davon: „Die sind unbewaffnet, auf die hören die Banden ebenso wenig wie auf unsere Polizisten.“

Tatsächlich aber half deren Anwesenheit erheblich bei der Befriedung der Szenerie. Offenbar kann ein Brite noch im Vollsuff und noch in Vollwut die Silhouette eines Bobbies ausmachen und dann klickt es im Hirn – irgendwie.

Glücklicherweise ging der Alkoholkonsum dessen ungeachtet nicht zurück, sonst hätte man sich schon wieder neue Touristen suchen müssen.

Briten sind ja auch im Grunde nur tiefergelegte Schweden.

 

Dürfen Engel Farben tragen?

Eine von mir sehr geliebte Patentante schenkte mir zu jedem Weihnachtsfest einen weiteren Band der „Stuttgarter Bilerbibel für das christliche Haus.“ Viele Bilder haben mich natürlich mein ganzes Leben begleitet, so der Durchzug der Kinder Israel durch das Rote Meer, Moses im Körbchen auf dem Nil und der liebe Gott als bärtige Gestalt, die aus den Wolken hervorbraust.

Am eindrücklichsten aber waren die Bilder von Johannes dem Täufer bis zur Geburt Christi. Die Raben, die Brot brachten, der Kopf des Predigers, den man Salomé auf einem Teller reicht, die Verkündigung der Geburt und schließlich die Szene im Stall.

Ich war daher überhaupt nicht erstaunt, als ich neulich in der alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel Schnorr von Carolsfelds Verkündigung fand.

Das Bild hat alles, was es braucht: Maria senkt den Blick züchtig, sie liest gerade im Ratgeber „Proper Housekeeping for Unmarried Girls“. Hinter ihr eine arkadische Landschaft, die sich deutlich von den Bildern unterscheidet, die uns in der Tagesschau vom Heiligen Land gezeigt werden. Zwischen ihr und dem Engel steht ein filigraner Blumenstrauß, der etwas symbolisieren soll, nach dem Motto: „Na, wie ick den Landen hier kenne, wird es die unbefleckte Empfängnis sein.“

Der Verkündigungsengel stürmt auf sie zu, die Bänder, die ihn gürten, flattern hinter ihm, wie die Striche bei Walt Disney, die Geschwindigkeit andeuten sollen. Wenn er nicht gleich abbremst, zerdeppert er die Vase und Maria muss in ihrem Buch nachschlagen, wie man das Malheur beseitigt. Zwei nach unten gewölbte Finger deuten an, dass er etwas Wichtiges zu sagen hat.

Über allem der Heilige Geist – la paloma blanca. Man weiß nicht, stürzt sich der Vogel auf den Inhalt der Gefäße auf dem Bord oder rüttelt er falkengleicht über der Szene?

Alles wirkt sehr mediterran, es könnte auf einer „possessió“, einem Herrenhaus auf Mallorca spielen.

Doch halt: Was ein rechter Engel ist, der hat auch Flügel, und die Flügel dieses Engels sind schwarz-rot-gold. Was soll das denn?

Das Bild entstand 1820. Der Schrecken, die Furie Napoleon war bezwungen, erst ein Jahr später starb „L’Empereur“ auf Sankt Helena.

In Europa begann die Jugend darüber nachzudenken, was denn nun werden solle. Nachdem sie unter größten Verlusten in den Befreiungskriegen den Kopf hinhalten durfte, stellte man nun resigniert fest, dass es eine Befreiung zu den Zuständen vor 1805 geworden war. Metternich überzog das Land mit einem Spitzelnetz, um das ihn Erdogan beneiden würde. Freies Denken war möglich, freies Sprechen schon erheblich weniger, freies Publizieren ging gar nicht.

Natürlich war die Jugend der deutschen Kleinstaaterei müde. Das führte zu ständigen Kriegen gepaart mit lähmender Provinzialität.

Der Gedanke der deutschen Einheit durfte gedacht werden aber unter keinen Umständen durfte er artikuliert werden. Erst beim Hambacher Fest, zwölf Jahre später, wagte man es, Fahnen in schwarz-rot-gold zu schwenken.

Wenn aber Schnorrs Verkündigungsengel diese Farben auf den Flügeln trug, dann bekam der Begriff „Verkündigung“ eine ganz neue Bedeutung und jeder verstand sofort, weshalb es der Engel so eilig hatte.

 

Pour l’honneur de la France!

