ARD Musikwettbewerb

Anfang der 70er Jahre hatte ich das Vergnügen, beim ARD Musikwettbewerb in München teilnehmen zu dürfen. Es ist dies einer der renommiertesten Wettkämpfe unter Musikern der Weltklasse. Aus letzterer Erklärung ergibt sich, dass ich dort weder gesungen noch gefiedelt habe. Meine Aufgabe war profaner aber überaus lustiger Natur: Ich fuhr den Shuttle-Bus: Rundfunkhaus – Musikhochschule – Studentenheim in Freimann – Musikhochschule – Rundfunkhaus. Ich musste die Teilnehmer hin und her kutschieren und der Kontakt mit ihnen ließ mich in eine bisher für mich fremde Welt einzutauchen. Natürlich war es toll, die Juroren kennen zu lernen, ich erinnere mich an Benny Goodmann und René Kollo. Nachhaltiger haben mich aber die wettkämpfenden Musiker beeindruckt. Da war der Sänger aus der DDR, der mir erklärte, er trage im Gegensatz zu Geigern usw. sein Instrument im Körper. Deshalb müsse er diesen ganz besonders pflegen. Er therapierte ihn mit saisonalem Zwetschgendatschi und Schlagsahne.

Mein besonderer Freund wurde John, ein US Percussionist. Einmal ging ich mit ihm durch den Hertie, wo er auf jeden Topf haute, weil er seinem Solo für Trommel, Pauke und Haushaltsgegenständen noch eine spezielle Ton Note geben wollte. Er kaufte schließlich eine sensationell hässliche Salatschüssel, aber der Klang, ich sage euch, der Klang… Er litt sehr darunter, dass seine Freundin Linda in den Staaten bleiben musste. Dieser Leidensdruck entlud ich eines schönen Nachmittags in dem Schrei: “I am so horny, I coud fuck a door“. Abends habe ich mir dann den Satz anhand des „Oxford Advanced Learner‘s Dictionary of Current English“ zusammengepfriemelt und war entsetzt.

John gewann den 2. Preis und musste deshalb im Herculessaal beim Abschlusskonzert vorspielen. Es stellte sich heraus, dass er nur einen Pullover zwei Jeans, eine für „casual“ und eine für „dressing up“, sowie Turnschule dabeihatte. An den Jeans war nicht zu rütteln. Immerhin kaufte er sich, wieder bei Hertie, hellbraune Lederschuhe und spielte das Konzert in der Jacke, in der ich später mein Jura Examen ablegte.

Ganz viele Sängerinnen kamen von der Julliard School in New York und ganz viele unter ihnen waren Jüdinnen. Das merkte ich daran, dass sie in der Leopoldstraße Ecke Elisabethstraße immer giggelten. Dort befand sich damals ein Juwelier, der für sich in Leuchtreklame warb: UHREN – SCHMUCK. Ein jüdischer Oboist klärte mich auf, dass Schmuck, auch Schmock ausgesprochen, die Zierde des Mannes sei. Ich machte in gewisser Weise einen Crash-Kurs mit. Besagter Oboist gewann später den ersten Preis. Sein schärfster Widersacher war ein britischer Oboist, der schon im zweiten Durchgang wider aller Vorhersagen scheiterte. Ich hatte von Anfang an vermutet, er werde überschätzt. Seine Oboe hatte goldene Klappen. Nach seiner Niederlage saß er vollkommen erschüttert und fassungslos in meinem Bus. Auf der Höhe der Münchner Freiheit tropften dann näselnd folgende Worte von seinen Lippen: „There are two things in my live I have no control about at all. One of those is my oboe.“

Ein weiterer Trommler aus den USA war Rocco. Man erwartete ihn mit Spannung, denn er hatte mitgeteilt: „I play the gerkin.“ Keiner wusste Bescheid. Wieder kam mein Oxford Advanced…zum Einsatz. Am nächsten Morgen verkündigte ich im Sekretariat: „Rocco spielt die Gurke.“ Nachmittags traf Rocco ein, alle dachten an den imposanten Kerkermeister aus Fidelio (Bass). Es erschien aber ein quirrliger schwarzbelockter winziger Neapolitaner, der sich mit „Hi I’m Raccoe“ vorstellte. Niemand verstand ihn. Schließlich schrieb er seinen Namen auf und alle atmeten auf: „Ach, ju ahr Rocko! Wot is it wot ju pläi?“ Rocco verstand dennoch und holte aus seiner Tasche einen bunten Ratschkürbis. Xavier, der Gitarrist aus Barcelona half uns aus der Patsche: “Das ist eine kubanische Sambagurke“.

