Justitia hilf!

Angst ist kein guter Ratgeber und Bedrückt sein auch nicht. Ich muss aber zugeben, dass ich mich nicht erinnere, je mit solcher Sorge in die Zukunft gesehen zu haben, wie derzeit.

Was in den USA passiert, ist en vollkommenes Novum. Bisher konnte man durchaus beobachten, dass jeder Regierende, jede Exekutive in einem demokratischen Land mal abtastet, bis wohin sie die Legislative gewähren lässt, wann sie „HALT“ schreit.

Seit dem 20. Januar 2017 gibt es in den USA eine Regierung, die sich einen feuchten Kehricht um die Verfassung schert. Ja, deren Mitarbeiter sogar offen zugeben, Auftrag bekommen zu haben, wie man zum Beispiel das Verfassungsgebot er Nichtdiskriminierung umgeht.

Sieht man davon ab, die Sinnhaftigkeit einer Mauer zu hinterfragen, sieht man davon ab, dass es in erster Linie Männer sind, die sich zu Beschützern und Vormunden des weiblichen Unterleibs aufspielen, sieht man davon ab, dass Millionen von Menschen der Zugang zu öffentlicher medizinischer Versorgung abgeschnitten wurde, sieht man davon ab, dass „America first“ unterdessen einen Zusatz bekommen hat, nämlich „Christians first“, dann ist und bleibt es nach vier vor extrem besorgniserregend, dass sich die Regierung des mächtigsten Staates des demokratischen Westens nicht zu blöde ist, Menschen in offen verfassungswidriger Weise zu diskriminieren.

Und nebenbei, „Schiss hamse auch hoch“ denn Muslims aus Saudi-Arabien und Ägypten sind von der Diskriminierung ausgenommen. Das sind wichtige Staaten. Aber Sudan? Jemen? Syrien? Somalia? Libyen? Irak? Iran? Außer dem letzten Land sind das Staaten die am Boden liegen oder nie irgendwie Bedeutung hatten. Den Stiefel einem Löwen in den Nacken treten, das erfordert Mut – aber eine Hauskatze?

Trotz ihrer Unbedeutendheit haben diese Länder eine Bevölkerung, die, vielleicht sollte man daran erinnern, aus Menschen bestehen. Das sind arme, zum Teil notleidenden Menschen. Diese sind für Hass und Propaganda besonders empfänglich. Wer glaubt denn bitteschön, dass Diskriminierung ein Mittel zur Eindämmung des Radikalismus wäre?

Was mich so fassungslos macht, ist die unsägliche, gehässige Dämlichkeit, die plötzlich Regierungsdoktrin wird.

Gelogen wurde schon immer, besonders in der Politik. Es ist also nichts Neues, was da in den USA passiert. Neu ist, dass dieser Präsident kaum etwas verlautbaren lässt, was entweder glatt gelogen ist oder ab er eine vollkommene Unkenntnis der der Realitäten zeigt.

Derzeit sieht es so aus, als erwachten die verfassungstreuen Amerikaner gerade aus ihrer Schockstarre nach dem Wahlausgang. Niemand bezweifelt, dass der 45. Präsident legitim und legal in sein Amt gewählt wurde. Nur, was er jetzt tut und unternimmt, das ist zum großen Teil weder legitim und legal.

Dass sich die USA immer hinter ihrem Präsidenten scharen, ist gute demokratische Tradition. Nichtsdestotrotz werden es die US-Bürger sein müssen, die dem gewählten Präsidenten Einhalt gebieten, indem sie die Gerichte anrufen.

Jetzt kommt die Stunde der großen Juristen, die so oft in Hollywood Filmen glorifiziert wurden. Der Supreme Court ist gefragt.

 

Gudrun

An der Bucht von San Antonio auf Ibiza gab es in den 80er Jahren viele schlechte Hotels aber auch einige gute. In einem der der Letzteren arbeitete Gudrun an der Rezeption. Brigitte und ich waren mit ihr befreundet. Sie war eine von diesen jungen Frauen, die zwar in ihrem Beruf aufgingen, die aber dennoch Zeit und Lust hatten, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Wenn wir nach Restaurant, Jazzclub und Absacker irgendwo ermattet nach dem Bett riefen, ging Gudrun noch in die Disco, tanzte bis in den Morgen und erschien zum Dienst ebenso makellos gekleidet wie gelaunt.

Sie wohnte in einem kleinen Appartement hinter „Sa Capella“ der ehemaligen Kirche, in der damals ein Restaurant eröffnet worden war, übrigens mit der fadenscheinigen Begründung, der Bau sei nie als Kirche eingesegnet worden.

Damals beachtete man die Vorschriften über Alkohol am Steuer ebenso wenig wie die Anschnallpflicht. Nichtbeachtung galt als heldenhaftes Aufbäumen gegen die Guardia Civil. Und so fuhr ich Gudrun nach manchem feuchtfröhlichen Abend bis vor ihr Appartement. Brigitte und ich warteten im Auto solange, bis sie in der Wohnung verschwunden war.