Mein Bruder hat schon gegen alles demonstriert, jetzt aber demonstriert er für etwas, für Europa. Offenbar ist die Erfahrung, für etwas zu sein, erheblich glückhafter, als gegen etwas zu sein. Und es ist witziger, sagt er.

Dass das stimmt, beweist diese Geschichte, die meine Schwester am vergangenen Sonntag auf dem Gendarmenmarkt erlebt hat.

Europafahnen werden geschwenkt und verschiedene, mehr oder weniger bewegende Redner stehen am Mikrophon. Dann wir angekündigt, ein Paar werde von den Fährnissen der Integration in Europa berichten.

Vorne steht nun ein Mann mittleren Alters, der sagt, er komme aus Mecklenburg und er habe ein Jahr nach dem Mauerfall eine Französin geheiratet. „Weitere Intimitäten aus unserer Familie wird nun meine Frau berichten.“

Diese beginnt mit „Bon jour, Berlin!“. Da hat sie den Platz schon in die Tasche gesteckt, ihren französischen Akzent lieben alle und applaudieren entsprechend.

„Vor siebenundszwanzisch Jahren fand das erste Treffen zwischèn meine Eltèrn und denen meines Mannès statt. Isch war sèhr besorgte.“ Der Platz lacht.

„Meine Eltèrn wussten nischt, dass man in der DDR nackt badete. Für meine Eltèrn, Bandanzug de rigeur. Nur in Saint Tropez und Antibes gab es oben ohne. Aber das machten nur die Teutons, dégueulasse!

Wir fuhren an einen sèhr schönnen See in Mecklembourg. Mein Schwiegervatèr zog sich aus und lief ins Wassèr. Meine Eltèrn waren entsetzt. Un ange passait, es war einige Sekundèn vollkommen still. Isch war überzeugt, dass isch meinèn Pètèr nie würde heiraten könnèn. Dann: mon père zog aus die Badehosè. Totalement nu! Er rief laut <pour l‘honneur de la France!> und sprang ins Wasser. Maman zögerte kurz, dann wand sie dem Oberteil um die Kopf, rief <Pour la liberté de la femme française!> und folgte ihrem Mann. Beide sèhr conservateurs. Isch konnte mein Pètèr heiraten. Et voilá, das ist für misch L’Europe.“

Beifall brandete auf und wollte gar nicht wieder enden. Sektflaschen wurden geköpft und im Zeichen der überflüssigen Badehose fand eine allgemeine Verbrüderung auf dem Gendarmenmarkt statt.

Nicht umsonst heißt es in der Ode „An die Freude“, die es immerhin zur Europahymne gebracht hat:

Deine Zauber binden wieder

Was die Mode streng geteilt

Alle Menschen werden Brüder

Wo dein sanfter Flügel weilt

Antiquitäten in Bamberg

Meine Eltern waren große Sammler von Antiquitäten. Ich nehme an, dass die heutigen Antiquitätenhändler in Bamberg lachen würden über die Umsätze, aber die Zeiten waren damals andere und der Kunstmarkt auch.

Es gab in der Karolinenstraße und Umgebung einfach noch nicht so viele Händler und deren Angebot war bescheidener und deutlich säkularer.

Ich erinnere mich an „den Senger“ und an „den Wenzel“. Zu beiden hatte besonders mein Vater ein inniges Verhältnis, was darauf beruhte, dass man sich gegenseitig mit „Sprüch“ zudeckte.

Einmal standen wir vor dem Senger und mein Vater erzählte uns irgendetwas. Dann betraten wir den Laden, wo uns Herr Senger mit den Worten begrüßte:

„Ich hab scho g´sehn, wie Sie draussn gstanna sen und gsecht ham: <Etsert geh mer nei und ärchern den Senger>“.

Genau so war es auch, denn mein Vater verkroch sich in einen Barockschrank und als er wieder daraus hervorkam, meinte er nur: „Da habt ihr aus einem zwei bis drei gemacht!“

Das stritt Herr Senger natürlich vehement ab und beim Rausgehen verabschiedete sich mein Vater mit den Worten: „Was den Dritten angeht, glaube ich Ihnen.“

Im Wenzel´schen Antiquitätenladen bot er einmal dem Besitzer an, ihm seine Flinte zu leihen, weil die Holzwurmlöcher stammten ja wohl von „Schrödn“, aber da hätte wohl jemand dilettantisch auf die Rokokokommode geschossen.

Man liebte ihn wegen der Käufe aber man hassliebte ihn wegen der „Sprüch“.