Xavier nutzte übrigens psychologische Mittel im Wettkampf: Seiner Mitstreiterin aus Israel erzählte er, dass die Musikhochschule, wo sie ein Übungszimmer zugewiesen bekommen hatte, ein ehemaliger Nazi Bau sei. Ich vermahnte ihn, das doch wirklich unnötig, geschmacklos und unfair, worauf Xavier nur sagte: „You know, I have got a sardonic sense of humor.“

Deutschland ist unsolidarisch

Sie zahlen am meisten nach Brüssel. Stimmt. Und sie sind auch sonst überall die Größten, „die Mehrsten“ und die Wichtigsten. Angesichts existierender und heraufziehender Rechtsregierungen in Europa wir Bundeskanzlerin Merkel die Funktion des demokratischen Korrektivs zugeschoben. Gar nicht auszudenken, wenn sie nicht wiedergewählt würde.

Ja, Deutschland ist wichtig und die Bundesregierung ist es auch. Allerdings entgeht demjenigen, der immer nur deutsche Presse liest und deutsche TV Nachrichten sieht, dass Deutschland sich innerhalb der Eurozone nicht solidarisch verhält. In der Griechenlandkrise haben sich deutsche Politiker zu den Gralshütern der Einhaltung der Stabilitätskriterien aufgemandelt und geflissentlich vergessen, dass Deutschland mehrmals dagegen verstoßen hatte.

Wenn es den deutschen Interessen genehm ist, dann darf die Inflationsschraube durchaus ein wenig gelockert werden, sonst aber ist nur der Gedanke daran schon Teufelszeug.

Es darf ja nicht vergessen werden, dass die Krise in den sogenannten PIGS Staaten (Portugal, Italien, Griechenland Spanien) auch dadurch entstanden ist, dass zumal deutsche Banken schrankenlos Kredite in diese Länder gepumpt haben. Das hat den Konsum und die Investition stark angekurbelt.

Und dreimal darf der geneigte Leser raten, wer denn in Europa Konsum- und Investitionsgüter herstellt? Erraten!

Jeder Euro, den Deutschland zur Rettung Griechenlands mitbezahlt, ist eine Kleinigkeit gemessen an dem, was die deutsche Wirtschaft und in Folge der deutsche Fiskus am Griechenlandexport verdient haben. Gleiches gilt für Spanien, Italien und Portugal.

Aber unterdessen war Deutschland daran interessiert, die Inflation im Euroraum klein zu halten und deshalb kam es in den anderen Euro Ländern zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die sich in erster Linie in großer Arbeitslosigkeit bemerkbar machten.

Während in einigen Euro Ländern die Jugendarbeitslosigkeit auf 50% stieg, sang man in Deutschland das Lied: “Wir haben ja noch China, trallala.“

Vom stabilen Euro profitiert in erster Linie Deutschland und deshalb wird durchgesetzt, dass es unter keinen Umständen irgendwo einen Schuldenschnitt gibt, obwohl alle genau wissen, dass die Schulden mancher Länder niemals zurückbezahlt werden können. Sie wirken als Hemmschuh für eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung, und unter gesund verstehe ich, dass alle, die Arbeit suchen, auch welche finden.

In Deutschland wird vergessen, dass der eigene Wohlstand auch damit erkauft wird, dass in anderen Ländern verlorene Generationen (im Plural) existieren. Menschen also, die keinerlei Perspektive haben, durch eigenes Tun zu überleben, zu prosperieren und keine Ahnung davon haben, was es ist, ein erfülltes und glückliches Leben zu führen.

Davon erfährt man wenig, wenn man sich aus deutschen Quellen informiert. In den übrigen Ländern aber wächst der Unmut. Man merkt dort, dass die eigene Politik nicht mehr selbstbestimmt ist. „La Merkel“ ist dann die Personifizierung des Übels und Deutschland ist gemeint.

In seiner Geschichte war Deutschland lange Zeit ein zerstrittener Haufen kleinerer und größerer Staaten. Und das war gut so, denn jedes Mal, wenn Deutschland geeint war, wurde es zur Gefahr für seine europäischen Nachbarn.

Es ist bitter, aber es ist ein großes Stück Wahrheit dran, wenn man sich anhört, was Aldo Moro, François Mauriac und andere gescheite Menschen über Deutschland vor der Wiedervereinigung gesagt haben:

„Ich liebe Deutschland. Ich liebe es sogar so sehr, dass ich froh bin, dass es zwei davon gibt.“

Es wird zunehmend Aufgabe deutscher Politik sein, neben der Wahrung der eigenen Interessen auch die der europäischen Partner im Blickfeld zu haben.

Bring das mal einen AfD Wähler bei!

El Gran Pecador

Der große Sünder

Jahrelang habe ich mit Toni Buades Wand an Wand in der gleichen Kanzlei gearbeitet. Er ist eine unerschöpfliche Quelle an herrlichen Geschichten aus Mallorca. Hier eine meiner liebsten, die ich, so glaube ich, schon mal irgendwo erzählt habe.