Eines Tages erschien in San Antonio ein Arzt aus Valencia, der dadurch auffiel, dass er seinen Urlaub in den Bars des Ortes verbrachte. Er begann das Frühstück mit einem Carajillo, café con brandy, wenn es mittags heiß wurde, kippte er einige Bierchen und schloss die Mühsal des Tages mit vielen Whiskys ab. Angelegentlich fragte, wo denn hier ausländische Frauen wohnten. Es war nachher nichtmehr festzustellen, wer ihm die Adresse gab. Jedenfalls ließ sich der Arzt mit dem Taxi vor Gudruns Appartement fahren, brach die Tür ein und wartete.

Es war einer dieser Nächte gewesen, in denen Gudrun sich mal wieder die Seele aus dem Leib getanzt hatte. Eine Freundin setzte sie bei „Sa Capella“ ab. Den kurzen Weg zu ihrer Wohnung legte Gudrun allein zurück, es war ja schon hell.

Als sie nicht zum Dienst erschien, schickte der Hotelmanager jemanden, der nach ihr sehen sollte, mobile Telefone gab es damals noch nicht.

Gudruns Kollege fand das Appartement von oben bis unten blutverschmiert vor. Mitten im Chaos lag Gudruns Leiche.

Er benachrichtigte sofort die Guardia Civil. In deren Hauptquartier in der Calle San Vicente wurde damals in erster Linie gesoffen und gekocht. Ich kam täglich dort vorbei, weil ich nebenan die Tageszeitung kaufte. Immer wehte ein Hauch von Anis Schnaps und dicker Suppe herüber.

Der Kommandant befahl, den Tatort zu bewachen, bis die Spurensicherung aus Ibiza-Stadt rübergekommen wäre. Andererseits begann er gleich mal den Täter zu suchen, den er unter den deutschen Residenten des Ortes vermutete. Auch ich wurde befragt, ohne dass man mir den Grund hierfür erklärte. Nito Verdera, der Lokalreporter klärte mich dann auf, was mich insofern teuer zu stehen kam, als ich später stundenlang übersetzen musste, als er den diversen deutschen Journalisten, die eingeflogen waren, seine vermeintlichen Exklusiv-Kenntnisse für teure Münze verkaufte.

Trotz heftigen Suchens fand man den Täter nicht.

Einige Tage später wurde ein Spanier entdeckt, der fälschlicherweise in ein Flugzeug nach Düsseldorf gestiegen war. Da er sich auffällig benahm, rief der Pilot die Polizei um Hilfe. Als seine Personalien festgestellt wurden, fand man in seiner Tasche ein Reagenzglas mit zwei Augen darin.

So wurde er als Gudruns Mörder überführt. Vor Gericht gab er als Motiv an, er habe ein Exempel gegen die Sittenlosigkeit auf Ibiza statuieren wollen. Der Psychiater attestierte ihm verminderte Schuldfähigkeit. Im Urteil wurde ihm die ärztliche Approbation auf Lebenszeit entzogen. Nach einigen Jahren kam er wegen guter Führung frei.

Gudrun aber war tot.

Unsere Werte

Es ist nun eine Woche her, dass Donald Trump der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist. Wenig Zeit, fürwahr!

Aber was hat er doch schon alles geleistet! Ein Gigant im Zupacken! Ein Gigant in der Kunst der Lösungsfindung! Wenn wir nur in den anderen Ländern der westlichen Demokratien solche Politiker hätten, dann sähe es bei uns und bei unseren europäischen Freunden anders aus.

Anders, ja, aber besser?

Donald Trump hat in dieser Woche gar nichts geleistet, aber er hat sich viel geleistet. Reden wir nicht vom Mauerbau, reden wir nicht von der teilweisen Abschaffung von Obamacare, reden wir nicht von seinen frauenfeindlichen Macho Eskapaden, sondern denken wir nur an Eines:

Donald Trump findet Folterungen gut und würde nichts dagegen tun, wenn seine Minister das Zufügen von Schmerz oder Panik als Mittel zur Wahrheitsfindung wiedereinführen würden. Das sagte er heute in einem TV Interview.

Was er vom Schutz der Grenzen, von der sozialen Absicherung seiner Mitbürger oder was er vom Schutz ungeborenen Lebens hält, das alles befindet sich im Rahmen der Gestaltungsfreiheit, die ein Präsident haben muss. Man kann da seiner Meinung sein oder nicht, und wenn man es nicht ist, muss man ihn als demokratischen Gegner mit demokratischen Mitteln bekämpfen.

Wenn Trump allerdings die Folter gutheißt dann hat er damit die Grenze überschritten, die von allen westlichen Demokratien in Stein gemeißelt wurde:

Die Würde des Menschen ist unantastbar!