Bei uns Kindern war es umgekehrt, denn wir sahen diesen Antiquitätenfimmel äußerst kritisch. Immer wenn wir neue Ski brauchten, hieß es, dazu seien gerade die Holzpreise zu schlecht. Für ein Tässchen hier und ein Silberbesteck da reichte es allerdings immer und deshalb nannten wir die herumstehenden Antiquitäten „die Paar Skier“.

Die Eltern machten das Spielchen mit. Nicht selten kamen sie aus Bamberg zurück und verkündeten, sie hätte wieder mal Skier gekauft.

Am liebsten gingen sie zur „alten Gürtlerschen“. Frau Gürtler war eine echte Fränkin und führte einen, wie sie es nannte, Antiquitätenhandel, es war wohl eher ein Trödelladen. Immerhin gab es dort „Trouvaillien“, und deshalb besuchten sie die Eltern oft.

Wenn ein Stück selbst in den Augen von Frau Gürtler zweifelhaft war, dann wog sie es in der Hand und sagte: “Des Ding is ned andigg, des is höxdens andünn.“

Mein Vater war, wie er selbst sagte, „ein großer Freund des Baren.“ Er zahlte nie mit einem Scheck, geschweige denn einer Kreditkarte.

Frau Gürtler wusste daher nicht, wer er war, und weil er immer jede weibliche Begleitung als seine neue Frau, Geliebte oder Schwiegermutter ausgab, wurde die Gürtlersche immer neugieriger. „Wer ner der Fregger wiedä sei moch?“

Eines Tages kam meine Mutter allein in den Laden. Da fasste Frau Gürtler die Gelegenheit beim Schopf und fragte, wer denn der Herr sei, mit dem sie neulich hier gewesen sei.

Die Befragte fiel nicht auf die Attacke herein, vielmehr fragte sie zurück, wer sie denn denke, dass er sei.

Grau Gürtler grübelte kurz und stellte dann fest: „Endwedä a frängischer Baron oder a jüdischer Rechtsanwald.“

Mein Vater sonnte sich noch wochenlang in der Aura des Rechtsgelehrten.

 

Verfassungsrecht für Flüchtlinge IX

Nun waren einmal mehr afghanische Flüchtlinge dran und damit gewann der Gleichbehandlungsgrundsatz enorme Bedeutung.

An der Universität lernt man, dass es Verfassungsnorm ist, Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandelt werden muss. So weit so gut und auch so theoretisch.

Jedermann versteht, dass ein Mensch ein Mensch ist und jedermann versteht, dass ein Krieg ein Krieg ist. Nur, wenn man Afghane ist, erlebt man an der eigenen Haut, dass ein Mensch aus Syrien anders behandelt wird als ein Mensch aus Afghanistan, weil in Syrien Krieg herrscht und in Afghanistan auch Krieg herrscht.

Die güldenen Worte des Grundgesetzes klingen in den Ohren von Afghanen wie blanker Hohn. Zwei Männer, die für die Amerikaner als Dolmetscher gearbeitet haben, berichten, sie hätten doch genau für die Ziele wie Demokratie und Rechtsstaat gearbeitet. Nun hätten sie fliehen müssen und das demokratische und rechtsstaatliche Land in das sie geflohen seien, zeige ihnen die kalte Schulter.

Es nützt da herzlich wenig, wenn ich erkläre, jede Regierung habe einen Gestaltungsspielraum, der es ihr erlaube autonom zu entscheiden, was ein sicheres Herkunftsland sei und was nicht. Da lachen die Afghanen sardonisch und ziehen eine Liste mit all den nahen Verwandten aus der Tasche, die in den vergangenen Monaten getötet worden sind.

Dass unter Umständen ein Gericht einmal entscheiden wird, dass Afghanistan doch kein sicheres Herkunftsland ist, lässt diese Menschen natürlich eher kalt und ist nicht dazu geeignet, ihr Vertrauen in einen funktionierenden Rechtsstaat zu vermehren.

Man muss sich das vorstellen: „Wir waren in einem Camp in Mazedonien, etwa 1000 Syrer und 50 Afghanen. Dort haben uns Helfer des Roten Kreuzes aus Deutschland gesagt, wir sollten unter keinen Umständen in Mazedonien bleiben. Sie haben geraten, nach Deutschland zu kommen, da sei alles viel besser. Das stimmt ja auch, aber von uns Afghanen hat nicht einer Asyl bekommen und von den Syriern alle.“

Ich habe ihnen erklärt, dass unter der derzeitigen Rechtslange eine Abschiebung nur dann verhindert werden kann, wenn man eine konkrete Gefährdung für Leib und Leben im Herkunftsland nachweisen könne.