Toni war der älteste der Enkel seines Großvaters und wahrscheinlich deshalb hatte dieser eine Vorliebe für ihn. Jeden Sommer, wenn es in Palma zu heiß wurde, zog der Großvater ins Kloster Lluch droben in den Bergen. Seinen Lieblingsenkel Toni nahm er mit. Man wohnte sehr angenehm in der für den Abt vorgesehenen Wohnung mit Blick auf den Klosterhof. Großvater und Enkel verbrachten die Tage mit kleinen Exkursionen, die der alte Herr zum Anlass nahm, dem Buben die Natur zu erklären, die Sagen der Insel zu erzählen, zu spielen und Späßchen zu machen. Er muss ein hingebungsvoller Großvater gewesen sein, der ganz darin aufging, mit seinem Enkel schöne Tage in der unberührten Natur des Tramuntana Gebirges zu verbringen.

Doch allabendlich senkte sich eine dunkle Wolke über das Idyll, denn nach dem Abendessen wurde Toni ins Bett gebracht und nachdem er ihm den Gutenachtkuss gegeben hatte, sagte der geliebte alte Herr: „Reza Toni, reza, porqué tu abuelo es un gran pecador.“ „Bete, Toni, bete, denn dein Großvater ist ein großer Sünder.“

Gehorsam betete Toni, er betete und machte sich Sorgen. Wird er in die Hölle kommen? Hilft es, wenn ich ein weiteres Ave María bete, obwohl ich doch schon so müde bin? Und überhaupt, wie kann ein so liebevoller Großvater ein großer Sünder sein? Er macht doch nichts Böses!

Am nächsten Morgen zwitscherten die Vögel wie gewohnt, der Großvater lächelte und die beiden machten Pläne für den Tag, der unbekümmert und fröhlich verlief, hätte Toni nicht ab und zu an den Abend denken müssen. Und auch an diesem, wie an jedem anderen, bekam er einen Gutenachtkuss und wurde dann aufgefordert, für den großen Sünder zu beten.

Die Jahre gingen dahin, aus Toni wurde ein Rechtsanwalt und eines Tages starb der Großvater. Das Testament wurde eröffnet und darin stand unter anderem ein Legat für eine Dame, die niemand in der Familie kannte. Toni, der Jurist, wurde damit beauftragt, die Vermächtnisnehmerin ausfindig zu machen, damit man ihr den hübschen Geldbetrag zukommen lassen konnte. Während Toni suchte, rätselte die Familie, was es denn wohl mit dieser unerwarteten Geschichte auf sich haben könnte. Nach heftigem Suchen fand Toni die Dame in einer bescheidenen Wohnung in Palmas Altstadt.

Zu seinem großen Erstaunen, erkannte sie Toni sofort wieder und redete ihn mit seinem Vornamen an.

Es war die ehemalige Köchin des Abtes von Lluch.

Jethro Tull

Vor 45 Jahren füllte die Band Jethro Tull die Stadien und Hallen auf der ganzen Welt. Die jungen Frauen waren alle in Ian Anderson verknallt, der dürr wie ein Storch auf einem Bein stehend Querflöte spielte, wie man das vorher noch nie gehört hatte. Die jungen Männer fanden den Rock ‚n’ Roll gut und irgendwie, das mussten selbst sie zugeben, hatte der „lead singer“, dieser einbeinige Storch, schon etwas, was selbst harte Jungs in seinen Bann zog.

Die Jahre vergingen, es wurde still um die Band und dann, plötzlich, rief Ian Anderson und alle alle kamen nach Düsseldorf. Brigitte und ich reisten mit dem Zug aus Berlin an, in dem viele ganz normale alte Menschen saßen. Mein Bruder stieß aus Bremen dazu und auch er hatte ein Mehr an alten normalen Menschen festgestellt.

Diese alten Menschen trafen wir abends alle vor und in der Mitsubishi Halle (ich dachte, die machen Autos) wieder, nur da waren sie schon nicht mehr normal. Viel Leder, sichtbare Tätowierungen und verchromte Ketten, verknautschte Kopfbedeckungen und klobige Stiefel, auch bei den Damen. Allerdings das passte alles nicht zu dem Publikum, das man sich beim storchenbeinigen Ian Anderson vorstellte. Man war eben in die Jahre gekommen und das Outfit hatte um die Hüften nachgerüstet werden müssen. Und da man ja unterdessen beruflich erfolgreich war, gab man gleich ein neues in Auftrag. Klar, der Lederjacke fehlte der Geruch von offenem Feuer und Getriebeöl und das edle Parfum der Damen hätte man sich früher wohl auch animalischer vorstellen müssen. Einige Herren hatten sogar ihr Stirnband von damals mitgebracht.

Ein Maskenball Arrivierter dachte ich, der ich zu meiner Schande gestehen muss, das dies mein erstes Rockkonzert war, das ich je in meinem besuchte. Nicht die anderen waren seltsam, vielmehr war die „aves rara“ ich. Das fiel aber nicht sonderlich auf.

Bevor es losging, machte ich mir das Vergnügen, heiteres Beruferaten zu spielen. Zu meiner Linken, eine leitende Oberstaatsanwältin mit ehelichem Ministerialdirigenten. Sie in schwarzem Samt mit eingearbeiteten Goldkettchen, er in Fliegerjacke und Glatze. In der Reihe hinter und stämmige Männer vom Bau und weiter vorne eine langsam hysterisch werdende Frauengruppe, Ärztin, Lehrerin, Anwältin, Apothekerin etc., keine Berufsehefrau darunter.