Erdogan, Assad, Putin, Orban, die arabischen Potentaten und die vielen, vielen Diktatoren auf dieser Welt hören bei jedem Staatsbesuch aus Europa die Mahnung, sie müssten sich aber bitteschön schon ein Bisserl um die Menschenrechte kümmern, weil sonst wär das eben nix mit Kooperation, EU-Beitritt und Entwicklungshilfe.

Die europäishen Politiker sitzen auf einem hohen moralischen Roß. Dank den USA übrigens. Denn es ist unbestreitbar, dass nach dem zweiten Weltkrieg die Demokratie in Europa ohne den Einfluss der USA nicht so nachhaltig hätte Fuß fassen können. Da müssen wir wirklich dankbar sein.

Der Foltersündenrückfall des Präsidenten wird leider in den USA kaum politische Folgen haben, denn alle, die im US Kongress sitzen, wussten von den Fällen des „water boarding“ und haben nichts dagegen getan. Diese Leute werden den ersten und auch den zweiten Stein nicht werfen. Umso mehr sind nun die Bündnispartner in der NATO gefragt, den „Mut vor Fürstenthronen“, den sie vor afrikanischen Despoten herausholen, auch vor dem Egomanen in Washington DC zu zeigen.

Es kann doch nicht sein, dass wir von den Einen etwas verlangen, was wir von Trump nicht einzufordern wagen.

Die Politik des feuchten Hosenbodens hat noch nie zu wirklichen Erfolgen geführt, bei Trump wird das erst recht nichts bringen. So wie es jetzt aussieht, hat sich gegen seine Spinnereien und krassen Verletzungen des demokratischen Konsenses in den USA noch keine Opposition formiert. Umso mehr muss nun Europa mit einer Stimme klarmachen, dass eine atlantische Zusammenarbeit nur auf der Basis dessen möglich ist, was die USA nach 1945 so kraftvoll und nachhaltig nach Europa gebracht haben:

„We the People of the United States, in Order to form a more perfect Union, establish Justice, insure domestic Tranquility, provide for the common defence, promote the general Welfare, and secure the Blessings of Liberty to ourselves and our Posterity, do ordain and establish this Constitution of the United States of America“.

 

Bamberg

Als Kind war Bamberg für mich die Stadt aller Städte, ja eigentlich die einzige Stadt, ich kannte nämlich keine andere. Es war die Nachkriegszeit. Damals war es für mich gar keine „Zeit“ es war halt so. Normal war der Mann vor dem Schuhhaus Zeller am Grünen Markt. Er hatte keine Beine mehr und stand auf seinen Stümpfen in einer Art unten zugenähter Lederhose. Er verkaufte Schnürsenkel und Schuhcreme. Er war genauso groß wie ich.

Dass der Krieg noch nicht lange her war, merkte man auch an der Vorzugsbehandlung, die mein Vater genoss, denn fast alle Bamberger Stadtpolizisten waren Feldwebel in seinem Regiment gewesen. Ich sehe noch, wie sein kleiner VW an erheblich ansehnlicheren Autos vorbei auf den Parkplatz gelotst wurde. Beim Einfahren salutierte der Polizist.

Als meine Mutter einmal reumütig auf der Wache erschien, um einen Strafzettel zu bezahlen, kam sofort ein übergewichtiger Polizist aus dem Hinterzimmer und stauchte den jungen Kollegen am Tresen zusammen: “Die Fraa vo unnern Riddmastä bezohld in Bamberch kanna Strafzeddl.“

Ein Paradies war natürlich das Geschäft von Spielwaren Albrecht in der Austraße. Wir drückten unsere Nasen am Schaufenster platt und bewunderten Steiftiere, Leiterwagen und Modellautos. Gegenüber im Gasthaus zum Specht wurde immer zu Mittag gegessen, weil dort Rotenhan Bräu ausgeschenkt wurde.

Nach dem Mittagessen war ein Besuch bei Onkel Anton an der Reihe. Der wohnt noch heute im Dom droben auf dem Berg. Er war von 1434 bis 1459 Bischof in Bamberg. Sein Epitaph befindet sich am dritten östlichen Pfeiler. Dort hat sich der Arme immer so schrecklich gelangweilt und war froh, wenn wir Kinder ihn am Fuß kitzelten.

Später kamen wir am Schlengerla vorbei. Dort lag einmal ein Mann auf der Straße, umringt von keifenden Weibern: „A Zamgsuffnä, a Sünd un a Schand, wie mer so viel saufn ka, der wenn hamkummd, wenn des meiner wär!“ So ging das einige Zeit hin und her. Mein Vater stand daneben und in eine Keifpause hinein sagte er: „Wenn man euch Weibern so zuhört, bleibt einen ja nur noch der Suff.“ Wir fanden Zuflucht beim Juwelier Triebel an der unteren Brücke, sonst wären wir alle miteinander gelyncht worden.