Was denn das sei? Zum Beispiel gelte, als Dolmetscher für eine fremde Macht gearbeitet zu haben und nun in Afghanistan als Volksfeind betrachtet zu werden, lediglich als abstrakte Gefahr und sei kein Abschiebungshindernis, wurde ich belehrt.

Ich saß mitten drin in der Bredouille, denn sie hatten ja Recht, wenn sie mir vorwarfen, ihnen hier vom Pferd zu erzählen, denn für sie wären die Freiheiten und Rechte der Demokratie offenbar nicht anwendbar.

Ich suchte nach einem Befreiungsschlag, der die Absurdität ihrer Lage beleuchtet und der gleichzeitig ein homerisches Lachen provoziert. Es hätte auch schiefgehen können, aber ich hatte Glück, als ich in meine alte Trickkiste griff:

“Sie können natürlich immer sagen, sie seien homosexuell, darauf steht in Afghanistan die Todesstrafe. Homosexuell zu sein, ist in der Regel ein Abschiebungshindernis.“

„How could I prove it“ fragte einer der Dolmetscher grinsend.

„Rape the judge“ antwortete ich, und plötzlich war die Spannung draußen. Die Absurdität meiner Antwort ging einher mit der Absurdität ihrer Lage. Ich konnte diese nicht ändern, aber wir konnten gemeinsam lachen.

Menschenwürde II oder Butter bei die Fische

Pufendorf, Kant, Schiller, Schopenhauer und Nietzsche haben alle gedanklich an der Menschenwürde herumgedoktort, wobei es natürlich Schiller war, der die Sache in so schöne Worte zu fassen im Stande war, dass die Nachwelt bis heute ehrfürchtig erschauert:

„So wie die Anmut der Ausdruck einer schönen Seele ist, so ist die Würde der Ausdruck einer erhabenen Gesinnung“ (Über Anmut und Würde) Vor dem geistigen Auge lustwandeln auf Blumenwiesen Maiden, flechten Kränze und ihre selbstredend erhabene Gesinnung ist würdig und recht.

So weit so gut. Die Menschenwürde schwebte irgendwo zwischen Jammertal und Paradies und war gedanklich den Gelehrtenstuben nicht wirklich entkommen. Dem kleinen Mann war die Menschenwürde schnurz, denn sie änderte sein hartes, ungerechtes und entbehrungsreiches Leben in keiner Weise.

Das hatte auch Ferdinand Lasalle gemerkt und deshalb sagte er in einer Rede aus dem Jahr 1862, das sei ja alles gut und schön, aber was nützt das, wenn man zwar Würde hat, aber nichts zu Essen. Er stellte daher Würdebedingungen auf und die wichtigste war, dass Staat und Gesellschaft dafür zu sorgen hätten, allen Bürgern ein menschenwürdiges Dasein zu garantieren.

Endlich! Das nennt man „Butter bei die Fische.“

Nun wurde die Menschenwürde konkret. Die folgende Sozialgesetzgebung Bismarcks war ja nicht aus Mitgefühl heraus geboren, sondern aus er Einsicht heraus, dass die Ungerechtigkeiten der bestehenden Klassengesellschaft unhaltbar waren. Dass damit die herrschende Klasse noch ein paar Jahrzehnte länger sagen konnte, wo’s lang geht, war ein angenehmer Nebeneffekt für sie.

Erstmals wirklich konkret beschäftigte sich der deutsche Widerstand gegen Hitler mit der Menschenwürde. Der vollkommene Entzug derselben durch das Nazi Regime war allerdings auch ein deutliches Zeichen für die Notwendigkeit, die Würde des Menschen zum primären Staatsziel zu erklären. Die Weimarer Verfassung hatte davon auch schon gesprochen. Im Artikel 151, also ganz weit hinten, konnte man da vom menschenwürdigen Dasein lesen. Das war natürlich etwas dünne und so erstaunt es nicht, dass nach der UN-Charta der Menschenrechte 1945 und der drei Jahre später folgenden allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die Väter (und zwei Mütter) des Grundgesetzes auf der Insel Herrenchiemsee gar nicht anders konnten, als diesen wunderschönen Artikel 1 zu formulieren:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Uff, geschafft!

