Plus Valía

Die Plus Valía , die Wertzuwachssteuer, ist eine von den Gemeinden erhobene Steuer auf die Steigerung des Kathasterwertes seit dem letzten Eigentumswechsel. Es liegt in der Natur der Sache, dass sie meist bei Verkäufen erhoben wird, aber auch bei Schenkungen und Erbschaften fällt sie an. Sie ist im Regelfall vom Verkäufer zu bezahlen, wenn auch die Immobilie selbst für ihre Bezahlung haftet. Das ist schon an sich ein widersinniges Konstrukt, aber es kommt noch besser: Da die Zahlung der Plus Valía für die Not leidenden Gemeinden stets ein wohltuender Schluck aus der Pulle ist, hat man im Jahr 2012 ein Gesetz erfunden, wonach Eigentümerwechsel im Grundbuch erst dann eingetragen werden dürfen, wenn der Nachweis erbracht ist, dass die Plus Valía bezahlt worden ist. Das stellt die Systematik des spanischen Grundbuches auf den Kopf, aber wenn´s um´s Geld geht, war dem Gesetzgeber die Systematik schon immer mal eher schnurz, mal eher piepe. Die Plus Valía auszurechnen, ist das, was Engländer „challenging“ nennen. Immerhin gibt es jetzt amtliche Stellen, bei denen man im Voraus erfahren kann, wie viel diese Steuer ausmachen wird.
Verlangen Sie vor dem Kauf einer Immobilie stets von Ihrem Anwalt, dass er diesen Betrag errechnen lässt. Er sollte dann vom Kaufpreis einbehalten werden, denn nur so können Sie garantieren, dass der Verkäufer nicht die grundbuchliche Eintragung behindert und Sie, der Käufer, dann als Immobilieneigner schlussendlich doch für die Zahlung haften.

Der Bäcker ist krank

Neulich hatte ich sehr früh in einem der Dörfer Mallorcas zu tun. So früh, dass ich beschloss dort in der Bar am Markt zu frühstücken.
Vor acht Uhr am Morgen trifft man bei Miguel nur alte Männer, die ihren „carajillo de anis“ trinken. Zum Magenerwärmen, wie sie behaupten. Mir wird der Geruch nach Anisschnaps in den Bars am Morgen schon schwer, bei der Vorstellung so etwas auf nüchternen Magen trinken zu müssen, wird mir ganz anders, halbschlecht, wie meine Schweizer Freunde sagen.
Drum bestellte ich einen „café con leche“ und ein „pa amb oli“, getoastetes Brot mit Tomate und Olivenöl bestrichen.
Das mit dem café sei kein Problem, sagte Miguel hinter dem Tresen, aber Brot gäbe es erst später, der Bäcker sei im Krankenhaus, da verzögere sich halt die Auslieferung.
Plötzlich hatte ich das Gefühl, ich müsse wieder auf´s Dorf ziehen. Da weiss zwar jeder alles von allen, aber man ist auch geschützt in einer Gemeinschaft, die Anteil nimmt, an einem Ort, wo man noch merkt, wenn einer aus der Gliederkette fehlt.
Nun sitze ich wieder daheim in Palma. Ich werde nicht auf´s Dorf ziehen. Es freut mich aber, zu wissen, dass es noch intakte Dorfgemeinschaften gibt.

Fussball

Es gibt wenige Dinge, von denen ich weniger verstehe als vom Fussball. Ich kann nicht einmal Fussball spielen. Als unser Sohn David noch in San Cayetano in der Schulmannschaft spielte, und ein Match Väter gegen Söhne geplant war, sagte er immer, sein Vater habe just an dem Tag auf Ibiza zu tun, wohwissend, dass mein Auftritt ihn für den Rest seiner Spielertage dem allgemeinen Hohn und Spott ausgesetzt hätte.
Aber ich verstehe etwas von Korruption, ich kann sie förmlich riechen. Dass Munar und Konsorten eine Bande korrupter Politiker waren, war mir klar, seit ich „la princesa“ Anfang der 90er Jahre in der Calle San Feliu als Erziehungministerin beobachten konnte. Dass Matas in seine Taschen wirtschaftet, war nicht nur mir klar, als er die Idee hatte, in den Hafen eine Oper zu setzen, nachdem das mit der Palma Arena so wunderbar, wie wir jetzt wissen, geklappt hatte.
Und dass es im Real Club Deportivo Mallorca stinkt, ist jedem nicht hirnamputierten Fan seit Jahren klar. Aber das ist der Mehrheit wurscht , nicht umsonst sagte die Dame Munar „en Mallorca la corrupción nunca fue mal vista“. Störend ist halt leider dieser komische Deutsche, der einen Anteil der Aktien des Clubs besitzt, wie hiess er noch gleich? Ach, ja Utz Claassen, eigentlich eine Frechheit von dem, sich einfach so in den mallorquinischen Club einzukaufen, wo der doch gar kein Mallorquiner ist. Und bei den dreckigen Geschäften, der Durchstechereien und beim Hand aufhalten hat dieser „cap cuadrat“ einfach nicht mitmachen wollen.
Und jetzt haben wir den Salat, der Club liegt am Boden, die Mehrheiten haben sich verschoben und – schwupp – übernimmt „el Utz ese“ einfach die Führung und setzt als einen der Geschäftsführer einen Mann seines Vertrauens ein, Michael Blum – ein Name den man sich wird merken müssen.
Es stellt sich die Frage, ob „la mallorquinidad“ einen deutschen Geschäftsführer des örtlichen Fussballclubs aushalten wird? Man hat auch einen argentinischen Trainer ausgehalten! Ja, aber der sprach immerhin spanisch. Und Eto’o aus dem Kamerun? Ja, der schoss immerhin viele Tore und sorgte für das Bevölkerungswachstum auf der Insel. Und Serra Ferrer? Der war immerhin vorher Trainer in Sevilla gewesen. Zugegeben, von all diesen Tätigkeiten und Vorzügen ist von Michael Blum nichts bekannt. Doch, spanisch, kann er. Aber er ist ein Studierter, offenbar ein Intellektueller, Journalist zu allem Überfluss auch noch. Alles sehr verdächtig und fragwürdig. Allerdings hebt diesen „newcomer“ etwas meterhoch über die Qualifikationen der Vorgenannten: Michael Blum kann Gemeinnutz von Eigennutz unterscheiden, er weiss, was es heisst, sich für eine Sache zu schinden ohne im Vorübergehen das Tafelsilber mitgehen zu lassen.
Es stellt sich somit die Frage nicht, ob Mallorca ihn aushält, vielmehr ist es so, dass „der Mallorca“ diesen Mann verdient hat.
Er mag vom Tagesgeschäft des Fussballs vorerst wenig wissen, aber, und das ist das Entscheidende, er ist ehrlich. Ich kann das bezeugen, denn er hat mehrmals bei uns im Haus gegessen, und alles Silber ist noch da.