Regelmäßig musste auch „der Gürtlerschen“ ein Besuch abgestattet werden. Sie führte einen Antiquitätenhandel, eigentlich aber war es ein besserer Trödelmarkt. Bei zweifelhafter Ware meinte sie immer „De is ned andigg, des is höxdens andünn.“ Sie wollte immer rausbekommen, wer unser Vater war. Einmal fragte sie unsere Mutter. „Na, wer glauben Sie denn, dass er ist?“ fragte sie zurück: „Endwedä a Baron oder a jüdischer Rechdsanwald.“

Oft mussten wir zum Schönleinsplatz, dort befand sich Puppenklinik, wo die malträtierten Gefährten meiner Schwester geheilt wurden. Danach ging’s zum Flurbereinigungsamt gleich daneben. Dort gab es einen Aufzug, man stelle sich das vor!

Während Vater Dinge erledigte, fuhren wir unermüdlich Aufzug und waren bald „amtsbekannt“: „Än Rodnhan sei Bagasch is widä do.“

Wenn wir ganz brav waren, gab es in der Konditorei Riffelmacher an der Oberen Brücke heiße Schokolade mit Schlagsahne. Das Gefühl der kühlen Sahne auf der Oberlippe, und dann die kochend heiße Schokolade, ich träume noch heute davon.

Das Auto parkte damals auf dem Maximiliansplatz, die Tiefgarage wurde erst viel später gebaut. Aber den Häddie, den gab es schon – ein Blick in die große weite Welt. „Bei’n Häddie“ gab es alles, was unsere Phantasie ersehnte und natürlich noch viel mehr. Dorthin gingen wir mit unserer Mutter. Mit dem Vater gingen wir immer zu Waffen Schmidt, bevor wir ins Auto stiegen. Dort wurden Patronen für die Gewehre gekauft und dort bekam ich auch mein erstes Taschenmesser. An der Wand hing ein Zettel: „Von innen beschmutzte Lederhosen können zur Reparatur nicht angenommen werden!“

Moishe Pischeles

Es stehen drei Juden im polnischen Stedl zusammen. Da kommt gravitätisch streitend ein vornehmer Herr im schweren Zobelmantel vorbei.

„Das ist Maurice de la Fontaine, ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann“, sagt Schmul.

„Naja“ entgegnet Herschel, „er hat sich heraufgearbeitet, als wir gemeinsam die Banklehre machten, hieß er noch Moriz Wasserstrahl.“

„Nu“, meint Aaron, „ich hab‘ ihn noch gekannt als Moishe Pischeles“.

Wie fast alle jiddischen Witze hat auch dieser eine Vorgeschichte: Als die polnischen Juden durch die andauernden Teilungen des Landes mal preußisch, mal russisch, mal österreichisch wurden, reichte der Vatername, etwa Moses Abrahamsohn, nicht mehr aus, „richtige“ Nachnamen mussten her. Die jeweiligen Beamten aber machten sich einen Spaß daraus, den jüdischen Neubürgern blöde, spaßige oder erniedrigende Nachnamen zu geben.

Nur zu gut ist zu verstehen, dass viele Juden, sobald sie es sich durch sozialen Aufstieg leisten konnten, diese Namen loswerden wollten. So war es im vorvergangenen Jahrhundert üblich geworden, den Nachnamen zu ändern, zu „dignifizieren“, wofür der obige Witz ein wunderbares Beispiel ist.

Der reiche Schatz an jiddischen Witzen ist in jüdischen Familien stets präsent, und so ist und war es üblich, Menschen durch ein Witzzitat als Person darzustellen, auch dann wenn die äußeren Umstände wirklich nicht danach waren. Als in einem KZ einer der Gefangenen ein Orchester aufbauen wollte, hieß er selbstverständlich sofort Moishe Kalisch. Und das kam so.

Samuel Seligmann, er wohnt im polnischen Stedl, besucht seine zu Geld gekommene Verwandtschaft, die sich in Breslau assimiliert hat, das heißt, man hat jüdische Gepflogenheiten durch solche der christlichen Umgebung ersetzt. So veranstaltet man im Haus der Verwandten eine Soiree, ein Quartett spielt Mozart. Samuel steht verloren in einer Ecke, da erbarmt sich seiner eine der eingeladenen Damen und fragt ihn: „Sind sie musikalisch?“ „Nein, ich bin nicht der Moishe Kalisch, ich bin der Samuel Seligmann.“

Und noch eine wunderbare Geschichte: Max Liebermann hat die Familie des Bankiers Soundso portraitiert. Als das Bild fertig ist, ergeht Einladung und „tout Berlin“ erscheint in der Villa des Herrn Generaldirektors. Man steht vor dem Gemälde, auf dem der Hausherr samt Frau, Kindern und dem Schoßhund der Hausfrau dargestellt sind. Vor Ehrfurcht erschauernd steht die Menge der Gäste schweigend vor dem Meisterwerk. Da tropfen in die Stille die kargen Worte: „Der Tate ist gesind, der Hund ist gesind…“ Schallendes Gelächter, das Bild wurde nie wieder öffentlich gezeigt.