Geschafft?, Nein, nun ging es erst richtig los! Die Umsetzung der Menschenwürde dauerte und dauert noch immer. Abschaffung der Strafbarkeit gleichgeschlechtlicher Beziehungen, Abschaffung der Genehmigung des Ehemannes, wenn die Ehefrau arbeiten gehen wollte usw, usf. Es ging in erster Linie um die Beseitigung von Vorschriften, von denen man erst peu à peu feststellte: „Huch, das geht ja gar nicht!“

Und man ist ja heute noch dabei: Gleicher Lohn von Mann und Frau geistert seit Jahren in den Wahlprogrammen herum, aber selbst Regierungsbeteiligung hat diese Selbstverständlichkeit noch nicht gebracht.

Wir sehen: Die Menschenrechte sind kein ehernes Denkmal, an dem sich der Bürger erfreuen darf. Nein, es ist ein ständiger Kampf, die Menschenrechte zu vervollkommnen und ich befürchte, es wird noch stärker ein Kampf werden, sie zu bewahren.

 

Das mag ein Wechsel sein!

Als wir im Jahr 1991 von unserem Haus in Port d‘es Torrent auf Ibiza in die Calle Salas in Palma umzogen, dachten wir in der neuen Wohnung sei alles fertig und in Ordnung. Das war ein Trugschluss, denn wir hatten zwar Strom aber kein Gas und deshalb ging die Heizung nicht. Nach zwei Abenden vor der geöffneten Backofenröhre, andere Wärmequellen gab es nicht, packte ich die Familie auf, um Weihnachten in Deutschland zu verbringen.

Von einer ländlichen Idylle auf Ibiza mitten in eine doch ziemlich große Stadt zu ziehen, brachte vollkommen unvermutete Schwierigkeiten mit sich. Neben uns gab es eine Bäckerei. Die Teigknetmaschine begann um 3 Uhr in der Früh zu rumpeln, an Schlaf war zunächst nicht mehr zu denken. Amerikanische Soldaten kamen etwa einmal im Monat, dann öffnete nur für sie ein paar Tage eine Bar in der Nähe und nachts grölten GIs auf in Gassen. „Why don‘t you do it in the road, rief ich einmal hinunter, in der Hoffnung, sie verstünden Ironie. „This man talks a lot of sense“, war die Antwort.

Die Nachbarin von gegenüber gab uns über den kleinen Platz hinweg per Zuruf Rat, wie wir die Blumen auf dem Balkon, auf dem man nur stehen konnte, pflegen sollten. Genau gegenüber wohnte eine schwedische ältere Dame, die am Wochenende oft Besuch von zwei wunderhübschen Nichten bekam. Immer wenn ich nicht da war, zeigten diese sich unbekleidet am Fenster, berichtete mir meine Frau nicht ohne gewisse Häme.

Wichtigster Nachbar aber war die Bar Martín um die Ecke. Vom Café con leche am Morgen bis zu einem letzten Bier vor dem Schlafengehen, versammelte sich dort die gesamte Nachbarschaft.

„El turco“ verkehrte dort. Wir nannten ihn so, weil er derart mediterran aussah, dass er auch vom anderen Ende des „Mare Nostrum“ hätte stammen können. Er wohnte über der Bäckerei, und da er schwerhörig war, schaltete er den Fernseher auf sehr laut, dann schlief er davor ein. In der Bar Martín spendierte ich ihm einen Anis del Mono und bat ihn, auf unseren Schlaf Rücksicht zu nehmen. Zunächst meinte er, ein aufrechter Mensch, gehe um 11 Uhr noch nicht ins Bett. Pedro, der Wirt, klärte dann die Sache für uns, indem er feststellte, es sei egal, wo man schlafe, im Bett oder im Stuhl. Am Wochenende führte „el turco“ manchmal Antonia zum Tanzen aus. Sie waren beide über achtzig, von ihr wusste ich, dass sie nähen aber nicht lesen konnte. Einmal sagte sie nach einem solchen Tanznachmittag: „Es un sin vergüenza, pero baila muy bien. Y en mi edad, ya sabes…“ In ihrem Alter sei es nichtmehr so schlimm, dass er ein Hallodri sei, da zähle nur noch, dass er gut tanzt.

Ein anderer Stammgast war Ignacio, der mir davon erzählte, wie es zuging auf den Schiffen, die vor der Küste Marokkos Tintenfische jagten. „Wir fingen mit unseren Netzen alles was lebte oder auch nicht lebte. Aber nur die Tintenfische behielten wir. Un despilfaro tremendo!“ Welche Verschwendung!