Und dann ging es los. Ian Anderson kann nicht mehr singen. Das bewies er uns während des gesamten Konzerts durch wiederkehrende Krächzlaute ins Mikrophon. Aber er kann noch hingebungsvoll und bewundernswert Querflöte spielen. Er hüpfte, hampelte und dirigierte auf der Bühne herum, dass es eine Freude war. Es wurde dabei offenbar, dass seine vormalige Storchenhaftigkeit an extremer Unterernährung gelegen haben muss, denn heute ist er ein ganz normaler kurzbeinger Engländer. Wenn er auf der Bühne herumfuhrwerkte, erinnerte er mich an Shylock.

Die zum Teil sehr schönen Songs waren vorher mit guten Sängerinnen und Sängern aufgenommen worden und wurden nun auf der Bühne per Video dazu gespielt. Die Fans nahmen das hin, sie wollten ja nur die alten Lieder wieder hören. Die Jungen, die Ihre Elter begleitet hatten, trafen sich peu à peu vor der Halle zu Zigarettchen und waren sich ziemlich bald einig, dass das ja gar nicht ginge.

Derweil ging vor mir das Publikum ab, wenn es sich denn benahm. Vor mir, ein Paar, er Polizist, er Friseur. Der erheblich jüngere Polizist machte irgendwann schunkeligen Bewegungen. Sofort wurde er abgemahnt: Fingerschnipsen und Rhythmus geben, mehr is nich.

Und als „Locomotive breath“ drankam, strömten die Unentwegten wie damals nach vorne um Ian aus der Nähe anzufeuern. Sie hatten nicht mit dem Ordnungsdienst gerechnet.

Mir ging unterdessen die laute Band auf die Nerven. Es hätte mich stutzig machen müssen, dass an der Garderobe Gehörschutz angeboten wurde.

Jeder Song fing damit an, dass auf der Videowand eine Maid oder ein Knabe gar lieblich sangen und dann hackten der Drummer, der an der E-Orgel und die beiden Gitarristen rein, dass einem Hören und Sehen verging.

Churchill hat mal das Golfspiel so definiert: „A nice walk – spoiled.“

Abgewandelt ist das auch mein Resümee des Konzertes: „Nice songs – spoiled.“

 

„Alles was das Böse benötigt, um zu triumphieren,ist das Schweigen der Mehrheit.“ (Kofi Annan)

 

Jeder von uns bekommt ja nur einen Teil dessen mit, was auf facebook oder anderswo los ist. Manchmal kann man darüber nur froh sein, denn es gibt dort ja nicht nur Selbtspromoter, Tierfreunde, Philosophen oder Naturbewunderer, sondern auch Mitmenschen, die ihre Meinung kundtun. Das ist gut und wird vom Artikel 5 des Grundgesetzes garantiert.

Vergessen wird oft der Absatz 2 des Artikels 5. Hier kommt er:

„Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.“

Ich finde es unerträglich wie manche Mitmenschen sofort hochagressiv losbelfern, kaum wird ihnen das Stöckchen Merkel, Bischof, Asylant, Islam oder Grüne hingehalten.

Die eigene Meinung darf und soll jeder ausdrücken. Es hat aber nichts mit freier Meinungsäußerung zu tun, wenn sofort Hirnamputation, Verbrechertum, Volksverrat oder sexuelle Anspielungen losgetreten werden.

Ich möchte dazu aufrufen, diesen „posts“ entgegenzuwirken. Wir sollten derlei nicht unkommentiert vorbeirauschen lassen, denn damit verleihen wir dem Zeug eine gewisse Legitimation. „Wer schweigt, stimmt zu!“ Das wussten schon die alten Römer.

Allerdings halte ich nichts davon, auf Rechtschreib- oder Interpunktionsschwächen hinzuweisen. Auch die manchmal deutliche Unterbelichtung des Hetzers muss nicht manifest gemacht werden. Damit zeigt man nur, wie toll man selber ist und verfestigt den Brass des Autors nur noch.

Ich schlage vor, dass möglichst alle bei jedem Hassbeitrag, bei jeder Verschwörungstheorie, bei jeder Herabwürdigung anderer einen freundlichen Kommentar schreiben, in dem steht, dass niemand etwas gegen die freie Meinungsäußerung hat, dass es aber ein Gebot des Anstandes ist, diese in einer Weise vorzubringen, dass dadurch andere weder beleidigt noch bedroht werden. Es ist auch durchaus möglich im gegebenen Fall auf die Strafbarkeit von Beleidigungen hinzuweisen. Wichtig ist nur, nie den freundlichen und objektiven Ton zu verlieren.

Klar, wer da mitmacht, setzt sich Anpöbelungen aus. Da allerdings gilt das das gute alte bayerische Sprichwort: „Gar ned erschd drauf ignoriern!“

Es gibt aber auch unerwartet erheiternde Antworten, zum Beispiel, dass eine üble und beleidigende Meinungsäußerung durchaus legitim sei, da es sich dabei um die künstlerische Freiheit des Verfassers handele.

