Er ist ein Feigling

Es war für mich stets unerträglich festzustellen, dass ein unzufriedener Mandant seinen Unmut nicht an mir, sondern an meiner Sekretärin ausließ. Ich hielt das immer für Feigheit, weil der Kritiker nicht mir in die Augen sehen konnte, um mir zu sagen, weshalb sauer war.

Genau so feige handelt der 45. Präsident. Wenn Merkel nicht dabei ist, schimpft er herum, Deutschland finanziere Russland durch den Ankauf von Gas, damit dieses mit dem Geld Waffen kaufe, mit denen es Deutschland bedrohe und die USA dürften dann Deutschland mit eigenem Geld schützen, weil die Deutschen ja nicht genug für die Rüstung täten.

Dann trifft er Merkel und erklärt, die Beziehungen zu Deutschland seien exzellent.

Gleiches Schema mit May, er kritisiert ihre Politik, findet Johnson knorke in Checkers aber findet er, es herrschten Friede, Freude, Eierkuchen.

Niemand hat es verwundert, dass er Russland im Vorfeld des Helsinki Gipfels, als Gegner und Rivalen bezeichnete, erneut die Gas- und Erdölexporte kritisierte. Nachdem er mit Putin zusammengesessen hatte, war aus dem Rivalen, dem Gegner ein Konkurrent auf dem freien Markt geworden und das bezeichnete der Präsident auch noch als Kompliment.

Der dickste Hammer aber ist, dass er in Helsinki sagte, er glaube Putins Argumenten und Erklärungen, es gäbe keinen Grund anzunehmen, die Russen hätten den US Wahlkampf beeinflusst. Die „evidence“ seiner eigenen Geheimdienste wagte er nicht, Putin in die Augen schauend, vorzulegen.

In den USA zurück bekam er wieder Schiss, als eine Welle der Empörung über ihm hereinbrach. Und plötzlich habe er sich versprochen, denn es gäbe keinen Grund, nicht anzunehmen, dass…

Mal abgesehen davon, dass die Welt noch nie eine derart blöde Ausrede gehört hat, ist es erstaunlich, dass die Machthaber dem Präsidenten seine Feigheiten durchgehen lassen.

Warum hat Merkel ihn nicht damit konfrontiert, dass sein Wutausbruch wegen der Gaskäufe nicht nur unbegründet, sondern auch noch mit falschen Fakten unterlegt war?

Warum hat May ihn nicht gefragt, ob er schon mit seinem Freund Johnson gefrühstückt habe?

Und warum lassen es die Berater zu, dass ein unberechenbarer, nicht vorbereiteter Egomane unbegleitet mehrere Stunden lang mit einem berechnenden, erfahrenen, faktenkennenden Egomanen allein gelassen wird?

Und warum wird die Welle der Empörung in den USA nicht stärker, nachdem er nicht nur seine Geheimdienste vorgeführt hat, sondern im Nachgang eine ganze Nation für dumm verkauft. Es muss doch dem Normalbürger der USA die Schamröte ins Gesicht treiben, wenn er merkt, dass der eigene Präsident in Helsinki das Wörtchen „nicht“ vergessen hat.

Das Problem mit Feiglingen ist, dass diese stets darum bemüht sind, diese ihre Schwäche zu vertuschen. Wie macht man das? Mit Drohgebärden natürlich.

Wer sich allerdings immer nur aufmandelt muss irgendwann auch zuschlagen. Wir kennen das alle vom Pausenhof: Irgendwann wird die Aufplusterei nicht mehr geglaubt und der Feigling hat dann nur noch zwei Möglichkeiten: Draufzuschlagen oder den Schwanz einzuziehen.

Beides ist insbesondere dann gefährlich, wenn sich der Präsident der größten Militärmacht der Erde mit diesen beiden Optionen konfrontiert sieht.

Que Díos nos coja confesados.

 

 

Abbau des Demokratieverständnisses

An der Behandlung der Flüchtlingsfrage in unserer Gesellschaft kann man exemplarisch darstellen, wie Schrittchen für Schrittchen eine a priori gute Maßnahme schlechtgeredet wurde und zu einem Riesenproblem für das allgemeine Verständnis dessen wurde, was politisches Handeln bedeutet.

Der erste Schritt war, dass jemand behauptete, Merkel habe die Grenzen geöffnet. Das stimmt nicht. Die deutschen Grenzen waren qua Schengen Abkommen immer offen. Was Merkel al 15.9.16 machte, war aus einer Notsituation die Vorschriften des Dublin Abkommens auszusetzen. Dass das rechtens war, wurde von deutschen und europäischen Gerichten bestätigt.