Dahinter verbirgt sich der folgende Witz:

Abe Mendelsohn fährt nach Frankfurt, er muss zum Arzt. Der sagt ihm, er benötige eine Urinprobe. Er möge in die Apotheke gehen, dort werde man das Weitere veranlassen. In der Apotheke gibt man dem Mann ein Fläschchen, in das er bitteschön hineinpinkeln möge. Im Übrigen koste das zwanzig Mark. Abe findet das teuer und bittet sich Bedenkzeit aus. Einige Tage später kommt er zurück und übergibt dem Apotheker zusammen mit einem Zwanzigmarkschein das bis oben gefüllte Fläschchen. Er werde auf das Ergebnis warten. Am Abend kommt er wieder und erfährt vom Apotheker zu seiner Freude, alles sei in Ordnung. Abe stürzt darauf zum Telegrafenamt und kabelt nach Hause: „Die Mame ist gesind, der Tate ist gesind, der Joschele ist gesind, der Hund ist gesind.“
Manchmal habe ich den Eindruck, dass viele Mitmenschen in Deutschland gar nicht wissen, welchen reichen Schatz an Kultur, an Esprit und an Weisheit wir durch den Holocaust zerstört haben.

 

Denn wo die Begriffe fehlen…

…stellt schnell ein neues Wort zur rechten Zeit sich ein.

Ja, was wären wir ohne unseren guten alten Goethe?

Bisher wurde dieses Zitat benutzt, wenn Mord auf einmal „Endlösung“ hieß, wenn Massenentlassungen plötzlich „Freistellungen“ waren oder wenn die Propagierung des Schießbefehls an deutschen Grenzen „ausrutschen auf der Computermaus“ genannt wurde.

Ein bisher gebräuchliches Wort wurde durch ein neues ersetzt, das den ursprünglichen Sinn vernebelte, ihm aber nichts von dem nahm, was es wirklich ausdrücken wollte. Jetzt sind wir einen Schritt weitergekommen, und, jeder hat es gemerkt, es handelt sich um einen Fort-Schritt.

Eine Rose ist eine Rose, eine Rose ist eine Rose. Das galt bis 2016. Dann kamen 2017 und Theresa May, die, mutig geworden durch überseeische Ereignisse, klarmachte, dass „Brexit heißt Brexit“ nicht etwa „Brexit heißt Brexit“ bedeutet, sondern „Ihr könnt uns alle mal.“ Damit blieb sie noch im Geltungsbereich des Goethe-Zitats.

Nun aber hat gestern Kellyane Convay, eine Beraterin des 45. Präsidenten die Deutungshoheit über Goethe an sich gerissen und gesagt: „Ab jetzt ist das wie folgt zu verstehen: Denn wo die Bilder nicht behagen stellt schnell ein alternativer Fakt sich ein.“

Ich finde das faszinierend: Der in meiner Groß-Familie so gepflegte subjektive Umgang mit der Wahrheit wird zur staatstragenden Doktrin zum Axiom einer „new brave era“

Wenn wir uns gerade daran gewöhnt haben, dass wir aus dem Zeitalter des Faktischen entwachsen sind und uns die Zeit der postfaktischen Wahrnehmung dieser Welt, dieser Zeit und ihrer Läufte zueigen gemacht haben, dann öffnet die Dame aus Washington DC ein großes Tor, und wir befinden uns – schwupp – in der in der atemberaubenden Welt der alternativen Fakten.

Das wird ein Leben! Steuerschulden? Liebes Finanzamt, ich verfüge da über alternative Fakten. Liebling, das war nicht die nette Nachbarin mit mir im Bett, alternativfaktisch, war das garniemand, und mein Personalausweis sagt nur zufällig, ich hieße Hans, eigentlich heiße und bin ich Napoleon. Für Letzteres kam man früher in die Klapsmühle, heute kann man mit so einer Wahrnehmung der Tatsachen einen US Präsidenten beraten.

Der ist übrigens ein Genie: Obwohl er ein Mann ist kann er zwei Sachen gleichzeitig: Eine plumpe, beleidigende Antrittsrede halten und bis 1.500.000 zählen. Wow!

Aber zurück zu den Fakten, beziehungsweise zu deren Alternative. Wir haben es hier mit einem Oxymoron zu tun (Meine Schulzeit war zu teuer, als dass ich mir das hier verkneifen könnte)

So, jetzt ist es gesagt, und wir können zum Normaldeutsch zurückfinden: Alterative Fakten, das ist ein schwarzer Schimmel. Das geht nicht. Das weiß auch Doña Kellyane. Was sie mit „alternative facts“ faktisch meint, also jetzt mal primärfaktisch, dann sind das „Anschauungsweisen“. Nur postuliert sie halt, dass die Anschauungsweise des 45. Präsidenten so zu behandeln sei, als wäre sie tatsachenschaffend.

Trost und Hilfe bieten wie so oft die Weisheit und der Pragmatismus der Franken:

„Ich glaab, äs zwa Pfund Rindfläsch a guda Subbn gibd“

That‘s fact, Mr. President!