Um die andere Ecke begann die Calle de la Paz, wo es den berühmten „Forn de la Pau“ gab und gibt. Wir kauften unser Brot dort und nicht in der Krachmacherbäckerei nebenan. Die Kinder des Bäckers spielten mit unseren Kindern Fußball auf der Straße. Sie dachten „igg pins“ heiße auf Deutsch „mach die Tür auf“, weil unser Sohn immer „ich bin‘s“ in die Gegensprechanlage rief, und dann öffnete sich die Haustür.

Unsere Nachbarin war Christine Kaufmann. Sie ging mir ganz haarig auf die Nerven. Immer dann, wenn ich mich gerade mit einem „sun downer“ hingesetzt hatte, klingelte sie an unserer Tür, und bat, dass man ihr Heizung, Staubsauger oder Fernseher repariere. „Besorg dir einen eigenen Mann“ blaffte ich sie einmal wenig höflich an. Darauf schlug sie Augen nieder und murmelte: „Aber die halten bei mir doch nie lange genug.“

 

 

Menschenwürde I

Man wird bemerkt haben, dass ich mich schon seit geraumer Zeit mit dem Begriff der Menschenwürde herumschlage. Das liegt am Artikel 1 des Grundgesetzes, „die Würde des Menschen ist unantastbar“, den ich meinen Vorträgen für Flüchtlinge immer voranstelle.

Nun habe ich vor einigen Tagen ein kleines Buch gefunden, das im C.H.Beck Verlag der Jura Professor Dietmar von der Pfordten veröffentlicht hat. Es heißt schlicht “Menschenwürde“ und auf die Gefahr hin, zu langweilen, will ich in den kommenden Beiträgen immer mal wieder daraus zusammenfassen.

Von der Würde haben zuerst die Römer geschrieben. Erstaunlicherweise kannten die Griechen diesen Begriff nicht. Sie sprachen – wiederum erstaunlich – von der Seele. Sie ist die dem Menschen innewohnende Eigenschaft, Gut und Böse unterscheiden zu können. Dies unterscheidet den Menschen vom Tier, das außer in rührenden facebook Filmchen,A nicht in der Lage ist, unter Hintanstellung eigener Interessen Gutes zu tun.

Noch in der Todeszelle, bevor er den Schierlingsbecher nahm, versuchte Sokrates die Unsterblichkeit der Seele zu beweisen. Das Vergehen des Körpers sei nicht schlimm, der habe Lüste und Neigungen, igitt, aber die Seele, die sei rein und unsterblich, sie sei die Substanz des Menschen. Diese zu achten und zu schützen sei Aufgabe der Menschen und ihrer Staaten. Hier leuchtet zum ersten Mal so etwas wie Menschenwürde auf.

Cicero hat später das Wort „dignitas“, Würde, in die Diskussion eigebracht. Er meinte damit in erster Linie, die Würde, die ein Amt oder eine gesellschaftliche Stellung gibt. Er meinte aber auch, dass derjenige, der ein Amt oder eine Stellung innehabe, sich gefälligst entsprechend zu benehmen habe. Der Würdenträger muss der Würde des Amtes selbst gerecht werden.

Wir haben es in Deutschland erlebt, wie Bundespräsident Wulff abtreten musste, weil er die Würde des Amts verletzt hatte, ob schuldhaft oder nicht, spielte dabei keine Rolle.

Gerade erleben wir es tagtäglich, wie der 45. Präsident der Vereinigten Staaten die Würde seines Amtes mit Füssen tritt.

Es ist es wert, hineinzuhören, was Cicero in „De officiis“ schreibt: „Es gehört zu jeder Untersuchung des pflichtgemäßen Handelns, immer vor Augen zu haben, wie sehr die Natur des Menschen das Vieh und die übrigen Tiere übertrifft; jene empfinden nichts als Vergnügen und auf diese stürzen sie sich mit aller Kraft, der Geist des Menschen aber wächst durchs Lernen und Denken, er erforscht immer etwas, handelt oder lässt sich durch die Freude am Sehen und Hören leiten.“

Hier wird zwar der Samen der Verteufelung des Genusses und der Körperfeindlichkeit gelegt, dennoch ist es ganz offenbar, dass die Würde des Menschen undenkbar ist ohne seine Bereitschaft zum Verzicht, zur Anstrengung und zur ständigen Fortbildung des Geistes. Eben römische Tugenden, wie wir noch heute sagen.