Nächster Schritt: Man sprach von „Wirtschaftsflüchtlingen“. Frage an alle: Was würden Sie tun, wenn in Ihrem Heimatland weder für Sie selbst noch für Ihre Kinder eine annehmbare Lebensperspektive bestünde? Die ganzen Vereinigten Staaten wurden von Wirtschaftsflüchtlingen besiedelt und aufgebaut. Das Wort wurde lediglich geprägt und genutzt, um die Flüchtlinge, die aus sogenannten gescheiterten Staaten kamen, verächtlich zu machen. Das Wort diente dazu, Sozialneid aufzubauen und deshalb wurde als nächstes Schrittchen der Begriff der „Flucht in unsere Sozialsysteme“ nachgeschoben. Was bekommt so ein dahergelaufener Flüchtling und was bekomme ich?

Schlimm wurde es mit dem Wort des „Asyltoursimus“. Nun hatte aber auch der Dümmste begriffen, dass diese Menschen zu uns kommen, wie wir nach Malle fliegen, weil dort die Sonne mehr scheint und das Meer näher ist. Die Asyltouristen allerdings kamen nicht nach Deutschland wegen Sonnenschein & Co sondern wegen der für die bereitgestellten Fleischtöpfe (s.o.).

Und da man in Deutschland strebsam und geschäftstüchtig ist, war es nicht verwunderlich, dass schließlich jemand auf die Idee kam von der Flüchtlingsindustrie zu reden. Das sollte suggerieren, dass es zu allem Elend auch noch zwielichtige Gestalten gibt, die aus dem Schicksal der Asylanten Gewinn schlagen.

Ich muss mir da an die eigene Brust schlagen, denn ich habe auch geschimpft über den Betreiber eines Flüchtlingshotels, der für 18 qm Wohnraum über 3.000 € Staatsknete pro Monat absahnte und auf dessen Schreibtisch ein Schlüssel für einen Mercedes lag.

Und nun hat gestern der NRW Ministerpräsident Laschet gesagt, er sei ja ganz froh, dass der Gefährder, der ehemalige Leibwächter Bin Ladens, nun in Tunesien angekommen sei. Das darf er nicht sagen, denn so sanktioniert er einen Rechtsbruch. Wir erinnern uns: Das BAMF hatte den Mann abgeschoben, bevor das zuständige Gericht rechtsgültig darüber entschieden hatte.

Allerdings war Laschet nicht allein auf die Idee gekommen, derlei zu sagen, denn zuvor hatte Seehofer verkündet, es ei für ihn eine Priorität diesen Mann abzuschieben. Seit wann kann ein Bundesminister seine Meinung zu einem laufenden Asylverfahren abgeben und damit womöglich bei der ihm untergeordneten Bundesbehörde (BAMF) vorauseilenden Gehorsam provozieren?

Ein Bundesminister darf nie und nimmer in ein laufendes Einzelverfahren eingreifen.

Das waren alles kleine Schritte, die für sich genommen relativ unwichtig waren.

In der Summe aber ist es dadurch gelungen, nicht nur die Atmosphäre zu vergiften, es wurde letztendlich erreicht, den sozialen Frieden in unserm Land zu gefährden.

Vorsicht vor den kleinen Schritten, wir müssen alle wachsam bleiben.

Ich weiß nicht mehr, welcher aktuelle Diktator es gesagt hat:

„Lasst mich nur machen, wenn es viele kleine Schritte sind, wird das Volk die von mir gewollten Veränderungen problemlos schlucken.

Das nenne ich Abbau des Demokratieverständnisses.

Die Kloßköchin und der Pfarrer von Gerach

In diesem Buch geht es nicht darum, dass ich ein Techtelmechtel zwischen einer kloßkochenden Dame und dem Seelsorger von Gerach aufdecke.

Nein, in dem dünnen Büchlein werden 34 Geschichten und Episoden aus Franken erzählt, die ich zum Teil selbst erlebt habe, oder die mir erzählt wurden.

Nachdem ich die Beiträge zu Korrekturzwecken unzählige Male durchgelesen, verändert und zum Teil neu geschrieben habe, kamen sie mir am Ende stinklangweilig vor.

Um so mehr freut es mich, wenn mir die einen sagen, genau so sei es gewesen und die andern versichern, Tränen gelacht zu haben.

Beides, die Tradierung von Lebensformen, die vergessen zu werden drohen und der Wunsch, meine Leser zum Lachen zu bringen, waren der Antrieb, einen Verleger für die Geschichten aus Franken zu finden.