Es kann auch sein, dass man eine Übung in „Erkenne dich selbst“ mitmacht, Ich wurde schon arrogant, Großkotz, unwissender Degenerat und Naturtrottel tituliert.

Man wird es nicht glauben, aber ich habe sogar schon darüber nachgedacht, ob da was dran sein könnte!

 

Ferdinand und die Ismen

Mein Vater hatte einen Patensohn, Ferdinand. Als kleiner Bub bis Heranwachsender besuchte er seinen Patenonkel immer wieder. Der damals schon ältere Herr war gleichzeitig gerührt und dankbar. Das kam auch daher, dass Ferdinand immer wieder Fragen stellte, die zu beantworten, meinem Vater Spaß machte.

Wir saßen beim Mittagessen, ich war damals schon Student und eher zufällig zu Hause, als Ferdinand fragte, was denn das für komische Begriffe seien, die mit -Ismus aufhören.

Die Generation meiner Eltern war natürlich ebenso ideologisch indoktriniert, wie wir das freiwillig waren, bei ihnen war es wohl eher Zwang. Mein Vater, 1917 geboren, hatte die weltanschaulichen Kämpfe der Weimarer Republik miterlebt. Sozialismus, Kommunismus, Pazifismus, Militarismus und sein Anti-dazu, all das hatte er selbst gesehen und war dann ohne sein Zutun im Nationalsozialismus gelandet. Er war in der Nazizeit fast immer Soldat gewesen und redete sich damit heraus, die Wehrmacht sei unpolitisch gewesen, was natürlich Unsinn ist.

Es mögen die erwähnten Erfahrungen gewesen sein, die ihn zu einem entschiedenen Gegner aller Ideologien machten, besonders dann, wenn diese im Geruch der Linkslastigkeit standen. Damit einher ging eine tiefe und gelebte christliche Frömmigkeit.

Ferdinands Frage kam meinem Vater daher wie das Wasser auf die Mühle.

Er begann mit dem Absolutismus, sein Urteil war durchaus wohlwollend.

Nihilismus, wie der Name schon sagt, is nix.

Existentialismus, das ist was für französische Studenten, die in Kellern Chansons anhören.

Liberalismus, gut und schön, solange es nicht in Libertinage ausartet.

Pazifismus, funktioniert nicht.

Sozialismus, immerhin gibt es ein paar fromme Sozis, sonst aber abzulehnen.

Kommunismus, die wollen uns enteignen, das Feindbild schlechthin, schau doch in die DDR.

Atheismus, arme Menschen, denn sie wissen nicht, was ihnen entgeht.

Panslawismus, hat zum ersten Weltkrieg geführt.

Calvinismus, verirrte Abweichung von Luther, wie der -ismus schon zeigt.

Egoismus, nur erlaubt, wenn es „gesunder Egoismus“ ist.

Arianismus, wie kann man sich wegen eines Jota streiten?

Terrorismus, Bader-Meinhof.

Fanatismus, na das erklär ich doch, alle Ismen sind Fanatismen.

Feudalismus, naja, das ist mal eine Ausnahme, da stecken ja schließlich die Wurzeln der Familie. Ohne den Feudalismus gäbe es das Rentweinsdorfer Schloss nicht!

Optimismus, ganz schlecht, Die optimistischen Offiziere haben ihre Soldaten oft ins Unglück gestürzt.

Expressionismus, seit wann sind Pferde blau?

Zynismus, da schau den Hans an, der ist ein Zyniker.-(Ich bin überzeugt, dass Ferdinand bis heute denkt, Zyniker sei ein etwas dicklicher brillentragender Student.)

Er beschloss seine Litanei damit, dass die Anhänger der -Ismen eben der Sozial-ist, der Pazif-ist oder der Ego-ist und so weiter am -Ist am Ende erkennbar seien.

Hast du das verstanden, Ferdinand?

Während der Bub überlegte sagte ich in die Stille hinein:

„Und der Chr-ist“.

In den Augen meines Vaters war ein Zornesblitzen zu ahnen, Ferdinand aber lachte.

 

 

 

Sprachschwierigkeiten

Auf Ibiza hat man keine Nachnamen, deshalb bekamen, den Ibizencos gleich, auch deutsche Residenten einen Beinamen:

Der Objekte Horst schuf mit den Korken der ausgetrunkenen Flaschen Kunstwerke, der Friedhofs Klaus wohnte dort, es gab den Sülzen Hans, die Dackel Marta, die mit dem Kneipen Rolf zusammenlebte, die (hinter ihrem Rücken) Schuppen Agnes und den Schnittlauch Friedhelm. Letzterer versuchte den Insel-Markt mit Schnittlauch zu überschwemmen, was aber an Bodenbeschaffenheit und Klima scheiterte.

Alle vereinte sie, dass sie fanden, spanisch müsse man nicht lernen.