Das Christentum hat später die Idee der unsterblichen Seele und Ciceros Gedanken von der „dignitas“ als einem unveränderlichen Kern des Menschseins übernommen.

Thomas von Aquin bringt dann endlich das dazu, worauf wir schon lange gewartet haben: Die Sünde. „Indem der Mensch sündigt, verlässt er die Ordnung der Vernunft und fällt somit ab von der Würde des Menschen, sofern der Mensch von Natur aus frei und seiner selbst wegen da ist.“ (aus „Summa theologiae“)

Mal sehen, wie es weitergeht mit der Menschenwürde.

Damit es aber nicht zu langweilig wird, schnell noch diese Geschichte: Mein Freund José war in Palma mit einer etwas prüden Engländerin verheiratet, die natürlich eine Katze hatte, die natürlich Pussy hieß. Als diese läufig wurde und immer am Fenster kratzte, um über die Dächer der Stadt zu verschwinden, schaute die Dame kurz von der Lektüre des „Christian Science Monitor“ auf und rief der Katze zu: „Pussy, a bit of dignity, plaese!“

Erlöse uns von dem Bösen

Die Nachricht, dass in der Nähe eines irischen Klosters die Leichen von annähernd 800 Babys und Kleinkindern gefunden wurden, treibt mich um, wie schon lange nichts mehr, der ich dachte, mich könne nichts mehr erschüttern.

Um es vorwegzunehmen: Ich weiß, dass es in evangelischen Kinderheimen grausam und unmenschlich zuging und ich hoffe, ich habe Recht mit der Vergangenheitsform.

Allerdings hat ist Entdeckung in Irland von anderer Qualität, denn hier geht es um Massenmord unter dem Deckmantel unserer christlichen Religion.

Wie konnte es dazu kommen? Uneheliche Kinder galten bis vor wenigen Jahrzehnten als Kinder der Sünde und gerade der Umstand, dass eine unverheiratete Frau schwanger geworden war, galt als Beweis für ihre Unverantwortlichkeit und Unreife. Logische Folgerung: So eine ist nicht fähig, das Kind der Sünde alleine aufzuziehen, zudem bedeutet ja eine alleinerziehende Mutter die Zurschaustellung der Sünde selbst. Das Kind wegzunehmen war logische Folge.

So weit, so schlecht.

Wenn nun festgestellt wird, dass in einigen dieser kirchlichen Verwahranstalten systematisch getötet wurde, dann muss das jemand mit Lust getan haben. Mit Widerwillen tötet man keine Kinder. Diejenigen, die überlebten, verließen die Heime als seelische Krüppel.

Solche Praktiken gab es nicht nur in Irland. Meine Ehefrau wurde als Mädchen nach Lille in ein Kloster geschickt, um dort französisch zu lernen. Nach einigen Monaten floh sie und berichtet noch heute mit Schaudern davon, wie schlecht dort die kasernierten Mädchen von den Nonnen behandelt wurden.

Noch einmal die Frage: Wie konnte es dazu kommen? Die Antwort drängt sich jedem vernünftig Denkenden auf: Weil der Staat es versäumt hat, den Frauen eine praktikable Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruchs an die Hand zu geben. Ich habe das schon vor ein paar Wochen geschrieben und viel Unmut geerntet. Erwartungsgemäß von Männern, die weltweit die Speerspitze der Bewegung gegen die Abtreibung bilden. Honi soit, qui mal y pense!

Derzeit wimmelt es in den sozialen Medien von Beiträgen, die vor der Gefahr der Islamisierung Europas warnen. Das sei eine mörderische, hinterwäldlerische Religion, an der die Segnungen der Aufklärung spurlos vorübergegangen seien.

Aha! Das Christentum vor der Aufklärung war demnach auch nicht gerade das Gelbe vom Ei, oder? Heißt das, nicht nur wir, sondern auch die Religionen änderten sich mit den Zeitläuften? Tempora mutantur, nos et mutamur in illis?

Offenbar ist am Christentum, unserer gemeinsamen in Europa mehrheitlichen Religion, die Aufklärung auch nicht so richtig haften geblieben: Sexueller Missbrauch Schutzbefohlener, Quälereien und nun sogar Massenmord an unschuldigen und wehrlosen Kindern bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts!

Wer wagt es da noch, Abtreibung Mord zu nennen? Niemand treibt gerne ab. Aber es ist das Recht der Frau zu entscheiden. Wenn das nicht gewährleistet ist, besteht die Gefahr, dass Menschen oder Institutionen, die glauben, es besser zu wissen, ungewollt Geborene in ihre „Obhut nehmen, und wie in Spanien geschehen, ohne den Willen der Mütter zur Adoption freigeben. Es geht schrecklicherweise sogar so weit, dass diese Kinder umgebracht werden.