Der Erich Wess Verlag in Bamberg hat das Risiko dann auf sich genommen und es wäre schön, wenn es für den Verlag kein Risiko bliebe.

Man kann das Buch, Titel oben, für 9 € beim Verlag erwerben (online), man kann es im Buchhandel kaufen oder man kann es bei mir bestellen, ebenfalls für 9 € plus Porto. Dafür gibt es dann aber auch eine Widmung (rotenhan@hotmail.com).

In dem Buch geht es um Partnerfindung, Staatslehre, Religionsunterricht, einen Helden, die Jagd, die Aufklärung, Rauschgifthandel, Fürsten und Bierausfahrer. Dies allerdings stets unter dem besonderen Blickwinkel des Fränkischseins.

Die in fränkischer Sprache gehaltenen Teile sind auch für Nichtfranken leicht zu verstehen, vielleicht mit einer Ausnahme, die auch Franken womöglich nichtmehr im Sprachschatz führen: „Göcherles“.

Der Rechtsstaat

Es wäre unbillig, von jedem Bürger zu verlangen, er solle den Rechtsstaat verstehen. Ihn zu achten, muss von jedem Bürger gefordert werden.

Natürlich gibt es Bürger, die den Rechtsstaat weder verstehen noch achten wollen, man findet sie in der äußersten rechten und in der äußersten linken Ecke unserer Gesellschaft.

Dieser Umstand und dieses Wissen müssen uns alle insofern alarmieren, als damit klar wird, dass der Rechtsstaat potentiell immer in Gefahr ist.

Der Bürger kann sich allerdings wohlig zurücklehnen, denn es gibt ja den Verfassungsschutz. Naja, geben tut’s den schon, inwieweit er die Verfassung und damit den Rechtsstaat wirklich schützt, steht gerade nach dem NSU Prozess in Frage, naja, eigentlich stand das schon immer in Frage.

Dennoch, die Mehrzahl der Bürger in Deutschland sind sich darüber einig, dass sie in einem Land leben, in dem Recht und Gesetz nicht nur gelten, sondern auch umgesetzt werden.
Da freut sich jedermann, alles funktioniert. Ich darf sagen, was ich will, ich darf machen, was ich will, ich darf reisen, wohin ich will; der Rechtsstaat ist gut, solange er mich schützt und mir dient.

Die andern, die Asylanten zumal, die braucht der Rechtsstaat nicht so sehr zu schützen, ein bisserl Rechtsstaat ist für die immer noch mehr, als das, was ihnen zu Hause blüht.

Insofern macht die Häme bestürzt, mit der das absolute Staatsversagen überschüttet wird, nachdem ein möglicherweise gefährlicher Asylant nach Tunesien abgeschoben wurde, was sich a posteriori als unrechtmäßig herausgestellt hat.

„Dem geschieht es doch Recht, wenn er dort womöglich ein bisschen gefoltert wird, als Leiwächter von Bin Laden wird er auch nicht gerade zimperlich gewesen sein“, denkt beim kleinen Hellen der deutsche Michl.

Doch darum geht es gar nicht. Im Fall dieses abgeschobenen Mannes hat eine Behörde Unumkehrbares beschieden, bevor das befasste Gericht eine rechtskräftige Entscheidung in dieser Sache getroffen hatte. Es wird zu prüfen sein, ob diese rechtswidrige Entscheidung auf dem Mist eines Beamten gewachsen ist, ob der Behördenchef interveniert hat, oder aber, ob der Rechtsbruch von einem zuständigen oder nicht zuständigen Politiker angeordnet worden ist.

Die Beantwortung dieser Frage ist allerdings eine Nebensächlichkeit angesichts der Tatsache, dass in so heiklen Fragen wie Abschiebung offenbar – es geht ja nur um Ausländer – die Allgültigkeit rechtsstaatlicher Normen relativiert werden kann.

Ein Rechtsstaat zeichnet sich unter anderen dadurch aus, dass die Intensität der Anwendung von Recht und Gesetz immer gleich ist.

Es ist schon schlimm genug, dass allgemein die Ansicht herrscht, Menschen, die aus Diktaturen zu uns geflohen sind, nur so viele Rechte einzuräumen, wie Deutschen in deren Heimat eingeräumt werden würden, Stichwort, wir haben hunderte Moscheen im Land, aber in Saudi-Arabien gibt es keine christlichen Kirchen.