Ich war einer der wenigen deutschen Residenten, der spanisch sprach und wurde daher öfters zu niederen Übersetzungsdiensten missbraucht.

Eines Tages kam die Dackel Marta zu mir und bat, ihr zu helfen. Es kratze sie und sie müsse zum Frauenarzt. „Aber spanisch kann ich nicht und der Rolf darf nichts davon erfahren.“

Ich habe zwar einen Bruder, der Gynäkologe ist, bin aber fachlich nur insoweit eingeweiht, als er mich am Telefon übersetzen lässt, wenn peruanische Prostituierte bei ihm zur Reihenuntersuchung zwecks Erhalts des „Bockscheins“ kommen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse würden mir helfen, dachte ich, und so machten wir uns auf den Weg gen Ibiza Stadt. Der Dackel blieb zu Hause.

Doctor Eguineche hatte eine Riesenpraxis in der Avenida España. Wie bei Zahnärzten reihte sich Behandlungszimmer an Behandlungszimmer.

Marta wurde aufgefordert, sich frei zu machen und sich auf den gynäkologischen Stuhl zu setzen, was sie auch tat. Ich versuchte, mich möglichst am Kopfende aufzustellen und bemerkte, dass die Tür zum Gang offen war. Ich schloss sie. Sofort wurde sie von der Arzthelferin wieder aufgerissen „Hay mucho perverso aquí“ blaffte sie mich an.

Ich riet nun der Dackel Marta, sich normal hinzusetzen, denn der gynäkologische Stuhl war auf den Gang hin ausgerichtet.

Nach einer halben Stunde Wartens kam Doctor Eguineche und wollte wissen, ob ich der Ehemann sei. Nein, nur der Übersetzer. Ich aber wollte wissen, weshalb die Patientinnen der unwürdigen Prozedur der offenen Tür unterworfen würden, worauf er nur murmelte, ibizencische Ehemänner seien sehr eifersüchtig.

Nun gut, ich blieb bei meiner Stellung, der Kopfendenstellung, und erfuhr, dass eine Paarbehandlung notwendig sei. Der Arzt übergab mit ein Rezept mit der Mahnung, den Ehemann zu instruieren.

Auf der Fahrt übersetzte ich noch einmal, was Doctor Eguneche gesagt hatte. Die Dackel Marta wurde immer kleinlauer.

„Der Rolf darf davon nichts erfahren, das hab ich doch beim Reusen Fritz aufgelesen.“ Auch er war Künstler, benutzte allerdings Reusen statt Flaschenkorken.

„Es nützt aber nichts, wenn dein Rolf nicht mitmacht, sonst steckt ihr euch nur andauernd gegenseitig an.“

„Aber mach es schonend, der Rolf weiß nichts von meinem Besuch beim Frauenarzt.“

Am nächsten Tag suchte ich Rolf zu einer Zeit in seiner Kneipe auf, zu der ich annahm, wir würden allein sein. Ich erzählte ihm die Geschichte, dass es die Dackel Marta gezwickt habe und dass ich zwecks Übersetzung mit ihr zum Arzt gefahren sei. Und nun sei eben eine Paarbehandlung notwendig und da sei es wichtig, dass er mitmache.

„Ich hab’s doch gewusst…“ brach es aus ihm heraus. Er schimpfte auf die Frauen und zu meiner Anfangs-Verwunderung ganz besonders auf die Schuppen Agnes.

„Bei der hab ich das doch aufgelesen“, beschloss er seinen Ausbruch.

„Sag bloß der Marta nix davon, ich werd ihr das schon irgendwie verklickern, unser Brunnen führt kein gutes Wasser oder sowas, mir wird schon was einfallen.“

Tage später fragte mich die Dackel Marta, wie ich das denn mit dem Rolf hinbekommen hätte. Der sei ganz friedlich, nett wie nie, und die Partnertherapie mache er auch ganz brav mit.

 

 

 

Schöne Aussichten!

Renzi scheitert mit seinem Referendum und tritt ab.

In Österreich wird Hofer gewählt.

Le Pen schafft es nicht nur in die Stichwahl, weil das alte Bündnis „alle gegen den Front National“ diesmal nicht mehr funktioniert.

Theresa May merkt, dass das mit dem Brexit fast unmöglich ist. Ihre Regierung wackelt.

Die spanische Regierung scheitert.

In Berlin reicht es wieder nur zu einer großen Koalition.

Die apokalyptischen Reiter rasen durch meinen Kopf. Ich will ja nicht behaupten, dass all diese möglichen Entwicklungen Folge des Aufatmens des totgeglaubten Rechtsnationalismus sind. Aber ohne die Wahlerfolge der AfD in Deutschland, der SVP in der Schweiz, der PIS in Polen und der Fidezs in Ungarn bräuchte ich mir obige Sorgen gar nicht zu machen. Diese Wahlerfolge haben „Rechts-Speech“ wieder salonfähig gemacht. Was vorher die Bande frommer Scheu verhinderten, ist plötzlich möglich: Andersdenkende, Ausländer, Randgruppen werden wieder angepöbelt, Bedrohungen übelster Art sind an der Tagesordnung. Und dann gewinnt auch noch der Trump!