 

Mid die Schrödn auf’n Hos’nbod’n

Die Jagd spielt in Franken eine riesige Rolle. Im Winter sind ganze Dörfer wie ausgestorben, weil die einen als Schützen, die andren als Treiber mit „naus die Jachd“ gehen. Zurück bleiben Vorschulkinder, stillende Mütter und Bettlägerige. Wer nicht zum Treiben oder zum Schießen gebraucht wird, dem fällt die wichtige Aufgabe zu, Bratwörschd, Lindensuppe und Bier für die Mittagspause vorzubereiten.

Für eine anständige Jagd muss es bitter kalt sein, dann kommt das Wild nicht so leicht aus der Dickung und entsprechend langsamer kommt es dem Schützen vor die Flinte oder Büchse.

„Büchse? Damit schießt man doch Rehe?“

„Ja.“

„Aber Drückjagden sind doch verboten!“

„Ja und?“

„Unn ausser diesen“, sechd der Bedä, „wenn a Sau kummt, mußt a Büchsn dabei ham.“

Die Kälte dient in erster Linie als Begründung für den doch erheblichen Schnapskonsum vor, während und nach jedem Trieb.

Während die Schützen auf der einen Seite des Waldes zu Fuß Stellung bezogen, wurden die Treiber auf Wagen, die ein Traktor zog und auf denen Strohballen als Sitzbänke dienten, auf die andere Seite gezogen. Es war schneidend kalt, zwangsläufig gingen Schnapsflaschen und Thermokannen umher. Mit auf dem Wagen saß auch Frantek, ein aus dem Krieg übrig gebliebener polnischer Zwangsarbeiter. Einer der Mittreiber fragte den Unverheirateten:

„Frandegg, wie mecht mer a gscheids Kind?“

Frantek verdrehte die Augen, blieb jedoch die Antwort schuldig, die sofort nachgeliefert wurde:
„Nüchdern und mid viel Liebe, mechd mer des! Unn, Frandegg, wie mecht ma a dumms Kind?“ Wieder keine Antwort und darauf:

„Freech a mol dein Vaddä!“ Grohlendes Gelächter.

Frantek hatte einen hellblauen Opel Kadett mit dem fuhr er jeden Samstag ins Puff nach Würzburg. Insgeheim wurde er von den Männern des Dorfes beneidet, weil er diese Ausflüge ohne jegliche Heimlichtuerei unternahm. „Brauch ich Auto für irgendwas, oder?“

Besonders am Nachmittag ging es bei den Jagden zunehmend lockerer zu: Schnaps, Bratwürschd, Bier und „nuch a Schnäbsla“ machten träge und man nahm es nicht mehr so genau mit den Vorschriften, besonders bei den Hasenjagden, wo man mit feinem Schrot die Beute erlegte.

Und es begab sich, dass ein Schütze dem Schorsch versehentlich eine Ladung Schrot auf dem Hosenboden dessen Lederhose entlud. Das war nicht gefährlich, geschmerzt hat es aber doch.

Und so brach der Schorsch das Treiben ab, drehte um und stürzte Rache suchend auf den Mordsschützen zu. Der blieb ganz ruhig stehen und schaute dem Wütenden in die Augen.

Als dessen heißer Atem schon zu spüren war, hob der Schütze die Hand und sagte:

„Schorschla, du wennst kann Spaß verstehsd, bleist daham!“

Bier, Tarock, Kerzerl und der Brunnen

„Hier ist Pitiusas Internacional, die deutschsprachige Sendung von Radio Popular de Ibiza. Heute fangen wir mit einem der neusten Songs auf den Bestenlisten an: Wuthering Hights, von Kate Bush“. Juan im Kontrollraum setzte die LP gerade in Bewegung, da klingelte das Telefon. Juan stellte das Gespräch zu mir durch, er habe nicht verstanden, der Mann spreche nur deutsch.

Es war eine sonore Stimme mit Allgäuer Akzent. Ich wurde gebeten, eine Suchmeldung durchzugeben, der sechzehnjährige Sohn sei verschwunden. Die Mutter, er und der Sohn seien erst gestern zum Osterurlaub nach Ibiza gekommen.

Ich war damals unter anderem Radiosprecher auf Ibiza. Es war nichts Ungewöhnliches, etwas über das Radio auszurufen, Telefone gab es 1979 noch fast nirgends auf der Insel:
„Edith, der Kamin-Frieder lässt ausrichten, dass er den Lederhosen Rudi zum Abendessen mitbringt. Hau noch ein paar Kartoffeln mehr rein.“ Das war üblich. Aber, dass jemand verschwunden war, das gab es noch nicht. Ich verabredete mich mit dem Vater in Ullas Bar, wo sonst? Über das Radio berief ich eine Konferenz dort ein, und alle erschienen, bereit, den jungen Mann zu suchen.