Dass dieses Ungleichgewicht ein unhaltbarer Zustand ist, ist unbestritten. Er zeigt aber nur, dass Deutschland ein Rechtsstaat ist, Saudi-Arabien aber nicht.

Rechtsstaatliche Prinzipien sind nicht reziprok anzuwenden und sie sind jedem Menschen gegenüber gleich anzuwenden.

Mag ein Asylant noch so gefährlich sein, noch so verabscheuungswürdige Meinungen vertreten, mag er ein Attentat planen, mag er Verbrechen begangen haben, er hat Anspruch darauf, so behandelt zu werden, wie es unsere Gesetze für die in Deutschland lebenden Menschen vorsehen.

Politische Opportunitätsgedanken sind da fehl am Platze. Das Primat der Politik gilt dann nicht, wenn es um das geht, was unsere Verfassung uns allen garantiert, da gilt das Primat der Verfassung.

 

 

Chaos: Der SDS ist auferstanden!

SDS, der Schrecken derer, die von den 68ern überrannt wurden. Hinter dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund verbarg sich alles, was als Gefährdung dessen empfunden wurde, was man sich in der Bundesrepublik nach dem Krieg alles erschaffen hatte.

Dann hat der Popanz SDS einige Jahrzehnte geschlafen und nun ist er mit Vehemenz wieder gekommen:

S wie Seehofer

D wie Dobrindt

S wie Söder.

Ich behaupte, dass der neue SDS in einigen Jahren jedenfalls nicht von der Zeitgeschichte so gesehen wird, als habe er die Menschheit irgendwie weiter gebracht. Zeitweise war der neue SDS staatsgefährdender als der damalige Studentenbund.

Ich erinnere mal kurz daran: Wir leben im Jahre 2018, Energiewende, Klimaveränderungen, Zuwanderung, sei sie legal oder illegal, ungenügende Geburtenrate, Kriege allerorten und darüber schwebt auch noch ein amerikanischer Präsident im Delirium.

Und da haben die drei Herren nichts Besseres zu tun, als die Bundesregierung wegen eines Jotas auf’s Spiel zu setzen. Um dieses Jota ging es beim Konzil von Nicäa im Jahre 325. Ist Jesus Gott oder ist Jesus wie Gott? Im Griechischen unterschied diese beiden Auffassungen ein Jota, also ein Buchstabe! Kriege entbrannten deshalb.

Bei unserem New SDS weiß man so richtig nicht, um was es geht, denn der Seehofersche „master plan zur Flüchtlingspolitik“ ist ja noch immer nicht veröffentlicht.

Juristische Fiktionen, wo zurückweisen, wen erpressen, für viel Geld zweimal die EU Premiers zusammentrommeln, zurücktreten, Fraktionsgemeinschaften auflösen, den Beleidigten spielen, es als freundliches Zugeständnis zu deklarieren, wenn man doch nicht zurücktritt, in der Rücken fallen, Andersdenkende abwatschen, die Leut für blöd zu erachten — und dann plötzlich so tun, als ob alles weiterlaufen könne, ohne sich beim Koalitionspartner SPD Rückhalt zu verschaffen, das alles ist ein Schauspiel, das es nicht einmal gab, als Kohl und Strauß sich in inniger Hassliebe in den Haaren lagen.

In meiner Erinnerung stritten die beiden allerdings auf einem etwas höheren Niveau.

Dass das Wahlvolk keine Lust auf Politiker wie SDS hat, dass das Wahlvolk keine Lust mehr hat auf eine Ewig-Kanzlerin, das wird nach dem gehabten Karneval im Frühsommer immer klarer.

Es ist zum Verzweifeln, denn es gibt durchaus gute Politikerinnen und Politiker im Land. Okay, manche von denen sind halt in der falschen Partei, aber das gab’s schon immer.

Mein Vorschlag für eine Kabinettsliste:

Norbert Lammert Bundeskanzler, Sarah Wagenknecht Außenministerium, Olaf Scholz, Verteidigung, Manfred Weber Innenminister, Otto Solms Finanzen, Robert Habeck Umwelt, Heribert Prantl Justiz, und die anderen werden sich auch noch finden lassen.

Die SDS-Gang aber sollte schleunigst im Orkus landen. Leider, und ich weiß es gewiss, ist das alles Wunschdenken.

 

Erfahrung, wie langweilig!

Mein Freund und Lehrmeister, der verstorbene Anwalt Paco de Semir, hat zu meinem  Ärger oft seine Altersweisheit gegen mein jugendliches Drängen gesetzt. Er sagte dann immer:

„El diablo es más diablo por viejo que por diablo“ Wenn man weiß, dass “más” mehr heißt, und “viejo” alt, dann kann man das verstehen.