Ich hatte zunächst gedacht, Vernunft, bessere Erklärungen, auf einander Zugehen, Dialog, halt das ganze Bündel an Gutmenschmethoden, die wir seit Jahrzehnten durchaus erfolgreich mit uns herumgetragen haben, würde auch diesmal wieder wirken.

Auch diesmal? Ich bemerke mit Schrecken, dass es auch vorher nicht gewirkt hat. Wir haben uns im demokratischen mehr oder weniger Verstehen, im gleichmacherischen „du darfst ja alles sagen“ und in der so geliebten intellektuellen Augenhöhe wohl gefühlt. Wir haben nicht gemerkt, dass wir schon seit Jahrzehnten an denen vorbeireden und -regieren, die bisher resigniert das Maul gehalten haben.

Jetzt ist das, was diese Mitbürger schon immer sagen wollten wieder salonfähig geworden und nun tragen sie es auch in diesen Salon.

Eine skurrile Tante von mir, beschloss immer ihre skurrilen, ja abwegigen Äußerungen mit der Bemerkung: „Man wird ja noch mal was sagen dürfen.“ „Nein, darf man eben nicht!“ brüllten wir zurück, die alte Dame war stocktaub.

Nun sind wir so weit, dass man allgemein „noch was wird sagen dürfen.“

Wir kommen zu spät mit unseren Überlegungen, wie man die Vergessenen wieder ins Boot holen kann. Die wollen gar nicht mehr rein.

Ich habe daher das sehr ungute Gefühl, dass auf absehbare Zeit unsere europäischen Demokratien brauner werden und ich hege starke Zweifel, ob sie das aushalten werden.

In der nächsten Legislaturperiode werden sich nahezu alle europäischen Parlamente mit radikalen Neulingen herumschlagen müssen, seien es im Süden linke Radikale, seien es im übrigen Europa rechte Radikale.

Ich hatte die Hoffnung, dass AfD und Konsorten an ihrer eigenen Unfähigkeit scheitern würden. Offenbar haben sie das unterdessen selbst gemerkt, und nehmen sich organisatorisch am Riemen.

Das macht alles noch viel gefährlicher.

Der Hölle Bein im Advent

Wenn die Kinder, deren Eltern beim Kufi schafften, Schlitten fahren durften, mussten wir die Weihnachtsgeschichte „auserlawendich“ lernen. Für die Kugelfischer Kinder wurde in Ebern eine Weihnachtsfeier organisiert, von der sie mit Geschenkkörben nach Hause kamen, da büffelten wir nach immer: „Und du Beddlehem efraada…“

Unser Krippenspiel fand nur wenige Tage vor Weihnachten statt, während beim Kufi die Weihnachtsfeier schon Mitte Dezember abgehalten wurde.

Meine Mutter studierte mit den Kindern derer, die bei uns in Forst, Landwirtschaft oder Brauerei arbeiten, jedes Jahr ein Krippenspiel ein, das sich textlich auf den alttestamentarischen Prophezeiungen und der Weihnachtsgeschichte aufbaute.

Ich kann bis heute alles auswendig, allerdings auf fränkisch. Meine Kinder finden es natürlich mega-peinlich, wenn ich das Weihnachtsoratorium im Dialekt mitsinge.

Meine Freunde lernten die ihnen zugedachten Rollen sowieso auf fränkisch, sie konnten ja nichts Anderes. Ich lernte „mei Sprüchla“ absichtlich auf fränkisch, nur um meine Mutter zu ärgern und um mich zu amüsieren.

Ihr alljährlicher Kampf gegen „der Hölle Bein“ war aber auch wirklich eine sich wiederholende Kabarettnummer.

Es gab eine ganz klar geregelte Karriereleiter: Man fing an als Engel ohne Kerze, dann mit und später wurden die Mädchen Verkündigungsengel, die von den Moabitern und den Söhnen Sets berichteten, von den Ländern Sebulon und Naftali. Das war, als täte sich vom Baunachgrund ein Fenster in die weite Welt auf.

„Wer sänn denn die Moabiddä, Frau Baron?“ „Das sind die Feinde der Kinder Israel, und die sind die Guten.“

Wir wussten nicht, was Feinde waren, aber wir wussten, wer die Bösen waren, nämlich die Russn. Halbwegs böse waren auch die Spieler vom FC Gerach oder die gefürchteten Gegner aus Baunach. Aber Feinde hatten wir nicht, wollte man mal von den Idioten aus dem Oberdorf absehen.

Als Bub wurde man vom kerzenhaltenden Engel zum Hirten befördert. Als solcher stützte man sich auf einen Hirtenstab und schaute hütend auf eine Bank, über die ein Schafspelz gelegt worden war.