Der Vater, der Typ „gstandnes Mannsbild“ mit einer Frau und tausend Weibern, Jäger, Unternehmer, Bayerischer Verdienstorden. Die Frau ein verschüchtertes Hascherl, die sich längst mit allem abgefunden hatte, auch damit, dass der Basti jetzt halt erwachsen werde.

Der Vater hatte in Ullas Bar erstmal eine Lokalrunde geschmissen und uns dann die Lage erklärt: Es sei ganz klar, der Sohn sei dem „genius loci“ (sic) verfallen, habe sich auf das gemietete Mofa geschwungen und „a Madl gfundn, war ja Zeit au!“ Die Mutter aber sei so besorgt, dass er uns, nur damit er seine Ruh habe, um Nachsuche bäte. „Ulla noch a Runde“.

Wir suchten noch in der Nacht in den einschlägigen Etablissements und fanden nichts. Am kommenden Morgen suchte mich die Mutter auf und weinte sich aus. Der Bub sei doch so zart, an Mädchen sei er doch noch gar nicht interessiert, der Vater erwarte vom Sohn, er solle so sein wie er, aber das sei er nicht, die Heilige Jungfrau werde es schon richten, und ob sie denn bitte einmal mein Telefon benutzen dürfe. Sie rief eine Kartenlegerin in Buchloe an, die ihr versicherte, die Karten sagten, der Sohn kehre zurück.

„Darf man als Katholik die Karten lesen lassen?“ fragte ich ziemlich perplex. „Ja drum geh ich ja auch jetzt in die Kirche und zünd vor der Mutter Gottes a Kerzerl an“.

Die Suche ging weiter. Zunächst schwadronierte der Vater „Das muss ja dein tolles Weib sein, an das der Basti da geraten ist.“ Am dritten Tag wurde er kleinlauter und lobte astronomische Summen aus, für den, der Basti finden würde. Derweil kam die Mutter täglich zu mir, um in Buchloe anzurufen. „Dass wir den Bub noch nicht gefunden haben, sagt die Kartenlegerin, kann auch an der geographischen Verschiebung liegen, weil, die Karten, die legt sie in Buchloe, „und mir, mir sann halt da herunten“. Weder das tägliche Kerzerl, noch die allabendlochen Lokalrunden „chez Ulla“ brachten den Basti zurück.

Der Vater brach innerlich zusammen und gab den Sohn verloren – wenn er viel Bier getrunken hatte. „Ich brauch doch einen Erben für die Molkerei! Herr Radiosprecher! Wenn’s nix dagegen ham, ich adoptier Sie“. Der Herr Radiosprecher nickte, denn er hatte das Merkblatt für die Behandlung Betrunkener gelesen.

Und dann beschwerte sich ein englischer Tourist in Port des Torrent darüber, dass sein „breakfast tea“ schlecht schmecke. Der Oberkellner roch an der Tasse und rümpfte die Nase. „Das Wasser stinkt, einer muss in den Brunnen steigen, da ist sicher wieder ein streunender Hund reingefallen.“

Es war kein streunender Hund, es war der Basti. Nachbarn hatten schon lange moniert, dass der Brunnen des Hotels nicht abgedeckt war.

 

Das NPD Urteil und die Theorie der „cuatro gatos“.

Großes Entsetzen wegen des Urteils zum NPD Verbot. Die wichtigsten Kommentatoren des Landes schütteln den Kopf. Der informierte Bürger ist entsetzt, sieht gar das Andenken der Opfer des Nationalsozialismus befleckt.

Das Verfassungsgericht hat die Sauerei nicht verboten! Für Viele reduziert sich das Urteil auf diesen sehr verständlichen Satz. Ja, diese Nazis dürfen mit ihrer Sauerei fortfahren.

Aber halten wir die Empörung doch bitte getrennt von dem, was das Verfassungsgericht geurteilt hat.

Es stand zur Entscheidung ob das Grundrecht auf Meinungsfreiheit (Artikel 5 GG) höher steht, als das Recht des Staates, sich vor verfassungsfeindlichen Parteien zu schützen (Art 21 GG).

Ob und wie eine Partei verboten werden kann, regelt das Parteiengesetz. Aus der Systematik wird schon klar, dass das Recht der Meinungsfreiheit, wie gesagt ein Grundrecht, höher steht als das, was das Parteiengesetz regelt.

Die Demokratie muss also schon ganz schön in Gefahr sein, damit eine Partei verboten werden kann.

Die NPD ist das, was man in Spanien „cuatro gatos“, vier Katzen nennt. Also eine durchaus überschaubare Anzahl von Menschen. Diese verfechten verfassungsfeindliche Ziele, okay. Aber sie alle zusammen sind derzeit keine Gefahr für Demokratie und Rechtsstaat.

Wie wichtig ist doch das Wort „derzeit“!

Wenn ich einer von der AfD wäre, würde mich das Urteil ganz erheblich erschrecken: Die Afd ist nicht bedeutungslos, und dass in ihr Verfassungsfeinde arbeiten, ist gerade nach dem Auftritt des AfD Mannes Höcke in Dresden am 17. Januar mehr als offenbar.