Je älter ich werde, desto mehr gefällt mir der Satz. Die Mischung aus Erfahrung und beginnender Altersweisheit macht‘s eben.

Auch wenn man noch so jung und stürmisch ist, es führt zu nichts, zu denken oder der Umwelt weiszumachen, man könne das Rad neu erfinden.

Nun ist es ja so, dass der 45. Präsident erheblich älter ist als ich und dennoch gefällt er sich in der Rolle dessen, der alles anders und natürlich besser macht, als alle seine Vorgänger zusammen.

Jetzt hat er gestern mit dem vorgestern noch Unhold seienden Kim Jong Un ein paar Minuten geplaudert und danach hat er den Weltfrieden ausgerufen. Friede, Freude, Eierkuchen.

So einfach ist es, Weltpolitik zu machen. Man fragt sich, warum es in grauer Vorzeit, Kriege, Konferenzen, Stillstand, Elend, und Friedensschlüsse gab, wenn es doch genügt, dass zwei richtige Kerle sich zusammensetzen und Tacheles reden.

Jahrhunderte mussten ins Land gehen, Diplomaten, Gelehrte, Militärs und Staatslenker mussten Erfahrungen sammeln, mussten Werkzeuge erfinden, mussten Geduld haben.

Alles Unsinn. Im Stil seiner berühmten „locker room talks“ schafft der 45. Präsident von Mann zu Mann Fakten, und verkündet sogleich der Welt, was er doch für ein dufter Typ sei.

Den Friedensnobelpreis hat er sozusagen schon in der Tasche.

Es ist ja nicht so, dass ich es nicht begrüßte, wenn die Bevölkerung Nord Koreas endlich was zu essen bekäme und wenn die Atomwaffen dort und anderswo abgeschafft würden.

Allerdings erhebt sich der Verdacht, dass der gestrige Umtrieb lediglich den Ex-Unhold aufgewertet hat, ihn aber zu rein gar nichts verpflichtet.

Natürlich ist der 45. Präsident gewählt und die Verfassung der USA stattet ihn mit umfassenden Vollmachten aus. Aber denkt er wirklich, er wisse so viel, dass er des Rates der Erfahrenen dieser Welt entraten kann?

Wie hanebüchen das Ganze ist, wie haarsträubend unprofessionell, zeigt der Satz, man müsse die Vereinbarungen von Singapur eben auch unter dem Gesichtspunkt des Immobiliengeschäftes sehen.

Wenn der Mann nicht den großen Atomknopf hätte, wenn er nicht die Macht hätte, Vereinbarungen, die lange gehalten haben, über den Haufen zu werfen, wenn er nicht der Präsident der mächtigsten Nation der Welt wäre, könnte uns das alles piepe sein.

Er ist aber der Präsident der mächtigsten Nation der Welt und das macht mir Angst.

Ceterum censeo: Wenn Europa jetzt nicht lernt, zusammenzuhalten, dann ist bald Hopfen und Malz verloren.

Vogelschiss

Natürlich sind 12 Jahre eine kurze Zeitspanne.

In der Betrachtung der Geschichte kommt es allerdings nicht auf die Quantität der Jahre an, sondern auf die Qualität dessen, was in diesen Jahren passiert ist.

Die Weimarer Republik ist nicht vergleichbar mit dem Zustand der Bundesrepublik heute. Es verbindet allerdings beide die Rechtsstaatlichkeit ihres Systems und die breite bürgerliche Verfasstheit ihrer Bevölkerung.

Werte wie Verlässlichkeit, Bildung, Grundrechte, Gewaltentrennung, contrat social, Achtung der Rechte der Mitmenschen, all das zeichnete die Weimarer Republik aus und all das zeichnet das derzeitiges Leben in der Bundesrepublik aus.

Was alle Welt nach 1933 bestürzte und nach wie vor bestürzt, ist die Tatsache, dass es den Nazis in sehr wenigen Jahren gelungen war, aus Normalbürgern Denunzianten,  Opportunisten, Mitläufer, Menschenverachter und Mörder zu machen.

Nach 1945 stellte sich heraus, dass die Mehrheit der Bevölkerung sich dem Widerstand angeschlossen hatte, keiner hatte mitgemacht, nur in den Bonner Ministerien saßen noch Seilschaften.

Zugegeben, nicht alle waren Nazis, aber es waren auch sehr wenige, die sich trauten, offen dagegen zu sein.