Was muss ich vor der Islamisierung Angst haben, wenn ich selber einer Religion angehöre, die Kindsmord zugelassen hat und dies bis heute vertuscht wurde?

Aus unwürdiger Hand…

Wenn man einen Preis bekommt, ist das ja eine schöne Sache, meistens ist es unverdient oder der Preis kommt zu spät. Bei mir traf Ersteres zu, als ich am 9. Mai 2004 den Integrationspreis der Balearen bekam.

Um Preisträger zu werden, muss man ein paar Jahre auf den Balearen gelebt haben, eine der beiden Landessprachen sprechen und möglichst nicht unangenehm aufgefallen sein. Ja, und dann braucht man noch einflussreiche Fürsprecher, die das Vergabekomitee auf den hoffnungsvollen Kandidaten aufmerksam machen. Bei mir waren es die Freunde aus dem „Círculo Europa“. Hier hatten Zuwanderer und Mallorquiner gemeinsam Exkursionen und Diskussionsabende organisiert, aber auch nach der Einführung des Euro die Aktion „Pennies from Heaven“. Dafür wurden am Flughafen Urnen aufgestellt, in die die abreisenden Urlauber ihre Restmünzen an Peseten reinwerfen sollten. Sie warfen aber auch Kleinmünzen aus Frankreich, Deutschland und England hinein. Plötzlich hatten wir ein logistisches Problem. Nur mit der Sondergenehmigung des Air Berlin Chefs Álvaro Middelmann durfte ich 40 kg Kupfermünzen mit ins Flugzeug nehmen. Wir machten damals Winterurlaub im Kleinen Walsertal, und die örtliche Raiffeisenkasse nahm das Geld anstandslos an, man war damals noch an Schwarzgeld aus Deutschland gewohnt. Die Aktion brachte einen erheblichen Geldbetrag zusammen, der unter dem notwendigen Presserummel dem Waisenhaus in Palma übergeben wurde.

Da ich damals dem „Círculo Europa“ vorstand, wurde ich hinter meinem Rücken für den Preis vorgeschlagen. Ich merkte es erst, als man mich wegen der Schreibweise meines Namens befragte.

Nun gut, der Europatag, der 9. Mai, ist jeweils der Moment, an dem der Bürgermeister von Palma zusammen mit dem Präsidenten der Balearen den Preis überreicht. Der Protokollchef verlas eine Laudatio, die, da man mich ja nicht kannte, sich glücklicherweise darauf beschränkte, dass ich Anwalt sei, vier Sprachen spräche und Mallorquin verstünde. Die Feier fand auf der Terrasse des „Museo March“ gleich neben der Kathedrale statt, ein wirklich einzigartiger Ort.

Nach der Laudatio fragten sich die Anwesenden, womit ich diesen Preis verdient hätte, dennoch wurde ich nach vorne gerufen und die Bürgermeisterin, Catalina Cirer und der Präsident Jaume Matas überreichten mir die Plakette.

Catalina Cirer hatte, bevor sie in die Politik einstieg, bei Banco de Sabadell mein Konto betreut, tat aber nun so, als kenne sie mich nicht. Jaume Matas hingegen begrüßte mich wie einen Kumpel, mit dem er schon im Sandkasten gespielt hatte. Dazu muss allerdings gesagt werden, dass das seine Macke war, er tat bei allen so, als kenne er sie schon seit Jahren, sogar dann, wenn er von „seguratas“ umringt die Avenida Jaime III hinunterlief.

Die Plakette ist aus Silber und sie dient mir als Spiegel. Kann ich mich noch im Spiegel ansehen? Die Frage ist insofern berechtigt, als Catalina Cirer aus ungeklärten Gründen in der Versenkung verschwunden ist und es keinen Korruptionsskandal auf den Balearen gibt, in den Jaume Matas nicht verwickelt wäre. Er ist bereits mehrfach verurteilt und hat einen Teil der Strafen schon abgesessen.

Ich habe diese doch eher seltsamen Begleiterscheinungen der Preisverleihung einmal mit einem Freund, der katholischer Priester ist, besprochen. Er tröstete mich so:

„Mach dir nichts draus. Das Sakrament der Heiligen Kommunion wirkt auch aus der Hand eines unwürdigen Priesters.“