Für mich ganz ganz deutlich hat das Verfassungsgericht hier einen Hinweis gegeben:

„Solange verfassungsfeindliches Tun von „cuatro gatos“ betrieben wird, ist das zwar nicht toll, rechtfertigt aber unser Eingreifen nicht. In einer Zeit heranwachsender neuer rechter Kräfte kündigen wir aber jetzt schon an, dass für den Fall dass Verfassungsfeindlichkeit und Bedeutung zusammenkommen, wir sehr wohl einem Antrag auf Verfassungsverbot nachkommen werden“.

Das ist ein beruhigender, ein wunderbarer Eingriff in die Tagespolitik. Seien wir froh, dass wir in einem Land mit einem solch starken Verfassungsgericht, in einem Land mit so gefestigter Demokratie, einem Rechtsstaat leben, der die Ruhe bewahrt.

Vive le Verfassungsgericht!

Schirm und Mund halten

Die männlichen Glieder der Familie Rotenhan haben sich militärisch fast nie hervorgetan. Schön brav zu Hause blieben sie im Dreißigjährigen Krieg, wurden aber in dessen Folge, sehr zu meinem Ärger, evangelisch. Das war politisch opportun, sonst aber nichts.

Auch in den napoleonischen Kriegen tat sich niemand militärisch hervor, man trauerte der verlorenen Reichsunmittelbarkeit und dem verlorenen „Souveränitätl“ nach. Offenbar war das Beschäftigung genug.

Die Bedeutungslosigkeit der Familie Rotenhan ist geradezu legendär. Mein Vater redete sich die Sache schön, als er behauptete, nur bedeutungslose Familien schafften es, 800 Jahre alt zu werden. Damit hatte er insofern Recht, als im Lauf der Geschichte, niemand je auf die Idee gekommen ist, auf die Rotenhans neidisch zu sein und ihnen am Zeug flicken zu wollen.

Doch dann kam das 19. Jahrhundert!

Die großen Konflikte waren ausgeräumt, Europa in eine neue Form gegossen. Wie wir heute mit unserer Nachkriegsregelung dachten die Menschen, der Wiener Kongress habe zwar nicht alles gut geregelt, dafür aber dauerhaft.

Dauerhaftigkeit ist der Feind der Evolution, und nach dem 20. Januar werden wir Gelegenheit haben, dies hautnah miterleben zu dürfen.

Aber bleiben wir im vermeintlich friedlichen 19. Jahrhundert. Da war nach Napoleon zunächst so wenig los, dass sich sogar Rotenhans aus der Dickung wagten. Man wurde Politiker, Staatsbeamter und auch eben Soldat. Plötzlich wimmelte es nur so von Hauptmännern, Oberstleutnants, ja Obristen. Bei festen und Familientreffen sah man Orden, und Lametta, denn einige der Töchter hatten sogar Generäle geheiratet. Man war stolz auf die bedeutenden Schwiegersöhne. Es bohrte aber ein Stachel im Fleische der Familie: Wo blieb der General Rotenhan?

In der Not frisst der Teufel Fliegen, und als Onkel Ludwig am Ende doch noch General wurde, zwar nur der Infanterie und zu allem Elend auch noch im bayerischen Heer, atmete man auf und sah sich endlich aufgenommen in den Kreis der Familien, die das Geschick der Welt auf dem Felde der Ehre formen.

Der Bundeskanzler Erhard hat einmal zum Entsetzen der Presse gesagt „Wir sind wieder wer!“. Damals sagten Rotenhans: „Wir sind wer!“

Die Beförderung zum Generalmayor geschah im Jahre 1905. Schon ein Jahr später reichte Onkel Ludwig seinen Abschied ein. Offenbar hatte es sich bei der Generalswerdung um den sogenannten „goldenen Händedruck“ gehandelt.

Einer der Schwiegersöhne, Wilhelm Freiherr von Egloffstein, war preußischer General, auch nur der Infanterie, dennoch er galt etwas in der Familie. Bis zu dem Tag, als man in Rentweinsdorf eine „Sommerpartie“ vorhatte. Mehrere Leiterwagen mit je zwei Pferden fuhren auf den Schlosshof und Tante Else, die Generalin, organisierte die Verladung von Proviant und Personen. Geschrei und Durcheinander wurden von der durchsetzigen Dame im Zaum gehalten, als etwas Außergewöhnliches geschah: Jemand wagte es, sich einzumischen. Onkel Wilhelm, der Gemahl und General schlug vor, die Kisten mit dem Kirschsaft in den gedeckten Wagen zu laden, wegen der Sonne und so.

Da drehte sich Tante Else zu ihm um, drückte ihm etwas Längliches in die Hand und verwies ihn mit knappen Worten auf den ihm gebührenden Platz:

Du hältst den Schirm und den Mund!