Da wurde vor den Augen des deutschen Bildungsbürgertums all das mit Füssen getreten, was seit Jahrhunderten im Land der Dichter und Denker erarbeitet worden war, und die Mehrheit schaute schweigend zu.

Offenbar ist es möglich, als handele es sich dabei um das Drehen am Schalter, das Bewusstsein und das Verhalten eines Volkes auszuwechseln.

Es reicht eine Mischung von Bedienung der bestehenden Vorurteile und Terror, um das zu erreichen.

Wir durchleben gerade eine Phase, in der die Wahrheit immer unwichtiger wird. Früher trat ein Politiker zurück, wenn er beim Lügen erwischt wurde. Heute ist das Belügen des Parlaments und der Öffentlichkeit wohlfeil geworden, zumal die Anhänger der Lügner genau diese Lügen hören wollen.

Wenn Dobrindt von der Anti-Abschiebe-Industrie schwafelt, erfreut er damit die Masse und beleidigt wenige. An der Wahlurne zahlt sich das aus.

Wenn Gauland vom Vogelschiss spricht, freut das die Nazi Nostalgiker. Dass er damit das Undenkbare, das Grauen, die Ermordung nicht nur von Millionen Juden kleinredet, sondern auch die Opfer des von den Nazis angezettelten Krieges verlacht, das merken nur die, die ihn so wie so nicht gewählt hätten.

Der Holocaust und die Schuld am zweiten Weltkrieg werden auf ewig die Deutschen und das Bild Deutschlands in der Welt belasten.

Das ist gut so, weil man bisher dachte, diese Verantwortung werde die Deutschen bei Vernunft halten.

Seit in Deutschland wieder Nazis in den Parlamenten sitzen, habe ich allerdings Zweifel, ob diese Prämisse noch hält.

 

Die tun was!

Donald Trump ist mir unsympathisch, Victor Orban ist mir unsympathisch, Wladimir Putin ist mir unsympathisch, Sebastian Kurz ist mir unsympathisch, Marcus Söder ist mir unsympathisch.

Alle, und noch ein paar Gesellen mehr, machen Politik, die ich für gefährlich und falsch halte, einer etwas mehr, der andere etwas weniger.

Aber, und das kann ihnen niemand abstreiten: Sie tun was. Und indem sie etwas tun, bewirken sie was. Sie sind präsent, werden von ihren Völkern geachtet und gewählt, so hofft zumindest Söder.

Nun haben wir in Paris einen jungen Präsidenten Macron sitzen, der seit Monaten einer Loreley gleich auf dem Felsen sitzt uns Lockrufe nach Berlin aussendet. Zunächst konnte Berlin nicht antworten, da manövrierunfähig, und dann, als das Ruder wieder funktionierte, hat es bis zu diesem Wochenende gedauert, bis die Kanzlerin sich zu einem „ja, aber“ durchringen konnte.

In Italien droht eine eurofressende Regierung, in Russland erstarkt ein Despot, in Ungarn macht der Victor, was er will, in Wien legt sich die ÖVP mit den Rechten ins Bett und der Trump, der setzt alles auf‘s Spiel was einem aufrechten Atlantiker seit einem dreiviertel Jahrhundert heilig war.

In einer solchen Situation hat man als Bundeskanzlerin die Pflicht, zupackend neue Allianzen zu schmieden und/oder bestehende auszubauen und sie manövrierfähig zu halten.

Macron erwartet sicherlich nicht, dass seine Vorschläge in der EU eins zu eins verwirklicht werden können.

Aber da haben wir mal jemanden, der Vorschläge hat! Alles schaut gebannt darauf, was die zweite starke EU Nation dazu sagt, und dann kommt ein verzagten „ja, aber“.

Frau Merkel hatte das Glück, bisher damit in einer ihrem Meister Kohl abgeschauten Politik des Aussitzens durchzukommen.

Bröckelnde Allianzen aber kann man nicht aussitzen! Hier ist „Action“ gefragt, und die lässt die Kanzlerin in beklagenswerter Weise vermissen.

Es hat eben schon was Gutes, wenn die politischen Mandate zeitlich beschränkt werden. Nach zwei Legislaturperioden ist Schluss.

Nicht dass ich es der Kanzlerin nicht gönne, vier Mal im Amt bestätigt zu werden. Der Grund dafür, dass die Mandate ein Verfallsdatum haben müssen ist die Dankbarkeit.

In all den Jahren hat Merkel natürlich aus Richtiges und Gutes vollbracht. Und da denkt dann der Wähler, man müsse sie doch wieder wählen, alles andere wäre undankbar.