„Und es waren Hirdden in der selben Gechend auf den(!) Felde bei den Hürdden, die hüdeden des Nachds ihre Herte. Und siehe, des Herrn Engel drad zu ihnen und die Glarheid des Herrn leuchdede um sie. Und sie füchdeden sich sehr.“

Das waren machtvolle Worte, die der Hirte dem Publikum zurief: Vor den Zuschauern hatten alle noch mehr Respekt als vor der Barona, weil im Saal ja auch die eigenen Eltern saßen. Wehe man blieb stecken, dann erhob sich die Faust des Vaters, der dem Steckenbleiber „kumm ner ham, Fregger“ entgegenschleuderte.

Eine Sonderkarriere war es, Maria sein zu dürfen. Sie hatte nichts aufzusagen, ebenso wie ihr Josef stumm blieb. Seine Rolle war allerdings unbeliebt, weil er wegen der Nähe zur Mutter Gottes sofort in den Ruf des „Mädlesschmeggers“ kam, und das war so ungefähr das Schlimmste, was einem pubertierenden Buben passieren konnte.

Für Jungs war es karrieremäßig mit einem der Könige aus. Die kamen naturgemäß erst am Ende der Vorstellung „comme par hazard“ hinter einem Vorhang hervor. Sie hatten nichts zu sagen, sondern breiteten nur ihre Schätze aus.

Dennoch waren sie meiner Mutter alljährlich ein Dorn im Auge. Hinter dem Vorhang langweilten sie sich natürlich gottsjämmerlich und erschienen regelmäßig mit zerknautschter Krone und verwischter Gesichtsbemalung vor dem erwartungsvollen Publikum.

Alle sangen „Oh du fröhliche…,“ jeder bekam eine Tüte mit Kaffee, Schnaps, Bläztla und Lebkuchen. Die Mädchen bekamen a Bubbn mid an Beddigoo und die Buben a Audola.

Weihnachten konnte kommen.

 

Der Apostel Paulus und die Homosexualität

Neulich schrieb ich darüber, dass auch für Christen der Grundsatz gilt, dass an oberster Stelle die Menschenrechte stehen und danach erst die Gesetze, Ge- und Verbote aus der Bibel.

Ich habe damals den ersten Korinther Brief, Kapitel 6 Vers 9 nachgelesen, der immer wieder dazu herangezogen wird, um darzutun, das Christentum verbiete die gleichgeschlechtliche Liebe.

Ich hoffe, der Leser wird sich ebenso amüsieren, wie ich es seither tue.

Ich zitiere mal den Bibelvers:

„Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht erleben werden? Lasst euch nicht irreführen! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes erleben.“

Wenn man mal hochrechnet, wie hoch der Prozentsatz der Gesamtbevölkerung Ehebrecher, Diebe, Trunkenbolde oder Lästerer sind, dann sind die Homosexuellen eine relativ unwichtige Menge.

Da wird es im Himmel ziemlich langweilig, weil fast niemand dorthin kommt, ich zum Beispiel schon aus zwei Gründen nicht: Erstens lästere ich sehr gerne und zweitens trinke ich zu viel Wein.

Ganze Berufszweige sind vom Reiche des Herrn ausgeschlossen, zum Beispiel Bankiers, deren Götze das Geld ist, die Bewohner einiger Landstriche werden es schwer haben, ich denke da nur an den Geiz der Schwaben, der Katalanen und der Schotten. Da gehen doch die paar Lustknaben und Knabenschänder in der Masse unter!

Aber es ist mal wieder typisch: Im berechtigten Vertrauen darauf, dass eh niemand die Bibel in die Hand nehmen wird, um nachzulesen, was da behauptet wird, postulieren interessierte Kreise seit Jahrzehnten, das Christentum verbiete Homosexualität und vergessen all die anderen, die auch „verboten“ werden. Das ist natürlich hochgradiger Mumpitz, denn würde man den Bibelvers ernstnehmen, beraubte sich der gute Paulus mit einem Satz seiner gesamten Klientel: Der hebe den Finger, der im Lauf seines Lebens nicht irgendeines der oben genannten Ausschlusskriterien erfüllt hätte.

In Franken wird ein herrlicher Witz erzählt, wo jemand in den Himmel kommt und vom „Bedrus“ empfangen wird. Der sagt ihm, dass er machen könne, was er wolle, nur um 8 zum Frühstück, um 12 zum Mittagessen und um 19 Uhr zum Abendessen müsse er in den Speisesaal kommen. Dort ist er immer allein und bekommt nur einen Apfel. Nach drei Tagen beschwert sich der fromme Mann und will wissen, wenn er schon so schlecht behandelt werde, wie es dann in der Hölle zuginge. Petrus öffnet eine Klappe und man sieht in den Speisesaal der Hölle, wo Bratwürschd, Kalbsnierenbraten und Klöß aufgetischt werden, dass sich die Tische biegen. Ja, warum er denn das nicht auch bekäme, zumal er doch ein gottesfürchtiges Leben geführt habe, für das er im Himmel belohnt werden müsse etc.pp.

„Bedrus“ antwortet: „Ja, wäche aan, schürn mir die Küchn ned a!“