Sind Sie Ihrem Taxifahrer dankbar? Verdient Ihr Klempner Elogen? Nein, das sind Professionelle, die ihre Arbeit machen und dafür entlohnt werden.

Genauso ist es mit Politikern. Die sollen ihre Arbeit machen, dafür werden sie von uns bezahlt. Dankbarkeit hat in der Politik nichts zu suchen.

Ich stelle fest, Frau Merkel ist derzeit überbezahlt. Sie macht nichts. Dabei wäre gerade jetzt Handeln am Platze!

Ihr Nichtstun bewirkt, dass das tumbe, verantwortungslose, effekthascherische Tun der oben genannten Unsympathslos von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Diese Aufmerksamkeit hätten sie nicht, wenn Paris und Berlin endlich wieder an einem Strang zögern.

Sorge um den Euro

General de Gaulle hat gesagt, Staaten hätten keine Freunde, Staaten hätten Interessen. Das ist ja auch richtig, solange sie keine gemeinsame Währung haben. Der Euro hat die Europäer nun wirklich nicht zu Freunden gemacht, sie sind allerdings erheblich mehr voneinander abhängig, als dass jedes Land seinen partikularen Interessen frönen könnte.

Wahrscheinlich ist es ein Geburtsfehler des Euro, dass er seinen Mitgliedsländern zu viel haushaltspolitische Autonomie gewährt. Jeder macht seine Schulden allein, jeder kurbelt seine Wirtschaft an wie er will, oder auch nicht, jedenfalls wie er will. Das hat jedes Land solange getan, bis es in Bedrängnis kam.

Dann auf einmal griff Brüssel ein, Sparpläne mussten befolgt werden, Auffangkredite gab es nur noch mit Vorbehalten und jeder, der sehen und denken kann, wähnt dahinter die starke Hand der Bundesregierung.

Noch nie war Geldgeber so unbeliebt, wie es zur Zeit Deutschland ist.

Wie das denn?

Jeder, der sehen und denken kann, versteht, dass Deutschland der Hauptnutznießer der Eurozone, des europäische Binnenmarktes und der ganzen EU ist. Natürlich zahlt Berlin die höchsten Nettobeiträge in die EU Kasse. Das passiert ja nicht nur aus überschäumender Liebe zu unseren europäischen Brüdern und Schwestern, vielmehr ist das der schiere Eigennutz. Das viele Geld fließt ja wieder zurück nach Deutschland, denn ohne die Mittel, die von Berlin via Brüssel in die EU Länder fließen, könnten diese nicht die Erzeugnisse der deutschen Industrie kaufen.

Der Erfolg ist, dass Deutschland wirtschaftlich bombig dasteht, von den Rating Agenturen über den Schellen Ober gelobt wird, sich daher billig finanziert und die Gelder dann teuer weiterverleihen kann. Deutsche Banken haben aus der Griechenland Krise erheblichen Profit gezogen.

Wenn man den Euro ausschließlich im Bezug auf die deutsche Wirtschaftsleistung ansieht, dann ist er unterbewertet. Wieder profitiert Deutschland, denn nur so kann es seine Waren zu Preisen verkaufen, die seine Europartner bezahlen können.

Kehrte Deutschland zur DM zurück, würde deren Wert im Bezug zu den anderen europäischen Währungen rasant nach oben springen und plötzlich wären Waren aus anderen Ländern konkurrenzfähig, die es derzeit schwer haben.

Wie aber soll ein gemeinsamer Markt funktionieren, in dem wenige Partner vor Kraft nicht laufen können und andere wegen der drückenden Schuldenlast den Hintern nicht hochkriegen?

Ab jetzt kommt die Psyche in Spiel, denn es geht um die Vergemeinschaftung der Schulden.

Griechenland, Italien, Spanien, Portugal. Irland hat man über Jahre hinweg Schulden machen lassen. Es waren nicht zuletzt deutsche Banken, die dorthin Geld geschaufelt haben, wohlwissend, dass es zum großen Teil wieder in die Kassen ihrer deutschen Industrieklientel fließen würde.

Aber: man kann das Kind nicht erst mästen und es dann zu einer Abmagerungskur verdonnern, weil der Bub so blöd war, das ganze Zeug in sich hineinzustopfen.

Deutschland ist an der Eurokrise elementar mit Schuld und hat vom Elend anderer profitiert. Wenn jetzt die Vergemeinschaftung der Schulden als Satanswerk hingestellt wird, so ist das verlogen, verantwortungslos und schädlich.

Die hierzu benutzte Melodie ist immer die gleiche: „Die faulen Südländer wollen, dass wir ihnen Wein, Weib und Gesang samt Siesta und Sirtaki finanzieren“.

Das kann jeder verstehen, will jeder verstehen und das bringt Erfolg an den Wahlurnen.

Dabei ist die Sache anders: Es steht im Interesse des Staates Deutschland, seinen europäischen Partnern nicht schulmeisterlich zu kommen, sondern helfend. Das bedeutet letztlich einen kontrollierten Schuldenschnitt.

Sittliche Schieflage!

Es passiert immer wieder, dass man auf dem Flugplatz auf Damen trifft, die zu laut sprechen, zu grell geschminkt sind und zu auffallend die Haare getönt haben. Sie wollen allen Mitmenschen mitteilen, wie gut es ihnen ginge, wenn sie denn das Glück hätten, der graumelierte Herr an ihrer Seite zu sein.

Heute traf ich auf eine solche Dame auf meinem Flug von Berlin nach Palma. Wegen ihrer high heels war sie sehr groß, hatte eine schwarze Mähne und war auch sonst schwarz angezogen. Wobei ich mir überlege, ob „angezogen“ ihre Erscheinung angemessen beschreibt, denn von unterhalb des übrigens sehr sehenswerten Busens bis zum Gürtel hatte sie nichts an außer einem goldenen Nabelpearcing.

Erstaunlicherweise trug die Dame kein sichtbares Tatoo, wiewohl ihr und dem graumelierten Herrn sozusagen auf der Stirn geschrieben war: „Wir sind alles, nur nicht verheiratet.“

Ich amüsiere mich über derartige Darbietungen immer und dann vergesse ich sie. Heute nicht, denn zu meinem Entsetzen stellte sich nicht nur heraus, dass sie in den selben Flieger stiegen, sondern auch noch neben mir saßen.

Der Steward, er war ausweislich seines Namensschildes Grieche, erkannte offenbar mein seelisches Erbleichen und bot mir einen sehr bequemen Sitz in der Reihe hinter dem Paar an. Sehr viel griechisch kann ich nicht, aber „efcharistó“ konnte ich heute gar nicht oft genug sagen. Der Steward lächelte wissend.

Nun saß ich also hinter dem Paar. Über dem Gang vertiefte sich in der gleichen Reihe ein schlohweißer emeritierter Professor für angewandte Philosophie in eine wichtige Abhandlung. Er sah so aus, als habe er im Jahr 1959 eine Doktorarbeit über den Zeitbegriff bei Kierkegaard geschrieben. Ich versuchte mich in seine Lage zu versetzen und bemerkte, dass der würdige Greis wohl noch nie so froh gewesen war, ein gelehrtes Buch eingepackt zu haben, wie heute.

Derweil informierte die zu schwarze, zu wenig angezogene und zu laute Dame den graumelierten Freund in regelmäßigen Abständen über den Zustand ihrer Dauergeilheit, über Marseille befand der sich auf einem Tiefpunkt, aber offenbar hat sich der genannte Zustand bis zum Landeanflug wieder erholt. Es war alles weder zu überhören noch zu übersehen, der Professor verkroch sich in ein Buch und ich hörte auf meinem Sitz dahinter immer dann etwas, wenn mich mein eigenes Schnarchen aufgeweckt hatte.

Wir stiegen aus und erfuhren dass der graumelierte Herr Klaus Günter hieß, denn er erntete einen satten Anpfiff, als er versicherte den „Perso“ der Angebeteten nicht In der Jackentasche zu haben. Die Trübung des Verhältnisses dauerte nur kurz, denn es stellte sich heraus, dass niemand ihren „Perso“ sehen wollte.

Mein sittliches Gesamtgefüge war einigermaßen in Schieflage geraten. In der Schlange vor dem Taxistand wartete ich hinter einer vollkommen ungeschminkten jugendlichen Dame. Sie hatte sicherlich seit 12 Monaten keinen Sonnenstrahl mehr gesehen, war deshalb Britin und hatte in Erwartung der der zu ergatternden Bräune auf Mallorca nur leichte, um nicht zu sagen sehr leichte Bekleidung gewählt. Sie telefonierte:

„Tell me, where do I find these guys?  …. Okay, I take a taxi …. What, they are four Arabs? Yesterday you told me, there are only two of’em …… No, no, I told you yesterday, the answer is no! ….. You bloody motherfucker, but then it will be thousand per cock…”

Dann stieg sie in ein Taxi.

Sittliche Schieflage ist gar kein Ausdruck, mein Wertesystem wankt!